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Treffen mit Wirtschaftsnobelpreisträgern

Brücken von der Theorie zur Praxis

Bundeskanzlerin Merkel hat in Lindau die 5. Tagung der Nobelpreisträger eröffnet. 17 Wirtschaftsnobelpreisträger und 460 Nachwuchsökonomen aus 80 Ländern diskutierten über wirtschaftswissenschaftliche Konzepte. Merkel bat: Sprechen Sie verständlich als Wissenschaftler.

Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhält sich bei der Nobelpreisträgertagung mit Wirtschaftswissenschaftler. Die Kanzlerin im Gespräch mit Wirtschaftsnobelpreisträgern. Foto: Bundesregierung/Bergmann

"Wir sind stolz auf diese Treffen, denn sie sind ein glänzendes Aushängeschild für unseren Wissenschaftsstandort, aber auch für die Dialogkultur, die wir in Deutschland pflegen", hob die Bundeskanzlerin in ihrer Rede hervor. Sie betonte, dass die Wissenschaft ja von solch offenem Dialog lebe.

Es gebe eine Gemeinsamkeit bei Wissenschaft und Politik: Sie stehe immer in den Diensten einer überpersönlichen Sache, so Merkel. Es gebe aber auch gravierende Unterschiede: "Für die Wissenschaft steht die Freiheit von Forschung und Lehre im Mittelpunkt, die Politik ist beauftragt, die Gestaltung und Leitung des Gemeinwesens zu leisten. Politik muss immer zu Entscheidungen kommen."

Bereitstellung von Leitfäden für die Politik

Die Kanzlerin äußerte auch ihre Erwartungen: Wünschenswert sei, dass sich die Wissenschaft dem Anspruch stelle, immer wieder Brücken von der Theorie zur Praxis zu schlagen und der Politik Leitfäden in die Hand zu geben.

"Man sollte auch die Ehrlichkeit haben, die Fehlerquoten oder die Unschärfen anzugeben, wenn man es nicht ganz genau weiß." Das helfe manchmal auch, Enttäuschungen vorzubeugen.

Bundeskanzlerin Merkel gehört seit 2007 dem Ehrensenat der Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertagungen an. Es ist ihr erster Besuch der Tagungen, die seit 1951 am Bodensee den Dialog zwischen Naturwissenschaftlern fördern und seit 2004 die Wirtschaftswissenschaften thematisieren. Merkel erörterte unter anderem mit Nachwuchsökonomen aus 13 Nationen die internationale Attraktivität des Studien- und Wissenschaftsstandortes Deutschland. Auch die Perspektiven des wissenschaftlichen Nachwuchses waren ein Gesprächsthema.

Politik will agieren

Die Politik habe ein Interesse daran, nicht immer zu reagieren, sondern zu agieren, das heißt Entwicklungen vorher schon präventiv zu gestalten, betonte die Bundeskanzlerin in ihrer Rede. Deshalb müsse man aus den Krisen der vergangenen Jahre lernen.

Sie sprach die Finanzmarktkrise an, die in der Europäischen Union sehr schnell in eine Krise des Euroraums übergegangen sei. Merkel nannte drei Ursachen, an deren Überwindung gearbeitet werden müsse, um nicht wieder in eine solche Krise zu kommen.

"Erstens: Wir müssen die Konstruktionsfehler der Wirtschafts- und Währungsunion beheben, Zweitens: Wir haben sozusagen Altlasten in Form von sehr hohen Staatsverschuldungen. Drittens: Wir haben Bankensysteme, die insgesamt zu viel Probleme und zu wenig Transparenz mit sich bringen."

An all diesen Fragen sei bereits gearbeitet worden, aber man müsse weiterarbeiten. Hinsichtlich des Bankensystems verwies Merkel darauf, dass hier ein wirklicher Quantensprung gelungen sei. "Wir arbeiten an einer europäischen Bankenunion mit einer gemeinsamen Aufsicht durch die Europäische Zentralbank und klaren Haftungskaskaden", so Merkel.

Regierungshandeln zielt auf gute Lebensqualität

Die Bundeskanzlerin erklärte, dass gerade in dieser Legislaturperiode, das Regierungshandeln auf die Frage guter Lebensqualität ausgerichtet werde. Dabei will die Bundesregierung noch intensiver als bisher die konkreten Vorstellungen von Bürgerinnen und Bürgern von einem guten Leben in Erfahrung bringen. Daraus werde ein Indikatorensystem entwickelt, an dem sich die Politik orientieren könne.

5. Lindauer Tagungen: Vom 20. bis 23. August haben die Nobelpreisträger und die jungen Wirtschaftswissenschaftler viele Gelegenheiten zu einem intensiven Ideenaustausch. Die übergeordnete Frage ist: Wie nützlich sind die Wirtschaftswissenschaften – wie sind die Wirtschaftswissenschaften nützlich? Die Diskussionen drehen sich unter anderem um die ungleiche Verteilung von Reichtum und Armut auf der Welt. Andere Vorlesungen und Podiumsdiskussionen widmen sich Wirtschaftswissenschaften, wie der Ökonometrie und der Spieltheorie. Auch Risiken im Finanzsystem und deren Messung beschäftigen die Ökonomen.

Donnerstag, 21. August 2014