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Deutsche Einheit

Joachim Gauck – ein Leben für die Freiheit

Der erste Stasi-Unterlagen-Beauftragte der Republik  wird 70. Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Joachim Gauck als einen Mann, der in keine Schublade passt: als Bürgerrechtler, Versöhner und Aufarbeiter des Unrechts in der DDR. Und als Mitbegründer einer neuen Tradition.

Merkel nannte Gauck – nach seiner Selbstcharakterisierung „ein linker, liberaler Konservativer“ – in ihrem Grußwort zu dessen 70. Geburtstag „eine spannende Persönlichkeit“.

Streitbar und aufrichtig habe sich der gebürtige Rostocker in ebenso herausragender wie unverwechselbarer Weise um sein Land verdient gemacht: als Freiheitskämpfer, Versöhner und Freiheitsstifter, als Mahner und schließlich als Aufarbeiter des SED-Unrechts.

Freiheit als Leitmotiv

„Ihr Tun spiegelt des Fundament unseres Landes wider: Einigkeit in Recht und Freiheit“, rief Merkel dem Jubilar beim Festakt zu seinem Ehrentag in Berlin zu. Freiheit sei die zentrale politische Idee, der sich Gauck stets verpflichtet gefühlt habe. Von früher Jugend an, als sowjetische Soldaten seinen Vater gefangen nahmen und nach Sibirien verschleppten.

In der DDR ein unbequemer Pfarrer, entwickelte sich der Regimekritiker Gauck in der Wendezeit zu einem der Wortführer der Bürgerbewegung. Nach der Wende wählte ihn der erste gesamtdeutsche Bundestag zum Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.

Eine neue deutsche Tradition

Gaucks These lautet, die friedliche Revolution habe in Deutschland erstmals eine eigene Tradition der Freiheit begründet. Und diese verpflichte alle, die zu ihrer Begründung beigetragen haben – auch und gerade, nachdem die Freiheit Wirklichkeit geworden ist. Weil die Entwicklung nicht unumkehrbar ist. „Stilsicher und überzeugend weisen Sie immer wieder darauf hin: Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit“, bescheinigte ihm die Kanzlerin. Freiheit müsse immer neu erkämpft werden.

Aus dieser Erkenntnis führt Joachim Gauck seit 1990 erfolgreich einen Kampf gegen das Vergessen – und gegen das Verklären. „Erinnerung ist ein therapeutischer Prozess, nur so kann man lernen“, hat Joachim Gauck einmal gesagt.

Wenn er erlebt, wie Schulkinder in Ost- und Westdeutschland heute die deutschen Regierungschefs Helmut Kohl und Erich Honecker kaum mehr den zwei verschiedenen politischen Systemen zuordnen können, fühlt er sich bestätigt. Eine starke, eine gemeinsame Erinnerungskultur sei wichtig für das Land, sagt er. Und dabei wirkt er nicht wie jemand, dem das Alter eine Grenze gesetzt hätte.

Joachim Gauck wurde am 24. Januar 1940 in Rostock geboren. Von Oktober 1990 bis September 2000 war der ostdeutsche Pfarrer und Bürgerrechtler ein Jahrzehnt lang der erste Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU). Die BStU als Behörde war von der ostdeutschen Bürgerrechtsbewegung im Zuge der friedlichen Revolution des Jahres 1989 erkämpft worden. Zunächst sicherte sie die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR („Stasi“). Nach ihrem Chef wurde sie viele Jahre lang auch als „Gauck-Behörde“ bezeichnet. Heute bewahrt die Einrichtung in ihren Archiven die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR („MfS“) auf. Zugang zu den Informationen haben nach den Vorschriften des Stasi-Unterlagen-Gesetzes Privatpersonen, Institutionen und die Öffentlichkeit.

Donnerstag, 21. Januar 2010