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Rede von Bundeskanzlerin Merkel zum Startschuss für das "AI Breakthrough Hub" am 17. Dezember 2020 (Videokonferenz)

Redner:
Angela Merkel
Datum:
Donnerstag, 17. Dezember 2020

Sehr geehrter Herr Professor Bethge,
Herr Professor Black,
Herr Professor Schölkopf,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann,
sehr geehrte Frau Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Vestager,
liebe Ministerinnen Karliczek und Bauer,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich, dass wir heute gemeinsam den Startschuss für ein leistungsfähiges KI-Ökosystem made in Germany geben können. Zuletzt war ich vor etwa drei Monaten virtuell im Cyber Valley zu Besuch. Dabei ist mir deutlich geworden: Hier soll und hier wird die nächste Dekade der Künstlichen Intelligenz eingeleitet werden, und zwar in dem Sinne, dass KI aus der Forschung in die Anwendung getragen wird, um auch wirklich das volle Potenzial ausschöpfen zu können. Hier geht es um etwas, das man Neudeutsch einen „game changer“ nennt; es wird also wirklich etwas verändert.

Dass aus diesen Ansätzen nun ein Konzept für einen sogenannten „AI Breakthrough Hub“, für ein KI-Ökosystem von internationaler Strahlkraft geworden ist, freut mich natürlich sehr. Mutig nach vorne zu gehen, bedeutet im Grunde, in die Zukunft unseres Landes zu investieren und die entscheidenden Schritte zu tun, um eben nicht in Abhängigkeiten zu geraten, wie der Ministerpräsident es eben dargestellt hat.

Dabei ist entscheidender denn je, dass wir in Deutschland und auch in Europa unsere Kräfte bündeln, um Innovation und Fortschritt möglich zu machen. Ich habe mit dem französischen Präsidenten Macron daher verabredet, dass wir in deutsch-französischer Kooperation sehr viel machen wollen und dann gegebenenfalls auch noch ein europäisches Projekt von strategischer Bedeutung entwickeln könnten.

Meine Damen und Herren, Europa braucht international sichtbare KI-Leuchttürme. Das Ökosystem rund um das Cyber Valley kann beispielhaft hierfür stehen. Da sind die exzellente Forschungs- und Transferstruktur, ein starkes Start-up-Ökosystem und ein signifikantes Engagement der Wirtschaft sozusagen die Herzstücke eines solchen Projekts.

KI-Spitzenkräfte begeistert man durch Sichtbarkeit und ein unverwechselbares Profil in der KI-Forschung, durch modernste Ausstattung und durch hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten im individuellen Arbeitsumfeld. Wir haben damals bei meinem Besuch darüber gesprochen, wie schwierig es ist, gute Leute für Europa und Deutschland zu gewinnen. Sie haben das ja im Cyber Valley nun wirklich verinnerlicht und nehmen deshalb die Aufgabe, neue Anreize für die weltweit klügsten Köpfe und neue Perspektiven für Professoren von morgen zu schaffen, sehr, sehr ernst.

Dabei ist es wichtig, nicht nur auf aktuelle Stärken in der Forschung zu setzen, sondern eben auch auf die sogenannten „emerging fields“, also auf das, was heute noch nicht Mainstream ist, zu schauen und sich zu überlegen: Wo ergeben sich Forschungs- und Entwicklungspotenziale? Dabei muss man den Bereichen, in denen wir heute vielleicht nicht Vorreiter sind, die aber ganz wesentlich zur Erhaltung oder zur Gewinnung unserer technologischen Souveränität beitragen können, besondere Beachtung schenken. Wir sollten deshalb auch eng ‑ und das tun Sie ja ‑ im europäischen Kontext zusammenarbeiten, um solche Bereiche zu definieren und zu stärken. Die Europäische Kommission arbeitet ja auch in diese Richtung.

Meine Damen und Herren, beispielhaft im Cyber Valley ist nicht nur der enge Schulterschluss von Wissenschaft und Wirtschaft, sondern ‑ es wurde eben schon von Ministerpräsident Kretschmann gesagt ‑ auch das private Engagement. Bund, Land und private Investoren wie die Hector Stiftung arbeiten hier zusammen.

Was mir besonders wichtig ist: Bund und Länder fördern die KI-Kompetenzzentren nun dauerhaft; das haben wir gemeinsam beschlossen. Darüber hinaus wird die Bundesregierung die KI-Forschung und den Transfer zur Anwendung weiter intensiv unterstützen. Wir werden uns auch bemühen, dieses Projekt möglichst schnell zu unterstützen und nicht so lange zu warten, bis alle anderen potenziellen Empfänger dann auch so weit sind.

Kürzlich haben wir die Fortschreibung der KI-Strategie in der Bundesregierung beschlossen. Im Rahmen unseres Zukunftspakets haben wir auch zusätzliche zwei Milliarden Euro für die KI zugesagt. Beides zusammen soll als Katalysator wirken für modernste Recheninfrastrukturen ‑ darüber haben wir bei meinem Besuch gesprochen ‑, attraktive Bedingungen für Spitzentalente und zukunftsgerichtete KI-Ökosysteme.

Kluge Köpfe und Exzellenz in Wissenschaft und Forschung sind unentbehrlich, um eine innovative KI-Anwendung nach europäischen Maßstäben möglich zu machen. Genauso wichtig sind leistungsstarke Unternehmen, die diese Innovationen dann auch umsetzen. Entscheidend dafür ‑ das ist unsere Überzeugung ‑ ist auch eine offene Gesellschaft ‑ eine Gesellschaft, die neue Technologien bedacht, aber ohne Scheu nutzt, um bisher Verborgenes in den Blick zu nehmen und neue Wege zu gehen. Deshalb wollen wir gemeinsam daran arbeiten, unsere europäischen Vorstellungen vom KI-Zeitalter ‑ auch die ethischen ‑ in die Tat umzusetzen.

Ich wünsche Ihnen im Cyber Valley von Herzen viel Kraft und viel Erfolg beim Aufbau der neuen Strukturen. Ich bin überzeugt, Sie werden dem Namen „AI Breakthrough Hub“ alle Ehre machen ‑ das ist mein Eindruck von dem, was ich von Ihnen weiß.

Herzlichen Dank!

Donnerstag, 17. Dezember 2020