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Merkel verleiht Schulpreis

Super-Schulen machen Mut

Die Wuppertaler Gesamtschule Barmen hat den Deutschen Schulpreis erhalten. Bundeskanzlerin Merkel überreichte den Preis in Berlin. "Es ist toll, dass Schulen heute so viel mehr vermitteln als früher: Selbstbewusstsein, Teamwork. Jeder kann sich ausprobieren", sagte sie.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der ARD-Moderatorin Pinar Atalay. Merkel: Schule muss die Fähigkeit vermitteln, sich etwas selbst zu erarbeiten. Foto: Bundesregierung/Denzel

Der Deutsche Schulpreis wird von der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung verliehen. Neben der Wuppertaler Gesamtschule Barmen wurden fünf weitere Schulen ausgezeichnet. Die Preisträger des Deutschen Schulpreises wollen ihre Konzepte, Ideen und Erfolge an andere weitergeben. Alle Schultypen sind vertreten.

Die Robert Bosch Stiftung dotiert den Hauptpreis jährlich mit 100.000 Euro. Die vier zweitplatzierten Schulen erhalten Preise in Höhe von je 25.000 Euro. Der "Preis der Jury" ist ebenfalls mit 25.000 Euro dotiert. Alle anderen nominierten Schulen erhalten Anerkennungspreise von je 2.000 Euro. Die Preisträger bekommen nicht nur hohe Preise. Sie werden auch in die Deutsche Schulakademie (DSA) aufgenommen. Hier werden die ausgezeichneten Konzepte zum Beispiel für Lehrerfortbildungen genutzt.

Merkel: "Auf eigenständigen Lebensweg vorbereiten"

15 Schulen hatten es in die Endausscheidung des Wettbewerbs geschafft. Sie haben ein aufwendiges Bewerbungsverfahren hinter sich gebracht. Oft steckt jahrelange Arbeit dahinter. Eine Jury aus Praktikern und Bildungswissenschaftlern hatte sie Anfang des Jahres vor Ort besucht und begutachtet.

Die Bundeskanzlerin gratulierte den Schulen und machte deutlich, dass es Aufgabe der Schulen sei, die Kinder auf einen eigenständigen Lebensweg vorzubereiten. "Wir können nicht verlangen, dass alles, was im Leben vorkommt, behandelt wird", so Merkel. Schule müsse die Fähigkeit vermitteln, sich etwas selbst zu erarbeiten.

Schüler wollen Verantwortung tragen und sich anstrengen

"Der größte Schatz, den ein Land hat, sind seine Kinder und jungen Menschen. Wenn man das begreift, dann lohnt sich jeder Einsatz", so Barmen-Schulleiterin Bettina Kubanek-Meis. An der Barmen Gesamtschule spürt jeder, dass er oder sie wertgeschätzt wird. In einem sozial schwachen Stadtteil macht die Schule Lust auf Lernen: Das fängt mit der schönen Schularchitektur an und reicht bis zur Übernahme von Patenschaften für andere Schüler oder Ganztagsangeboten von Eltern und anderen Externen.

Für die Schülerinnen und Schüler ist ihre Schule nicht nur ein Unterrichtsort. Sie engagieren sich: Sie helfen sich gegenseitig beim Lernen, um ihre Lernziele zu erreichen. Sie übernehmen Verantwortung. Rund 60 Prozent der Schüler wechseln nach der 10. Klasse in die Oberstufe, obwohl nur 17 Prozent von ihnen mit einer Gymnasialempfehlung an die Schule kamen. Seit Jahren hat kein Schüler mehr die Schule ohne Abschluss verlassen.

Für ihre "klaren Strukturen, die ausgeprägte Anstrengungsbereitschaft und die professionelle Lerngemeinschaft" bekommt die Barmen-Schule die Bestnote, entschied die Jury.

Alle gewinnen

Neben dem Hauptpreis für die Gesamtschule Barmen Wuppertal erhielten vier Schulen jeweils den zweiten Preis: die Jenaplanschule Rostock, die Grundschule am Buntentorsteinweg Bremen, an das Ganztagsgymnasium Kosterschule Hamburg und an die Waldschule Flensburg. Den Sonderpreis der Jury erhielt die Don Bosco-Berufsschule Würzburg.

Diese Schulen leben Gemeinschaft - sie sind über das Schulgelände hinaus Zentren der Begegnung und der Kultur vor Ort. Benachteiligten Jugendlichen geben sie Halt und Orientierung. Zudem fördern sie jedes Kind - egal welche Begabung es hat oder aus welchem Land es oder seine Eltern kommen. Schulleiter, Lehrer, Schüler und Eltern sind Teams, die an einem Strang ziehen.

Die Preisverleihung wurde live im Fernsehen übertragen, damit möglichst viele Menschen die hervorragende Arbeit der preisgekrönten Schulen kennenlernen.

Bildungsrepublik trägt Früchte

Seit sie Deutschland zur Bildungsrepublik ausgerufen habe, sei viel auf den Weg gebracht worden, betonte Merkel. Die Investitionen in Bildung seien so hoch wie nie. Das BAföG werde erhöht, der Ausbau der Kinderbetreuung sei vorangekommen. "Wenn wir da weitermachen, wird es für die kommenden Generationen noch besser", so die Kanzlerin. In der Bildung werde nicht mehr ganz so viel über Zuständigkeiten gesprochen.

"Dem Lernen Flügel verleihen!" - unter diesem Motto steht der Deutsche Schulpreis. Er würdigt vorbildliche und ideenreiche pädagogische Arbeit der prämierten Schulen. Die guten Beispiele sollen die Schulentwicklung in Deutschland insgesamt beflügeln. Das ist das Anliegen der Robert Bosch Stiftung. Der Wettbewerb bewertet Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution.

Über die bloße Wissensvermittlung sollen gute Schulen die individuellen, sozialen und schöpferischen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen ausbilden. Das verlange, starre Unterrichtsformen aufzulösen und jeden einzelnen individuell zu fördern. Zu einem pädagogisch herausragenden Schulprofil gehöre neben gutem Unterricht ein gutes Schulklima, eine alltagsprägende Schulkultur, ein Gefühl der Zugehörigkeit und gegenseitiges Vertrauen. Gute Schulen zeichneten sich durch eine führungsstarke, demokratische Organisation aus, so die Stiftung.

Mittwoch, 10. Juni 2015