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Rede von Bundeskanzlerin Merkel zum hundertjährigen Bestehen des Unternehmens Viessmann am 12. April 2017

Redner:
Angela Merkel
Datum:
Mittwoch, 12. April 2017
Ort:
Allendorf

in Allendorf

Sehr geehrter Herr Professor Viessmann,
sehr geehrte Familie Viessmann,
sehr geehrter Herr Minister Al-Wazir,
meine Damen und Herren,
vor allem liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Viessmann,

ich bin heute sehr gerne hierhergekommen. Gestatten Sie mir aber aus aktuellem Anlass zunächst mit Blick auf Dortmund einige Sätze. Wir alle waren gestern entsetzt, als wir von dem Anschlag auf den Bus mit den Spielern des BVB in Dortmund gehört haben. Wir wünschen den Verletzten, dem Spieler Marc Bartra und dem Polizisten, von Herzen vollständige Genesung. Wir sind uns einig, dass es sich hierbei um eine widerwärtige Tat handelt. Der Generalbundesanwalt und die Ermittlungsbehörden tun alles, um diese Tat schnellstmöglich aufzuklären.

Angesichts der Ereignisse gestern gab es eine großartige Solidarität aller – der Fans aus Deutschland, aus Dortmund, aber auch aus Monaco. Das ist ein klares Signal gegen jede Art von Gewalt. Unsere Gedanken sind heute bei den Spielern, die das Spiel nachholen werden, beim BVB und bei den Fans. Wir hoffen, dass es ein friedliches und gutes Spiel wird.

Der Volksmund mahnt uns: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Sie aber haben es immer geschafft, mit der Zeit zu gehen; und Sie haben das auch weiter vor. 100 Jahre sind eine beeindruckende Etappe. Sie haben sich immer angepasst – an die Kundenwünsche und an die technischen Möglichkeiten. Deshalb gratuliere ich Ihnen und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von ganzem Herzen zu 100 Jahren Erfolg. Ich verbinde das natürlich auch mit guten Wünschen für die nächste Zeit.

Ich freue mich, mit Ihnen feiern zu können, weil uns vonseiten der Politik und von Ihrer Seite, vom Unternehmerischen her, ein Kernthema verbindet. Ob politisch oder betriebswirtschaftlich – Energieeffizienz ist uns immer ein ganz besonderes Anliegen.

Schon die ersten Heizkessel aus dem Hause Viessmann überzeugten mit einem, aus damaliger Sicht, relativ geringen Brennstoffverbrauch. Im Grunde lässt sich sagen: Energiesparen hat Sie groß gemacht. Das ist eine Erfahrung, die sozusagen in den genetischen Code der Firma übergegangen ist. Man kann mit Sparen erfolgreich sein.

Effiziente Geräte sind heute und gewiss auch morgen gefragt. Es geht darum, den Energieverbrauch zu drosseln, Ressourcen einzusparen, damit Kosten zu senken und zugleich dem Klimaschutz zu dienen. Dies bleibt auch angesichts des rasanten Bevölkerungswachstums auf der Welt eine Riesenaufgabe. Der Gedanke der Nachhaltigkeit war ja auch in Ihrem Film fest verankert.

Es sieht so aus, als wäre das Ganze ein Selbstläufer. Aber die hundertjährige Firmengeschichte zeigt, dass es viel Erfinderreichtums und Arbeit bedarf, um Erfolge immer wieder fortzuschreiben. Über Generationen hinweg erfolgreich zu sein, kann nur gelingen, wenn man sich, an welcher Stelle auch immer, mitverantwortlich für das Unternehmen zeigt.

Das Thema Verantwortungsbewusstsein zieht sich durch das ganze Unternehmen und hat auch etwas Verbindendes mit der Politik. Ich meine das Verantwortungsbewusstsein auch für unser Gemeinwesen. Ihr Unternehmen hat das immer wieder bewiesen, auch an seinem Heimatstandort. Sie sind ein Unternehmen des klassischen Mittelstands und lokal verwurzelt, wenn ich das so sagen darf. Ich komme ja aus Vorpommern. Da kann manch einer schon neidisch sein auf die Tatsache, dass ein Ort mit 6.000 Einwohnern allein 4.000 Arbeitsplätze hat. Das tut der Region sicherlich gut.

Das, was Sie leben – deshalb bin ich heute sehr gerne hierhergekommen –, ist im Grunde genommen der Grundgedanke der Sozialen Marktwirtschaft. Sie beschreibt nämlich nicht nur eine Art zu wirtschaften, sondern sie ist ein Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell. Sie stellt darauf ab, dass das Unternehmertum in der Gesellschaft akzeptiert und fest verankert ist. Das wiederum ist von entscheidender Bedeutung für die dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes. Sie stellt also auch darauf ab, dass sich ein Unternehmen selbst in die Gemeinschaft und in die Gesellschaft einbringt.

Wir haben mit Ihnen, liebe Familie Viessmann, ein gutes Beispiel gelebter Sozialer Marktwirtschaft. Dies lässt sich vor allem am Themenspektrum der drei Viessmann-Stiftungen unschwer erkennen. Die Viessmann-Allendorf-Stiftung und die Dr.-Hans-Vießmann-Stiftung widmen sich sozialen, wissenschaftlichen und Bildungsprojekten ebenso wie der Förderung von Kunst und Kultur. Die Hans-Viessmann-Technologie-Stiftung konzentriert sich auf die ingenieur- und naturwissenschaftliche Forschung. Dabei wird vor allem die Haus- und Kältetechnik unter die Lupe genommen. Darin spiegelt sich auch die Innovationskultur wider, die bei Viessmann gepflegt wird und die auch gepflegt werden muss, damit die Produkte immer wieder erfolgreich sind.

Damit sind wir bei einem weiteren Programmpunkt des heutigen Tages. Sie veranstalten ja nicht nur eine Feierstunde und einen schönen Empfang, sondern wir weihen heute auch das neu errichtete Technikum ein. Sie unterstreichen damit, welch hohen Stellenwert Sie Forschung und Entwicklung in Ihrem Unternehmen einräumen. Damit befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Die gesamte Wirtschaft in Deutschland ist – das darf ich sagen – sehr innovations- und forschungsfreundlich. Im Jahr 2015 wurde eine Rekordsumme von deutlich mehr als 62 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung gesteckt. Wir haben damit zusammen mit den staatlichen Leistungen, also den Leistungen von Bund und Ländern, zum ersten Mal das Drei-Prozent-Ziel, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, erreicht. Das heißt, wir versuchen auch seitens des Staates, vieles, das auf Innovationen ausgerichtet ist, zu fördern.

Die Bundesregierung fördert Grundlagenforschung, aber auch die praktische, angewandte Forschung. Wir überlegen uns immer wieder, wie wir gerade auch mittelständische Unternehmen noch besser berücksichtigen können. Ich darf Ihnen verraten, dass wir uns jetzt auf Bundesebene auch dem Thema steuerliche Forschungsförderung nähern. Man muss ja in Anwesenheit von Landesministern beim Thema Steuern immer ein bisschen vorsichtig sein. – Herr Al-Wazir nickt. Insofern sind wir uns da schon einmal einig.

Wir haben heute Morgen, passend zu Ihrem 100. Jubiläum, den jährlichen „Bundesbericht Energieforschung“ verabschiedet. Darin ist das Thema Energieeffizienz in Gebäuden und Städten ein besonderer Schwerpunkt. Hierfür gibt es eine Vielzahl von Förderprogrammen. Ein Beispiel ist die ressortübergreifende Förderinitiative „Solares Bauen/Energieeffiziente Stadt“. – Es ist sehr interessant, dass bei Ihnen schon so früh über Solarenergie nachgedacht wurde. – Mit den Förderprojekten wollen wir zeigen, wie durch Innovation und intelligente Vernetzung hochwertige, energetisch effiziente Gebäude und Quartiere entstehen können.

Sie haben schon dafür gesorgt, dass sich die Jugend erst einmal gründliche Kenntnisse in Bezug auf die Digitalisierung erwirbt. Die Digitalisierung dringt in der Gebäudetechnik immer weiter vor. Es ergeben sich völlig neue Möglichkeiten der intelligenten Vernetzung und der effizienteren Aufarbeitung der Ressourcen.

Wir haben ein Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende verabschiedet. Damit haben wir das Zeitalter von Smart Grid, Smart Meter und Smart Home eingeläutet. Schade, dass es diese Begriffe nicht auf Deutsch gibt. Aber Sie werden sicherlich auch so verstehen, dass es um etwas Gutes geht. Eine Schlüsselrolle spielen dabei intelligente und zur Kommunikation fähige Messsysteme, um Erzeugung, Verteilung und Verbrauch von Energie in Zukunft viel besser aufeinander abzustimmen.

Das heißt aber auch: Es fließt nicht nur Energie, sondern es fließen auch Daten. Das wiederum bedeutet, die Akzeptanz neuer technischer Möglichkeiten ist nicht allein von mehr Komfort und Kostenvorteilen abhängig, sondern auch von einem hinreichenden Datenschutz. Die Menschen wollen wissen, was mit ihren Daten passiert.

Auch die Politik ist gefragt; denn wir brauchen eine leistungsfähige digitale Infrastruktur. Wie man erwartet, dass Wasser- und Elektroanschlüsse gelegt sind, so erwartet man heute auch, dass es eine auskömmliche Breitbandinfrastruktur gibt. Wir setzen gerade auch für die ländlichen Regionen vier Milliarden Euro ein, damit die Breitbandinfrastruktur auch dort, wo die Situation nicht so wettbewerbsfähig ist, gut ausgebaut wird. Ich weiß jetzt nicht, wie es hier bei Ihnen ist; das werden Sie mir nachher bestimmt noch sagen. Wenn das nicht schon staatlich gemacht worden ist, dann werden Sie es wahrscheinlich privat gemacht haben. Als ich gesehen habe, dass Sie sogar einen Flughafen haben, bin ich tief beeindruckt gewesen.

Ob in Privathaushalten oder in der Wirtschaft – an digitalen Anwendungsmöglichkeiten mangelt es nicht. Jetzt ist die Zeit, in der unsere digitalen Kenntnisse mit den Prozessen der realen Produktion von Gegenständen verschmelzen müssen. Das Internet der Dinge, die Vernetzung aller Dinge, wird in den nächsten Jahren sprunghaft anwachsen. Ich denke, Ihr Sohn, Herr Professor Viessmann, ist schon sehr gut darauf vorbereitet.

Im Kern geht es darum, durch alle diese technischen Entwicklungen einen Mehrwert für den Menschen zu schaffen. Insofern geht es auch um Einsparpotenziale. Über 35 Prozent der Endenergie werden in Gebäuden verbraucht. Den Löwenanteil daran hat die Raumwärme. Häuser und andere Bauten verursachen in Deutschland bis zu 30 Prozent der Treibhausgasemissionen. Daher ist oft von einem schlafenden Riesen die Rede, den es zu wecken gilt. Wir haben die Aufgabe, auf der einen Seite darauf zu achten, dass Neubauten den technischen Möglichkeiten entsprechen. Auf der anderen Seite müssen wir aber auch Anreize setzen, um den Bestand zu verbessern. Denn über 60 Prozent der Wohngebäude wurden noch vor der ersten Wärmeschutzverordnung 1977 errichtet. Das heißt, die Wärmedämmung lässt in vielen Fällen noch zu wünschen übrig.

Ich wage es schon kaum mehr auszusprechen, dass wir eine steuerliche Förderung für die Gebäudesanierung brauchen. Wir werden aber sicherlich wieder einen neuen Anlauf dazu unternehmen. Das ist wahrscheinlich die einzige gesetzliche Initiative, die von allen Umweltverbänden, von allen Handwerksverbänden und von allen Industrieverbänden unterstützt wird. Ich will heute nichts Schlechtes sagen, aber im Bundesrat haben wir dafür noch nie eine Mehrheit bekommen. Insofern müssen wir daran weiterarbeiten.

Wir wissen, im Bereich der Energieeffizienz besteht noch ein erheblicher Handlungsbedarf. Wir haben daher einen Nationalen Aktionsplan erarbeitet. Ich brauche das in Ihren Räumen hier eigentlich nicht zu predigen. Denn Sie sind völlig davon überzeugt und verfolgen schon längst Ihr eigenes Effizienzprogramm. Damit ist es Ihnen gelungen, die CO2-Emissionen am Standort Allendorf um 80 Prozent zu reduzieren. Das ist beeindruckend, muss ich ganz ehrlich sagen. Wir haben uns für 2050 das Ziel gesetzt, CO2-Emissionen für ganz Deutschland um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren. Hier in Allendorf haben wir eine kleine Insel, in der das Ziel schon jetzt zumindest an der unteren Grenze erreicht ist. Glückwunsch auch dazu.

Ein großer Teil der Maßnahmen unseres Aktionsplans zielt auf eine höhere Energieeffizienz von Gebäuden. Dabei setzen wir grundsätzlich auf dreierlei: Wir informieren, wir fördern und wir fordern auch. Die ordnungsrechtlichen Fragen sind nicht immer so einfach zu lösen. Aber alle drei Elemente sind vorhanden.

Die Mittel für unser CO2-Gebäudesanierungsprogramm, das wir anstelle der steuerlichen Förderung aufgelegt haben, wurden um 200 Millionen Euro auf zwei Milliarden Euro pro Jahr erhöht. Die KfW fördert inzwischen jede zweite neugebaute Wohnung. Zudem war sie letztes Jahr an der energetischen Sanierung von 290.000 Wohnungen beteiligt. Das ist eine Menge. Aber wenn Sie an die eine Million Wohnungen in Deutschland denken, die wir brauchen, dann wissen Sie, dass wir noch einen langen Weg zu gehen haben.

Wir haben aber schon einiges in Bewegung gebracht. Seit dem 1. Januar 2016 muss bei Neubauten der Jahresprimärenergiebedarf um ein Viertel niedriger liegen als bisher. Wir führen im Augenblick eine Diskussion darüber, dass eine bessere Effizienz von Gebäuden bezüglich des Energiesparens erst einmal zu höheren Preisen führt. Auf lange Sicht ist das aber nicht der Fall. Auch die Baukosten sind immer zu berücksichtigen. Ich glaube aber, es ist richtig, dass wir hohe ordnungsrechtliche Anforderungen stellen.

Die Mindestwärmedämmung muss um 20 Prozent besser ausfallen. Das ist eine weitere ordnungsrechtliche Vorgabe. Ebenfalls seit Januar 2016 erhalten alte Heizkessel schrittweise das nationale Effizienzlabel. Damit wird dem Kunden vor Augen geführt, was er sparen könnte, wenn er – unter anderem bei Viessmann – eine Neuinvestition tätigen würde. Das Label soll zum Nachrechnen anregen: Lohnt sich ein Heizungstausch oder reicht eine Optimierung der Anlage? Beide Wege werden gefördert. Aber nicht nur das. Auch qualifizierte Beratung unterstützen wir, um Kunden einen Anreiz für Investitionen zu geben und sie darauf vorzubereiten. Ich hoffe, unsere Feier heute trägt dazu bei, dass noch mehr Menschen wissen, dass auch Beratung gefördert wird.

Wir wollen im Übrigen alle Fördermaßnahmen technologieoffen anlegen. Welche Systeme, welche Produkte, welcher Umbau sich im jeweiligen Fall am besten eignen, wissen die Fachleute selbst am besten. Das ist nicht die Aufgabe der Politik.

Sie bei Viessmann wissen natürlich auch, dass ein neues Gerät oder eine neue Anlage oft nur die halbe Miete ist. Es geht auch um Einbau, Bedienung und Wartung. Auch darauf haben Sie eine Antwort entwickelt – mit der Viessmann Akademie. Sie bietet ein umfassendes Fortbildungsangebot für Heizungsbauer, Planer, Architekten und andere Akteure auf dem Heizungsmarkt, nicht zuletzt auch für die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber eben auch darüber hinaus.

Ich konnte mich schon davon überzeugen, als ich hereingekommen bin – die Auszubildenden waren gut platziert –: Ihr Unternehmen nimmt vor allem den Nachwuchs in den Blick; nicht nur was die Familie anbelangt, sondern auch die Auszubildenden. Es gibt sogar zwei Berufsschulen, die mit dem Namen Viessmann verbunden sind – eine in Hessen und eine in Bayern, wo das Unternehmen vor 100 Jahren gegründet wurde.

Ich möchte an dieser Stelle ein Plädoyer für die Berufsschulen halten. Von den Antworten auf die Fragen, wie gut die Ausbildung ist, was die jungen Leute dort erleben und wie sie in den Beruf hineingeführt werden, hängt für das ganze Leben viel ab. Dass Sie sich mit der Akademie auch dem lebenslangen Lernen widmen – gerade in Zeiten, in denen wir große Umwälzungen erleben, insbesondere auch mit Blick auf das Digitale und das Technische –, ist sehr gut.

Was in einer kleinen Werkstatt begann, ist heute eine global tätige Unternehmensgruppe. Dazu kann man nur sagen: Respekt vor dem Weg in diesen 100 Jahren. In elf Ländern wird produziert. Viessmann ist in über 70 Ländern vertreten. Das Unternehmen erzielt inzwischen über die Hälfte seines Umsatzes im Ausland. Man muss sich einmal vorstellen, was für eine Leistung dahintersteckt. Überall Fuß zu fassen und sich mit neuen Rechtssystemen auseinanderzusetzen, ist für die mittelständischen und Familienunternehmen nicht gerade eine Kleinigkeit. Viessmann ist ein Paradebeispiel dafür, dass der deutsche Mittelstand und die deutschen Familienunternehmen sozusagen zum Schaufenster in der Welt geworden sind und das leisten, wofür Deutschland weltweit berühmt ist. Deshalb Glückwunsch zu der Erschließung immer neuer Märkte.

Die Bundesregierung unterstützt dies mit der „Exportinitiative Energie“. Von Ihnen bekommen wir auch immer wieder eine Rückmeldung, was an unseren Förderinstrumenten klappt und was besser gemacht werden muss. Auch dafür sehr herzlichen Dank.

Meine Damen und Herren, wir fragen uns immer: Was macht ein gutes Leben aus? Jeder hat natürlich seine individuelle Antwort darauf. In Ihrer Unternehmensbroschüre steht: „Alles Leben braucht Energie.“ – Das ist unstrittig richtig. Weil das so ist, will ich im Sinne von Nachhaltigkeit und mit Blick auf kommende Generationen ergänzen: Nur so viel Energie zu verbrauchen wie nötig, gehört dazu, um so ein gutes Leben zu führen wie möglich.

Das Ganze auf das wirklich Nötige zu beschränken, wird auch die Triebkraft Ihrer weiteren Entwicklung sein. Sie werden aber auch Kunden brauchen, die mitmachen und die entsprechenden Möglichkeiten nutzen. Deshalb wird die Kundenbeziehung in den nächsten Jahren sicherlich noch mehr an Bedeutung gewinnen. Die Entwicklung und Fertigung neuer Produkte werden immer mehr digital gestaltet. All das ändert sich durch Digitalisierung, durch die Industrie 4.0. Aber das eigentlich Spannende ist, dass man eine völlig neue Kundenbeziehung aufbauen kann. Der Kunde will individuelle Produkte. Er will wissen, wie er sein Produkt am besten nutzen kann. Ich mache mir keine Sorgen darüber, dass Sie nicht dafür sorgen, Produkte an den Mann und an die Frau zu bringen.

Wir brauchen Unternehmen wie Viessmann. Wir brauchen Fachkräfte, die ihr Wissen und auch ihre Freude an der Arbeit in den Dienst des Unternehmens stellen. Dann mache ich mir keine Sorgen, dass wir auch energiepolitisch ein Land bleiben, das innovationsfreudig ist und auf seinem Weg vorangeht. Den Anspruch, dass die Firma Viessmann dabei sein will, habe ich heute schon an allen Ecken und Enden gespürt.

Ich wünsche Ihnen alles Gute beim Aufbruch ins zweite Jahrhundert. Bleiben Sie so fröhlich und so engagiert bei der Sache. Wenn es einmal etwas schwieriger wird, dann machen Sie auf Ihrem Schreibtisch einfach einen kleinen Rückwärtswisch, sodass der Großvater und der Urgroßvater wieder erscheinen. Dann wird das Ganze schon wieder klappen. Auch die Menschen vor uns hatten große Aufgaben zu meistern. Dies ist heute genauso spannend und erfreulich.

Ich wünsche Ihnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auf diesem Weg mitziehen und die mit Freude bei der Sache sind – egal ob sie jünger oder schon etwas älter sind und die entsprechende Erfahrung einbringen. Alles Gute zum 100. und weiter alles Gute auf Ihrem Weg.

Mittwoch, 12. April 2017