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Rede von Bundeskanzlerin Merkel zur 3. Konferenz „Frauen in Führungspositionen“ am 19. Oktober 2016

Redner:
Angela Merkel
Datum:
Mittwoch, 19. Oktober 2016
Ort:
Berlin

im Bundeskanzleramt

Liebe Frau Bundesministerin Schwesig,
meine wenigen Herren und meine vielen Damen,

herzlich willkommen. Das ist die dritte Konferenz zu der Frage „Frauen in Führungspositionen“ – ein Thema, das uns ja auch in der Bundesregierung beschäftigt, aber von uns nicht ganz allein gelöst werden kann, sondern der Mitarbeit vieler bedarf.

Ich brauche heute nicht darauf hinzuweisen, dass wir schon eine bewegte Geschichte zum Thema hinter uns haben. Im Mai 2013, als wir die erste dieser Konferenzen hatten, waren wir noch mitten in der Diskussion zur Frauenquote. Diese steht inzwischen im Gesetzblatt, ist vom Bundespräsidenten unterschrieben und wird auch umgesetzt.

Bis jetzt hat sich für die Aufsichtsratsposten in den DAX-Unternehmen, die an Frauen zu vergeben sind, immer eine Frau gefunden. Ich denke, das geht auch bis 2020 so weiter, bis die letzte Aufsichtsratsneubesetzung durchgeführt sein wird. Das Land ist immer noch sehr fit und erfolgreich. Frau Menges ist Vertreterin eines Unternehmens, nämlich Vorstandsmitglied bei Henkel, in dem der Frauenanteil im Aufsichtsrat bereits fast 40 Prozent beträgt. Das will ich deshalb hervorheben, weil das wirklich vorbildlich, aber noch nicht die Regel ist.

Für die rund 3.500 Unternehmen, die entweder börsennotiert oder mitbestimmt sind, gibt es ja so etwas wie eine Verpflichtung, sich Ziele zu setzen und damit auch ein langsames Aufwachsen der Frauen in Führungspositionen zu ermöglichen. Leider gibt es auch immer wieder Unternehmen, die sich die Zielgröße Null setzen. Da will ich in unser beider Namen sagen, dass wir dafür null Verständnis haben. Ich glaube, etwas ambitionierter kann man sein.

Wir haben uns viele Monate lang auch mit einem anderen Thema beschäftigt, nämlich mit der Entgeltgleichheit. Ich finde, hierzu haben wir eine Lösung gefunden, die wenig Bürokratie, aber durchaus Wirksamkeit in sich trägt. Dass das auch ein wichtiges Thema ist, brauche ich in diesem Kreis nicht noch einmal zu betonen.

Wir haben heute Sie als Führungskräfte eingeladen. Sie sind diejenigen, die das leben, was wir möchten. Wir haben auch eine ganze Reihe von Nachwuchskräften unter uns. Sie sind sozusagen die Chefinnen von morgen. Es sind neben dem Moderator auch einige Männer vertreten, die sich mit dem Thema gut auskennen, das wir beim letzten Mal unter anderem behandelt hatten, nämlich die sogenannte gläserne Decke. Ich bin sehr froh, dass es jetzt eine Initiative gibt, die das Durchbrechen dieser gläsernen Decke zur Chefsache gemacht hat. Deshalb möchte ich hier die Gründungsmitglieder der Initiative „Chefsache“, zu denen auch das Bundesverteidigungsministerium gehört, ganz herzlich willkommen heißen.

Wir haben auch Staatssekretärinnen und Staatssekretäre eingeladen, die Personalverantwortung tragen, denn auch in der Bundesregierung müssen wir uns immer wieder mit diesem Thema beschäftigen. Wir haben noch Luft nach oben. Denn der Anteil weiblicher Führungskräfte belief sich im vergangenen Jahr bei den obersten Bundesbehörden auf knapp 33 Prozent. Wir liegen damit nicht viel höher als in der Wirtschaft, wo es 29 Prozent sind. Aber ich glaube, dass wir daran weiter arbeiten werden, das deutet sich an vielen Stellen an. Es ist inzwischen auch schon Normalität, dass Staatssekretärinnen berufen werden.

Wir haben versucht, zu unseren Konferenzen eine gute Mischung aus Persönlichkeiten mit ganz unterschiedlichen Blickwinkeln einzuladen: Frauen in verschiedensten Führungspositionen und Frauen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie leben. Neben mir sitzt eine Bundesfamilienministerin, die das im Augenblick in ganz besonderer Weise tut – das hat sie früher auch schon, aber inzwischen noch dazu mit einem Baby. Die Frage des Zeitmanagements – Zeit für die Familie, Zeit für den Beruf – ist wohl eine, die uns in den nächsten Jahrzehnten mit am meisten beschäftigen wird. Zeitautonomie ist etwas, das an Bedeutung gewonnen hat. Sie kennen das auch in den Unternehmen.

Wir haben in Kinderbetreuung investiert, wir haben das Elterngeld flexibler gemacht, wir wollen Teilzeitbeschäftigung möglich machen; und das nicht nur für Frauen – das sage ich ausdrücklich –, sondern durchaus auch für Männer. Denn es ist klar: Je mehr Männer sich der Verantwortung in der Familie widmen, umso leichter wird es auch für Frauen. Diese kommen dann aus altbekannten Stereotypen heraus. Der Arbeitgeber weiß nicht mehr, was ihn erwartet, wenn er einen Mann oder eine Frau einstellt, die Familie haben, und wer Familienverantwortung wahrnimmt. Mann oder Frau zu sein, ist dann kein eigenes Einstellungskriterium. Und das muss eigentlich Normalität in unserem Lande werden.

Heute haben Sie wieder in verschiedenen Fachforen diskutiert. Wenn man all das auch noch in deutscher Sprache ausdrücken könnte – ich bin zwar sehr global orientiert –, dann würde das vielleicht noch populärer werden und sich unter noch mehr Frauen herumsprechen. Die gläserne Decke war für mich besser zu verstehen als „Unconscious Bias“. Aber ich habe mich eingearbeitet und freue mich jetzt auf die Ergebnisse aus den Foren.

Herzlich willkommen noch einmal. Und uns jetzt eine gute Diskussion.

Mittwoch, 19. Oktober 2016