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Rundgang der Kanzlerin

"Sie sind eine Leistungssportlerin in der Politik"

Auf ihrem traditionellen Rundgang am Tag der offenen Tür der Bundesregierung spricht Kanzlerin Merkel mit früheren Spitzensportlern über die Gemeinsamkeiten in Sport und Politik. Am Hubschrauber der Bundespolizei dürfen vor allem die jungen Besucherinnen und Besucher ihre Fragen stellen. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit Felix Neureuther. Kanzlerin Merkel im Gespräch mit Felix Neureuther und Kristina Vogel. Die beiden Sportler berichten vom Leben nach dem Leistungssport.  Foto: Bundesregierung/Bergmann

Um kurz vor 14 Uhr wird es plötzlich unruhig im Ehrenhof des Bundeskanzleramts. Es wird gedrängelt, die Handys werden gezückt. Ist dort die Bundeskanzlerin? Eine blecherne Roboterstimme verrät: Es ist der "Gamesbot", ein mehr als zwei Meter großer Roboter, der vor allem die jungen Besucherinnen und Besucher in seinen Bann zieht und der für die demnächst startende Computer- und Videospielmesse Gamescom wirbt.

Talk mit Kristina Vogel und Felix Neureuther

Kurz darauf ist es dann aber tatsächlich so weit. Begleitet von ihrem Sicherheitspersonal startet Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren traditionellen Rundgang im und um das Kanzleramt. Highlight des rund 1,5-stündigen Bades in der Menge: Ein Gespräch mit der Olympiasiegerin und ehemaligen Bahnradfahrerin Kristina Vogel sowie dem ehemaligen deutschen Alpine- und Weltmeisterschaftsgewinner Felix Neureuther im Kanzleramtspark. Vor zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauern spricht Merkel mit den Sportlern über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Sport und Politik. Merkel gibt zu, dass sie sich bisher nicht sehr intensiv mit dem Bahnradsport befasst habe. Sie habe allerdings von dem schrecklichen Unfall der Sportlerin gelesen. Sie finde es toll, dass sie sich heute gesellschaftlich engagiere. Nach einem Trainingsunfall vor etwas über einem Jahr ist Vogel querschnittsgelähmt. Seit Ende Mai sitzt sie im Erfurter Stadtrat.

"Geduld muss man immer wieder neu lernen"

Für die 28-Jährige war der Wechsel in die Politik erst einmal ungewohnt. "Im Sport sieht man den Erfolg sofort, in der Politik dauert das etwas", sagt Vogel. Kanzlerin Merkel kann das nur bestätigen: "Man darf in der Politik nie aufgeben", sagt sie. Es lohne sich, immer wieder neuen Anlauf zu nehmen und etwas noch einmal zu probieren – "wie beim Sport". Dabei gibt sie zu: "Geduld muss man immer wieder neu lernen."

Von Felix Neureuther will Merkel wissen, wie wichtig das Mentale beim Skisport sei. "Der Kopf spielt eine extrem wichtige Rolle", sagt der 35- Jährige, der im März seine Sportlerkarriere beendet hat. Aber das sei bei Spitzenpolitikern ja genauso. "Sie sind eine Leistungssportlerin in der Politik", sagt Neureuther in Richtung Merkel. Gerade heutzutage werde ja jedes Wort genau beobachtet und jeder Fehler bestraft.

Transsibirische Eisenbahn statt Fallschirmsprung

Auf die Frage, was auf ihrer Wunschliste nach der Zeit in der Politik stehe, muss Merkel kurz überlegen. Einen Fallschirmsprung, wie ihn die frühere Bahnradsportlerin Vogel jüngst machte, habe sie "auf gar keinen Fall" vor. Vielmehr wolle sie "vieles" machen, aber nichts Außergewöhnliches. So wolle sie sich zum Beispiel mehr um ihren Garten kümmern. Dann fällt ihr doch noch ein exotischerer Wunsch ein: eine Reise mit der transsibirischen Eisenbahn, die wolle sie gerne einmal machen. Sie freue sich zwar auch unter Menschen zu sein. Ab und zu genieße sie aber auch die unberührte Natur. 

Bei gutem Wetter fliegt die Kanzlerin gerne

Beim Halt an einem Hubschrauber der Bundespolizei im Kanzleramtsgarten ist die Bundeskanzlerin besonders neugierig auf die Fragen der ganz jungen Besucherinnen und Besucher: Wie schnell fliegt der Hubschrauber? Wie hoch? Wie häufig fliegen Sie im Monat? Wie viel PS hat der Hubschrauber?

Bei der Frage, ob sie gerne fliege, holt die Kanzlerin etwas aus. Bei stärkeren Winden sei das Fliegen im Hubschrauber nicht so angenehm, zudem sei es ganz schön laut im Inneren. An ruhigen Tagen habe man aus dem Helikopter allerdings einen schönen Blick auf die Landschaft und die Städte. Dann fliege sie sehr gerne. Allerdings: "Nach einem Tag mit mehreren langen Helikopterflügen brummt mir am Abend ganz schön der Kopf."

Platz nehmen auf dem Polizeimotorrad

Bei den jungen Gästen sind wie jedes Jahr die Begleitmotorräder der Landespolizei Berlin beliebt, die die Bundeskanzlerin oder internationale Staatsgäste eskortieren. Für ein Foto darf jeder Mal auf den schweren Motorrädern Platz nehmen. Beim Hubschrauber herrscht ebenfalls großer Andrang. Einen "Super Puma" mit "VIP-Ausstattung" und rund 3.600 PS haben die meisten der Besucherinnen und Besucher noch nicht von innen gesehen. Überdies beliebt: der gepanzerte Dienstwagen der Bundeskanzlerin, der von den Besucherinnern und Besuchern genau begutachtet wird.

Achtjähriger Stammgast

Auch wenn er derzeit keine Ferien hat, lässt sich der achtjährige Konstantin aus Berlin den Tag der offenen Tür nicht entgehen. Jedes Jahr ist er mit seiner Mutter Daniela Wagner zwischen den Ministerien, dem Bundespresseamt und dem Kanzleramt unterwegs. Am besten im Kanzleramt gefällt ihm der Hubschrauber. Wer damit fliegt? "Na, die  Frau Merkel", sagt der Achtjährige selbstbewusst. 

"Total beeindruckt"

Gleich drei Generationen der Familie Baermann sind aus Stuttgart in die Hauptstadt angereist. Alle - Großeltern, Eltern und Kinder - sind das erste Mal im Kanzleramt- und durchweg begeistert von der Architektur des Gebäudes. "Es ist alles schön offen hier, sehr kommunikativ", sagt  Familienvater Joachim Baermann. 

Ebenfalls "total beeindruckt" von dem Bau und den Gärten ist Ursula Dieckmann aus Senden bei Münster, die zufällig gerade in Berlin ist. Als sie erfahren hat, dass am Wochenende der Tag der offenen Tür der Bundesregierung ist, wollte sie unbedingt noch schnell ins Kanzleramt, bevor der Zug Richtung Heimat fährt. Den Rundgang der Kanzlerin verpasst sie leider – vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr.

Sonntag, 18. August 2019