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Weltweit stark im Wind

In Rostock hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel erläutern lassen, wo die deutsche Windkraftindustrie steht: international ziemlich weit vorn nämlich. Im Gespräch mit Energiefachleuten aus verschiedenen Branchen kam auf der ersten Station ihrer Energiereise auch zur Sprache, wie die Politik die "Erneuerbaren" weiter nach vorn bringen kann.

vv Die Windenergie beflügeln Foto: Ove Arscholl

Windkraft ist unter den erneuerbaren Energien die bedeutendste. 41 Prozent der erneuerbaren Energien hierzulande entstammen der Windkraft. Merkel erklärte, dieser Anteil solle in den kommenden Jahren schnell weiter wachsen. Die Bundesregierung werde jedenfalls die wirtschaftlichen und rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich die Windtechnologie erfolgreich weiter entwickeln kann: an Land und auf See („Offshore“).

Ziel der deutschen Energiepolitik ist ein umweltfreundlicher Energiemix. Im Sinne des Klimaschutzes – und als Exportschlager, der hierzulande Arbeitsplätze schafft. „Überall in der Welt sind unsere Produkte überaus anerkannt“, so die Kanzlerin. Einen wichtigen Grund für die deutsche Technologieführerschaft sieht Merkel im Erneuerbare-Energien-Gesetz. Gezielt und erfolgreich sei es damit gelungen, Forschung und Investitionen in die Erneuerbaren wie nirgends sonst auf der Welt voranzubringen.

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Grüner Strom braucht andere Infrastruktur

Auf ihrer Energiereise durch Deutschland macht sich die Kanzlerin dieser Tage ein Bild davon, wie es um die Energietechnologien in Deutschland steht. Im Vordergrund stehen dabei klar die erneuerbaren Energien.

vv Bild vergrößern Hochpräzision in der Rotorblattfertigung Foto: Ove Arscholl

Beim Windkraftanlagenhersteller Nordex traf Merkel in Rostock auf Branchenvertreter aller erneuerbaren Energien. Auch Verbrauchervertreter saßen mit am Tisch. In der offenen Diskussion wurde deutlich, dass die neuen Technologien dringend auf bessere rechtliche Rahmenbedingungen angewiesen sind.

So sind beispielsweise moderne Genehmigungsverfahren gefragt, um die Planung von Windparks zu erleichtern. Erforderlich ist auch eine neue Leitungsinfrastruktur, die den Strom dorthin transportiert, wo er benötigt wird: vom Land in die industriellen Regionen.

Handlungsbedarf sehen die Branchenfachleute zudem bei der Finanzierung großer Projekte, erfuhr Merkel. Insbesondere bei den besonders teuren, aber umso leistungsstärkeren Offshore-Anlagen auf hoher See mangelt es noch am Risikokapital.

vv Bild vergrößern Zukunftsbranche Foto: Ove Arscholl

Mit rund 2.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, vor allem in Deutschland und China, setzte der Windenergieanlagenhersteller Nordex im vergangenen Jahr fast 1,2 Milliarden Euro um. Derzeit wird ein neues Werk in den USA gebaut. Gegründet 1985 unterhält das börsennotierte Unternehmen heute Büros und Tochtergesellschaften in 18 Ländern. Weltweit sind 4.187 Nordex-Anlagen installiert, mit einer Gesamtleistung von 5.273 Megawatt. Bereits vor vier Jahren hat das Unternehmen Deutschlands erste Offshore-Windkraftanlage errichtet. Ebenso anspruchsvoll wie ausladend – die Technik: Bis zu 65 Meter sind die Rotorblätter lang, über zehn Tonnen schwer und gefertigt aus einem raffinierten Materialmix aus Kunstoff, Metall und Holz. Auch für Regionen mit schwächerem Wind hat die Nordex SE spezielle Anlagen entwickelt.

Energiereise der Kanzlerin Bild vergrößern Besuch beim Bürgerwindpark Foto: REGIERUNGonline/Denzel

Vor dem Besuch bei Nordex hatte die Kanzlerin den Bürgerwindpark in Ravensberg/Krempin (Mecklenburg-Vorpommern) besucht. Errichtet vor zehn Jahren, haben die überwiegend aus der kleinen Gemeinde stammenden Gesellschafter die Zahl der Windenergieanlagen kürzlich auf 15 erhöht. Jedes Jahr speisen sie nun an die 50 Millionen Kilowattstunden ins Netz ein, berichteten die Betreiber stolz: Strom für 15.000 Haushalte.

Unverzichtbar: ein umfassender Ansatz

Energiepolitik ist mehr als Technologieförderung. Gefragt ist ein umfassendes Konzept, das zu einem intelligenten Energiemix führt. Für die Kanzlerin ist klar, dass die erneuerbaren Energien dabei schon bald die wichtigste Rolle spielen müssen: soweit und solange erforderlich im Verbund mit den konventionellen Energien, damit der Industriestandort Deutschland gesichert bleibe.

Am Donnerstag setzt Merkel die Energiereise mit einem Besuch bei der Europäischen Energiebörse in Leipzig fort. In der kommenden Woche folgen Stationen bei innovativen Kraftwerksprojekten und Besuche bei verschiedenen Energieunternehmen in Nord- und Süddeutschland.

Mit dem kürzlich beschlossenen Nationalen Aktionsplan für erneuerbare Energie hat sich die Bundesregierung den Ausbau der „Erneuerbaren“ verbindlich auf die Fahnen geschrieben: Auf 18 Prozent soll ihr Anteil am Endenergieverbrauch hierzulande bis 2020 steigen: vor allem in der Stromerzeugung, aber auch im Verkehrsbereich und beim Heizen und Kühlen. Tatsächlich scheinen sogar fast 20 Prozent möglich. Derzeit liegt der Anteil der Erneuerbaren bei 10 Prozent.

Im Herbst legt die Bundesregierung ein umfassendes Energiekonzept vor. Dieses wird auch die konventionellen Energieträger sowie die Erhöhung der Energieeffizienz berücksichtigen.

Mittwoch, 18. August 2010