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Zwei Partner in Europa

Gemeinsam haben Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Champagne ein Denkmal für den früheren Staatspräsidenten Charles de Gaulle eingeweiht. Einen Tag vor dem Finanzmarktgipfel der Euro-Gruppe zeigten sich Merkel und Sarkozy entschlossen, gemeinsam gegen die Finanzmarktkrise vorzugehen.

In Colombey-les-Deux-Eglises, 260 Kilometer südöstlich von Paris gelegen, hat General Charles de Gaulle lange Zeit gelebt und 1970 die letzte Ruhe gefunden. Hier war es auch, wo er vor 50 Jahren mit dem ersten deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer die Grundlagen für die deutsch-französische Freundschaft legte.

Am Samstag trafen sich die Nachfolger der beiden Regierungschefs nun in dem kleinen Ort zu ihren regelmäßigen Gesprächen. Zur Eröffnung des Museums waren auch Kinder und Enkel von de Gaulle und Adenauer gekommen.

Ein großer, weitsichtiger Europäer

„Colombey-les-Deux-Eglises ist ein wichtiger Ort für die deutsch-französische Freundschaft, ein Symbol für das, was wir geschafft haben – und für das, was noch vor uns liegt“, sagte die Kanzlerin zur Eröffnung der Gedenkstätte. Deutschland habe dem großen Europäer de Gaulle viel zu verdanken.

Mit Weitsicht, Größe und Großzügigkeit habe dieser 1958 Konrad Adenauer in seine Heimat eingeladen und die Hand zur Freundschaft ausgestreckt. Aus der Geste sei schließlich Geschichte geworden. „Zwei Männer fanden zueinander, und mit ihnen zwei Länder“, zitierte Merkel den Zeitzeugen und Biografen Adenauers.

Zu einer Zeit, als der jahrhundertelange Hass und die Gewalt noch gut in Erinnerung waren, hätten die beiden Männer historische Verantwortung übernommen, würdigte Sarkozy den legendären Präsidenten.

Merkel erklärte, auch in der deutschen Geschichte sei Charles de Gaulle als Verkörperung des Widerstands gegen das nationalsozialistische Unrechtsregime „fest verankert“. Und seit 1958 auch als Förderer der Wiederaufnahme Deutschlands in die internationale Staatengemeinschaft.

Die neue Gedenkstätte ("Noveau Mémorial") ist dem Leben und Wirken Charles de Gaulles (1890-1970) gewidmet. Sie ist gelegen am Fuße des 1972 errichteten Lothringer Kreuzes, einem Symbol für den Widerstand des freien Frankreichs gegen die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg. Die Gedenkstätte mit 4.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche auf drei Ebenen fügt sich harmonisch in einen bestehenden Erinnerungspfad über das Leben des Generals ein. Ihre erste Wechselausstellung befasst sich mit den beiden Staatsmännern de Gaulle und Konrad Adenauer.

Finanzmarktkrise: gemeinsame Herausforderungen

Von der deutsch-französischen Freundschaft und dem Zusammenwachsen Europas schlug die Bundeskanzlerin einen Bogen zu den aktuellen Herausforderungen an die Nachbarn und Partner.

„Wie sieht die Zukunft Europas aus?“, laute heute die Frage – und derzeit insbesondere die der Finanzmärkte. Gemeinsam gelte es jetzt, die „Exzesse der Märkte“ entschieden in eine soziale globale Ordnung zurückzudrängen. "Die Märkte müssen den Menschen dienen", betonte Merkel, und nicht umgekehrt.

Daran wollen die Europäer mit vereinten Kräften arbeiten – Deutschland und Frankreich voran. Merkel zeigte sich zuversichtlich, dass dies gelingen könne, „wenn Frankreich und Deutschland eng zusammenarbeiten“.

Mit den anderen Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone beraten Merkel und Sarkozy am Sonntag in Paris über Wege aus der Finanz- und Bankenkrise. Ziel ist ein gemeinsamer Aktionsplan der Euro-Länder und der Europäischen Zentralbank. Bereits am vergangenen Samstag hatten in Paris die vier europäischen G8-Partner über Wege aus der Krise beraten.

Bei dem Gespräch in Colombey-les-Deux-Eglises handelte es sich um einen informellen Meinungsaustausch im Format des so genannten "Blaesheim-Treffens". In regelmäßigen Abständen treffen sich der französische Staatspräsident und die deutsche Bundeskanzlerin zu Konsultationen. Vereinbart wurden diese Begegnungen im Jahr 2001 im elsässischen Blaesheim. Die Gespräche finden abwechselnd an verschiedenen Orten in Frankreich und Deutschland statt. Die Unterredungen haben keine feste Tagesordnung und sind Ausdruck der engen deutsch-französischen Zusammenarbeit.

Samstag, 11. Oktober 2008