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Japan-Reise

Bundeskanzlerin Merkel startet eine neue Klima-Initiative

Einen neuen Vorschlag für die weltweite Reduktion von Treibhausgasen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in Japan unterbreitet. Sie schlug vor, dass sich der Ausstoß von CO2 an der Bevölkerungszahl bemessen solle. Zudem wurde die Kanzlerin am zweiten Tag ihrer Japan-Reise von Kaiser Akihito empfangen - auch mit ihm sprach sie über den Klimaschutz.

Nach Merkels Vorschlag würde der CO2-Ausstoß pro Kopf errechnet. Der maximale CO2-Ausstoß eines Landes orientiert sich damit an der Bevölkerungszahl. Das heißt: je größer die Bevölkerungszahl eines Landes, desto mehr CO2 kann dieses Land ausstoßen. Jeder Mensch auf dieser Welt darf damit die gleiche Menge an Kohlendioxid produzieren.

Bisher wird der CO2-Ausstoß absolut gemessen. Danach gehören sowohl Deutschland als auch beispielsweise China zu den Ländern mit den höchsten Emissionswerten weltweit.


Es sei nicht ausreichend, wenn jeder beteuere, er gebe sich "so viel Mühe, wie er kann", sagte die Kanzlerin auf einem Symposium des Medienunternehmens Nikkei. Nötig seien "quantifizierbare Reduktionsziele" für das Treibhausgas Kohlendioxid.

CO2-Ausstoß pro Kopf angleichen

Merkel geht bei ihrem Vorschlag davon aus, dass die Industrieländer möglichst weit mit ihrem Energieverbrauch zurückgehen. Damit fällt der Kohlendioxidausstoß pro Kopf. 

Die Schwellenländer jedoch sind auf Wachstum angewiesen. Nur so können sie die Armut überwinden. Das bedeutet aber auch: Ihr CO2-Ausstoß wird in den nächsten Jahren noch steigen. Letztendlich wird sich  der Kohlendioxidausstoß pro Kopf in den Schwellenländern dem in den Industrieländern angleichen. 

Wenn das Abkommen gerecht sein solle, sei jedoch eines klar, betonte die Kanzlerin: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Schwellenländer eines Tages mehr CO2 pro Kopf emittieren dürfen, als wir es in den Industrieländern tun."

Stimmten die Schwellenländer dem Vorschlag zu, stünden sie vor der Aufgabe, ihren Schadstoffausstoß nicht so schnell ansteigen zu lassen. Das ginge mit "intelligentem Wachstum", erläuterte Merkel und dachte dabei an hochmoderne Umwelttechnologien - auch aus Deutschland.

Mit Merkels Vorschlag könnten die Schwellenländer mit rasant wachsenden Wirtschaften bei den 2009 anstehenden weltweiten Klimaverhandlungen mit ins Boot genommen werden.  

USA muss dabei sein

Die Kanzlerin verwies aber auch auf die wichtige Rolle der USA. "Die USA wird mitmachen. Sie muss aber auch mitmachen", sagte sie.

Wenn die USA beim Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll nicht dabei seien, würden sich auch Indien, China und andere Länder mit hohen Emissionswerten nicht dazu bekennen. Das Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus.

Ziel ist es, bis 2050 weltweit den CO2-Ausstoß zu halbieren. Dafür müssen alle Länder mitmachen. Andernfalls wird die durchschnittliche Temperatur weltweit auf über zwei Grad ansteigen. Das bedeutet Klimakatastrophen, die nicht mehr beherrschbar sind, wie Forschende in der IPCC-Studie erst vor wenigen Wochen bewiesen haben.

>> IPCC-Studie

Wirtschaftsbeziehungen ausbauen - eine lohnenden Aufgabe

Große Chancen sah die Kanzlerin in einer Kooperation zwischen der deutschen und der japanischen Wirtschaft in der Umwelttechnologie. Sie verwies darauf, dass in Japan die Sonnenenergie bereits stärker genutzt wird als in Deutschland.

Merkel sprach sich auch für transparente Vorschriften für Hedge-Fonds und Rating-Agenturen aus. Die Arbeit von den Agenturen, die die Bonität von Banken und staatlichen Anleihen bewerten, müsse nachvollziehbar sein. In der Vergangenheit seien schon oft sehr gute Beurteilungen ausgestellt worden, die sich später nicht bewahrheitet haben.

 

Dass die Risiken, die durch diese Art von Finanzanlagen entstehen, später von Menschen allein getragen werden, sei nicht fair. Es könne nicht sein, dass bei Aktien strenge Regeln gelten, nicht aber bei den vielen neuen Finanzprodukten. 

Japans Wirtschaft auf Erfolgskurs

Japan ist die zweistärkste Wirtschaftsmacht der Welt nach den USA. In den Neunzigerjahren hatte das Land Wachstumsprobleme. Davon ist heute nichts mehr zu spüren. Mittlerweile verbucht das Land die größte Wachstumsperiode seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Mit einem Zuwachs um 2,2 Prozent im letzen Jahr erwirtschaftete Japan ein Bruttoinlandsprodukt von 3,2 Billionen Euro.

Japans gegenwärtige Stabilität speist sich zum großen Teil aus dem Binnenkonsum. Die japanischen Konsumenten sind reich, die meisten japanischen Unternehmen inzwischen auch. Viele sind Nettosparer. Sie haben sich "gesund geschrumpft", faule Kredite abgebaut, Lohnkosten der Arbeitsproduktivität angepasst. Kurz gesagt: Japanische Unternehmen sind wieder da.

Die Arbeitslosigkeit beträgt nur 4,1 Prozent. Einziges Manko der positiven Bilanz: Zwar ist die Deflation gebrochen, die Staatsschuld ist dennoch sehr hoch. Sie macht inzwischen 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Zum Vergleich: In Deutschland liegt sie bei rund 65 Prozent.

Donnerstag, 30. August 2007