Rede von Staatsminister Bernd Neumann bei der Vorstellung der prämierten Entwürfe für das Freiheits- und Einheitsdenkmal

Rede von Staatsminister Bernd Neumann bei der Vorstellung der prämierten Entwürfe für das Freiheits- und Einheitsdenkmal

In seiner Rede zur Präsentation der prämierten Entwürfe für das Freiheits- und Einheitsdenkmal sowie der Eröffnung der Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge am Tag der deutschen Einheit im Berliner Martin-Gropius-Bau erläuterte Staatsminister Bernd Neumann die Vielfalt künstlerischer und architektonischer Ausdrucksformen, die sich in den Beiträgen widerspiegelt.

Sonntag, 3. Oktober 2010

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,

ich freue mich sehr, am heutigen 20. Jahrestag der deutschen Einheit das Ergebnis des internationalen Gestaltungswettbewerbs für das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin bekannt geben zu können und zugleich die Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten zu eröffnen.

Das Projekt des Freiheits- und Einheitsdenkmals hat eine lange und nicht immer einfache Geschichte wie auch die mehr als 150-jährige Geschichte der deutschen Freiheits- und Einheitsbewegungen nicht immer stringent verlaufen ist, sondern durch Vor- und Rückschritte gekennzeichnet ist. Doch mit der friedlichen Revolution 1989/90 haben Freiheit und Einheit gesiegt. Darauf können wir am heutigen historischen Datum mit Dankbarkeit zurückblicken! Dankbarkeit verdienen insbesondere die vielen mutigen Frauen und Männer, die sich für Demokratie und Freiheit eingesetzt haben. Der große Wert der Freiheit und das hohe Gut der Einheit werden leicht vergessen, wenn sie selbstverständlich erscheinen!

Auch um diesem Vergessen entgegenzuwirken, meine Damen und Herren, ist mir das Freiheits- und Einheitsdenkmal ein persönliches Anliegen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Zeit reif ist für ein Denkmal zur Erinnerung an die positiven und freudigen Ereignisse der deutschen Geschichte. Entstanden ist die Idee für dieses Denkmal aus der Mitte der Gesellschaft heraus und auf Initiative einiger engagierter Bürgerinnen und Bürger hin. Am 9. November 2007 beschloss dann der Deutsche Bundestag mit den Stimmen der CDU/CSU-, der SPD und der FDP-Fraktion, zur Erinnerung an die Friedliche Revolution im Herbst 1989 und an die Wiedergewinnung der staatlichen Einheit Deutschlands ein Freiheits- und Einheitsdenkmal zu errichten, das zugleich die freiheitlichen Bewegungen der vergangenen Jahrhunderte in Erinnerung ruft und würdigt. Das Denkmal soll als nationales Symbol in der Mitte der deutschen Hauptstadt entstehen. Rund ein Jahr später, am 4. Dezember 2008, fasste das Plenum des Deutschen Bundestags seinen Beschluss zur Gestaltung des Denkmals und legte als Standort den Sockel des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf der Schlossfreiheit fest. 10 Mio. Euro wurden zur Verfügung gestellt. Auf der Grundlage dieser Beschlüsse konnten wir in Zusammenarbeit mit dem Bundesbauministerium und unter der Koordination des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung am 19. Dezember 2008 einen offenen, zweistufigen Gestaltungswettbewerb ausloben. Das Parlament legte bewusst Wert auf eine offene Form des Realisierungswettbewerbs ohne Mindestanforderungen und Beschränkung der Teilnahmeberechtigung. Trotz der überwältigenden Resonanz – 533 Teilnehmer sind ein beredter Ausdruck dafür! – fand jedoch leider keiner der eingereichten Entwürfe eine Mehrheit im Preisgericht. Daher sind wir der Empfehlung der damaligen Jury gefolgt und haben diesen Wettbewerb nach der ersten Stufe im April letzten Jahres beendet. Wir haben aus dem ersten Verfahren gelernt: Es war kein Irrweg, sondern der demokratische Wunsch, die Kreativität und Ideenvielfalt einer breiten Öffentlichkeit einzubeziehen.

Die Ergebnisse dieses ersten Wettbewerbs haben wir in einem Katalog dokumentiert. Er zeigt die große Vielfalt der Lösungsvorschläge und würdigt den bleibenden Wert der Arbeiten für die Auseinandersetzung mit der Thematik des Denkmals.

Nach der Erfahrung mit dem ersten Wettbewerb haben wir die Aufgabenstellung nochmals überdacht und für den zweiten Wettbewerb gestrafft und konzentriert. Der künstlerische Schwerpunkt des Denkmals soll nun die Erinnerung an die friedliche Revolution im Herbst 1989 und die Wiedererlangung der deutschen Einheit sein.

Der zunächst ebenfalls vorgesehene Bezug zu Leipzig konnte entfallen, da der Beitrag der Leipziger Bürgerinnen und Bürger, der eine herausragende Rolle bei der friedlichen Revolution spielte, dort mit einem eigenen Denkmal gewürdigt werden soll. Auch ein zusätzlicher Informationsort im Wettbewerbsbereich ist nicht mehr vorgesehen, da das in der Nähe liegende Deutsche Historische Museum breite Information ermöglicht.

Auf diesen inhaltlichen Grundlagen haben wir einen neuen Wettbewerb durchgeführt. Er ist ebenfalls auf große Resonanz gestoßen, 386 Bewerbungen gingen ein. Aus ihnen wählte ein vom Preisgericht unabhängiges Auswahlgremium 33 Teilnehmer aus. Auf die Details des Wettbewerbsverfahrens wird sicher gleich mein Kollege, Staatssekretär Bomba vom Bauministerium, noch näher eingehen. Die Konzentration der Aufgabenstellung war sinnvoll und richtig, wie das nun vorliegende Ergebnis zeigt.

Das Preisgericht hat sich zwei Tage intensiv mit den 28 ausgewählten Arbeiten auseinandergesetzt und in engagierten, gelegentlich natürlich auch kontroversen Diskussionen die verschiedenen künstlerischen und architektonischen Lösungsansätze bewertet. Es gehört wohl zu den schwierigsten künstlerischen Aufgaben, ein Denkmal zu schaffen, das auf Zustimmung möglichst vieler Menschen stößt. Die lange Entstehungsgeschichte des Holocaust-Mahnmales oder der Denkmäler für verfolgte Homosexuelle oder Sinti und Roma geben ein beredtes Zeugnis davon. Ich danke an dieser Stelle zunächst den Teilnehmern des Wettbewerbs, die sich dieser anspruchsvollen Aufgabe gestellt und interessante und vielfältige Entwürfe eingereicht haben. Ebenfalls danke ich den Mitgliedern des Preisgerichts für die gute Zusammenarbeit.

In der Jury vertreten waren neben namhaften Architekten und Künstlern als Fachpreisrichter auch Abgeordnete des Deutschen Bundestages, die Bundesregierung und das Land Berlin sowie die Initiative Freiheits- und Einheitsdenkmal. Mein besonderer Dank gilt dem Preisgerichtsvorsitzenden, Herrn Professor Schmid, für die sachkundige Leitung und Moderation des Gremiums.

Meine Damen und Herren, das internationale Teilnehmerfeld in diesem Wettbewerb umfasst namhafte Künstler und Architekten. Das Preisgericht hat nach intensiver und engagierter Diskussion einstimmig entschieden, neben zwei Anerkennungen drei gleichrangige Preise zu vergeben. Die drei prämierten Arbeiten haben ganz unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema, wie auch jeder von uns eine ganz individuelle Vorstellung von einem Freiheits- und Einheitsdenkmal hat.

Denkmäler sind auch Spiegel der Gesellschaft: gab es früher staatlich verordnete Herrscherdenkmäler mit einer doch eher einheitlichen Formensprache, haben wir in unserem demokratischen Staat eine Vielfalt künstlerischer und architektonischer Ausdrucksformen. Dies hat dieser Wettbewerb eindrucksvoll abgebildet. Wir haben uns daher entschlossen, drei verschiedene Lösungsansätze für das Denkmalthema auszuwählen: Einen skulpturalen, einen architektonischen und einen figürlichen.

Alle Herangehensweisen überzeugen und bieten eine gute Grundlage für die weitere Planung und Realisierung des Projekts. Bei allen Arbeiten sind jedoch auch noch einige Fragen offen geblieben, seien es statische, technische oder gestalterische. Daher folgen wir als Auslober der einstimmigen Empfehlung des Preisgerichts, diese drei preisgekrönten Arbeiten einer Überarbeitung zuzuführen, bei der die vom Preisgericht gegebenen Hinweise aufgenommen werden sollen. Dann wird eine Entscheidung über die Realisierung einer der drei Arbeiten getroffen.

Meine Damen und Herren, die drei gleichrangigen Preise gehen an die Arbeiten von Professor Stephan Balkenhol, von Professor Andreas Meck und an den Entwurf der Arbeitsgemeinschaft Milla und Partner zusammen mit Sasha Waltz.

Die beiden Anerkennungen gehen an Xavier Veilhan und realities:united -Jan und Tim Edler-.

Die fachliche Würdigung der Entwürfe wird der Vorsitzende des Preisgerichts, Professor Schmid gleich vornehmen, nachdem wir die Modelle gemeinsam enthüllt haben.

Bei der Verwirklichung des Freiheits- und Einheitsdenkmals sind wir nun einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Ich bin sicher, dass es nach seiner Fertigstellung zu einem der Anziehungspunkte unserer Hauptstadt wird. Es soll ein Bürgerdenkmal werden und uns immer an die kostbaren Güter Freiheit und Einheit erinnern.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.