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Neues Hochsicherheitslabor in Berlin

Spitzenforschung gegen Seuchen

Das Robert-Koch-Institut hat jetzt ein Hochsicherheitslabor. Es ist die erste humanmedizinische Einrichtung des Bundes mit der höchsten Sicherheitsstufe. Damit halte Deutschland einen "Trumpf in der Hand", sagte die Bundeskanzlerin bei der Einweihung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt sich beim Besuch eines S4-Hochsicherheitslabors im Robert-Koch-Institut das neue Labor erklären. Für Mitarbeiter gelten strengste Vorschriften in einem S4-Hochsicherheitslabor. Foto: Bundesregierung/Kugler

Der neue Bau des Robert-Koch-Institutes am Standort Seestraße sei gesichert wie Fort Knox – stellte selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Einweihung fest. Der kubische Baukörper birgt Einrichtungen der höchsten Sicherheitsstufe - S4. Dort können hochriskante Erreger - beispielsweise Ebola-, Marburg- und Lassaviren - sicher untersucht werden. Bisher gab es im humanmedizinischen Bereich kein Institut des Bundes mit einem Labor der Stufe S4.

Erkenntnisse können Gold wert sein

"Spitzenforschung braucht Spitzenbedingungen", sagte die Kanzlerin. Mit dem Neubau gebe es beste Voraussetzungen für medizinische Fortschritte.

Der Zugang in das Labor über ein aufwendiges Schleusen- und Sicherheitssystem weckte bei der Kanzlerin die Fort-Knox-Assoziation. In Fort Knox lagern in den USA die Goldreserven. Die Kanzlerin schlussfolgerte: "Auch die hier gewonnenen Erkenntnisse können Gold wert sein". Die Einrichtung werde als Kompetenzzentrum für Bund und Länder arbeiten.

Neue Gelder zum Impfen bereitstellen

Merkel sprach sich dafür aus, medizinisches Wissen allen Menschen auf der Welt zugute kommen zu lassen. Doch "davon sind wir noch weit entfernt", sagte sie. Jährlich stürben 1,5 Millionen Menschen an Krankheiten, die sich durch Impfungen vermeiden ließen. Deshalb habe in Berlin in der vergangenen Woche die GAVI-Auffüllkonferenz stattgefunden.

Auf der Konferenz ging es darum, neue Gelder zur Verfügung zu stellen, damit vor allem in Afrika mehr Menschen geimpft werden können. Für den Zeitraum von 2016 bis 2020 seien 7,5 Milliarden US-Dollar eingeworben worden.

G7 wird sich Weltgesundheit widmen

Für den G7-Gipfel, den Deutschland im Juni ausrichtet, sollen Vorschläge zur Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen und vernachlässigten Tropenkrankheiten gemacht werden. Noch immer leide eine Milliarde Menschen an bestimmten Tropenkrankheiten, weil Anreize zur Erforschung fehlten. Dem solle sich G7 "ein Stück weit widmen", so die Kanzlerin.

Ebola habe den Menschen vor Augen geführt, welche Folgen unkontrollierte Ausbrüche von Tropenkrankheiten haben können. Deshalb habe sie gemeinsam mit der norwegischen Ministerpräsidentin und dem Präsidenten von Ghana UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ein Programm vorgeschlagen.

Seuchen international bewältigen

Mit dem Programm sollen Krankheitsausbrüche – ganz gleich, wo auf der Welt – besser im Zaum gehalten werden. Das reicht von Spezialisten, die schnell in Ausbruchsgebiete reisen und diagnostizieren und therapieren können bis hin zu einem Fonds. Denn in solchen Augenblicken wird schnell Geld für Hilfsmaßnahmen gebraucht.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Burger, hob hervor, dass das Hochsicherheitslabor einen Steinwurf entfernt sei von der Sonderisolierstation der Charité. So ist im Ernstfall ein schnelles Zusammenwirken möglich. Er erhofft sich schnelle Erkenntnisse, wenn ein Virus in einer neuen Variante auftaucht. Das Hochsicherheitslabor sei mit seinen Kosten in Höhe von 170 Millionen Euro gut investiertes Geld. Die im Labor nun mögliche Forschung sei eine "Feuerversicherung" gegen Krankheitsausbrüche und biete die bauliche Voraussetzung für das "Nobelpreisexperiment".

Die für Gesundheit und Bau zuständigen Minister der Bundesregierung, Hermann Gröhe und Barbara Hendricks, waren ebenfalls anwesend. Auch der Ebola-Beauftragte der Bundesregierung, Walter Lindner, war gekommen.

Dienstag, 03. Februar 2015