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Gedenken an den D-Day

Vom Gegeneinander zum Miteinander

Vor 70 Jahren landeten die alliierten Truppen in der Normandie und läuteten damit das Ende des Zweiten Weltkriegs ein. Zum Gedenken an den D-Day versammelten sich nun Staats- und Regierungschefs der damals kriegführenden Staaten und Veteranen am Strand von Ouistreham. Bundeskanzlerin Merkel war dabei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel gedenkt der gefallenen Soldaten. Bundeskanzlerin Merkel gedenkt der gefallenen Soldaten. Foto: Bundesregierung/Bergmann

Es war ein ganz besonderes Treffen, zu dem die britische Königin, der amerikanische Präsident und viele andere auf Einladung von Präsident Hollande zusammenkommen waren. Sie gedachten gemeinsam der Menschen, die sich im Juni 1944 entschlossen gegen Terror und Unterdrückung durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft gewandt hatten. Viele von ihnen hatten diesen Einsatz mit dem Leben bezahlen müssen.

Dass heute auch die ehemaligen Kriegsgegner an einer solchen Veranstaltung teilnahmen, zeigt, welch weiten Weg Europa seither zurückgelegt hat. "Es kam einem Wunder gleich", so die Bundeskanzlerin in einem Beitrag für die französische Zeitung Ouest France. "Die tiefen Gräben wurden überwunden."

Vor allem die deutsch-französische Aussöhnung mache deutlich, wie aus einem Gegeneinander ein Miteinander werden könne. "Welch eine wunderbare Erfahrung, die sich 1989/90 wiederholen sollte und die auch mit Blick auf die heutige Welt hoffen lässt", so die Bundeskanzlerin.

Merkel: Ansporn, noch stärker für Europa zu arbeiten

Nach der Feierstunde sagte Merkel, dass der Veranstaltungsort in ganz besonderer Weise für die Symbolik des D-Days stehe. Ranville war die erste Gemeinde, die am 6. Juni 1944 von den Alliierten befreit wurde. "Aber diese Befreiung hatte einen unermesslich hohen Preis", so die Kanzlerin.

"Wenn wir uns die Ereignisse von vor 70 Jahren vor Augen führen, dann ist es ein Glück, dass Europa vereint ist, und für uns als Deutschland eine große Freude, gemeinsam mit unseren europäischen Partnern Verantwortung übernehmen zu können," sagte Merkel. "Deshalb ist ein solcher Tag Ansporn, auch wieder noch stärker für Europa zu arbeiten und sich einzusetzen. Denn das Glück, in Frieden und Freiheit zu leben, hatten viele vor uns nicht."

Politische Gespräche am Rande der Veranstaltung

Tatsächlich hat das Treffen vor dem Hintergrund des Konflikts in der Ukraine und damit neuer Spannungen in Europa stattgefunden. Am Gedenken haben auch der russische Staatspräsident Putin und der gewählte ukrainische Präsident Poroschenko teilgenommen.

Für die Kanzlerin ist klar: Am 6. Juni dürfe man nicht nur der Opfer des Zweiten Weltkriegs und der Gewaltherrschaft gedenken. Man müsse sich auch der gemeinsamen Werte vergewissern. "Diese Überzeugungen und Werte einen uns in Europa – sie sind mit Krieg, Gewalt und Vorurteilen nicht vereinbar."

Der 6. Juni müsse Ansporn sein, sich weiter für das Gelingen Europas einzusetzen - "für ein Europa, in dem die Stärke des Rechts und nicht das Recht des Stärkeren gilt."

Bereits vor der offiziellen Gedenkfeier traf die Bundeskanzlerin mit dem russischen Staatspräsidenten Putin zusammen. Im Gespräch machte Merkel deutlich, dass die Zeit nach den Wahlen in der Ukraine jetzt genutzt werden müsse, um eine Stabilisierung vor allem in der Ostukraine zu erreichen. In diesem Zusammenhang erinnerte sie den russischen Staatspräsidenten an die große Verantwortung seines Landes.

Die Internationale Gedenkzeremonie fand am Strand von Ouistreham in der Normandie statt. Vorher gab der französische Staatspräsident zu Ehren der Staats- und Regierungschefs ein Essen im Schloss von Bénouville. Die Bundeskanzlerin besuchte nach der Gedenkzeremonie den Soldatenfriedhof in Ranville und legte einen Kranz nieder. Dort sind über 2.000 Soldaten begraben, darunter auch mehr als 300 Deutsche.

Freitag, 06. Juni 2014