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Rede von Bundeskanzlerin Merkel zum Besuch des Unternehmens TRUMPF Sachsen GmbH am 16. August 2018

Redner:
Angela Merkel
Datum:
Donnerstag, 16. August 2018
Ort:
Neukirch/Lausitz

Sehr geehrte Frau Leibinger-Kammüller,
Herr Kammüller,
Herr Kluth,
Herr Thonig,
lieber Herr Ministerpräsident, lieber Michael Kretschmer,
aber vor allem Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
und natürlich auch Sie, Herr Bürgermeister, denn das Ganze findet ja hier in Neukirch statt,

ich möchte mich für die Einladung bedanken. Mir war es wichtig, dass wir, wenn ich nach Sachsen komme – ich habe mit Michael Kretschmer darüber gesprochen –, dann auch Kontakt zu den Menschen suchen, die hier in diesem wunderbaren Betrieb arbeiten. Ich kenne die Firma TRUMPF seit längerem in dem Gebiet, in dem sie ihren Stammsitz hat. Aber ich habe heute gelernt, dass die Wiege des Maschinenbaus vielleicht doch in Sachsen liegt. Das möchte ich mir in Stuttgart oder in der Nähe von Stuttgart noch einmal anhören. Jedenfalls hat Frau Leibinger-Kammüller TRUMPF einmal als ein Gesamtkunstwerk bezeichnet. Und der Standort Neukirch ist ein wichtiger Teil dieses Gesamtkunstwerks. Das ist vor allen Dingen auch ein Gesamtkunstwerk mit Zukunft. Ich habe mir eben sagen lassen, dass es 31 Auszubildende gibt. Einer von ihnen hat gesagt, Mathematik und Physik waren beim Eignungstest gar nicht das Allerwichtigste; es ging vor allen Dingen auch um Teamfähigkeit, um die Möglichkeit, sich einzuordnen und zuzuhören – also Dinge, die ein gutes Team ausmachen und im Leben insgesamt natürlich auch wichtig sind.

Die Geschichte der Firma TRUMPF ist, wie man vielleicht sagen kann, eine sehr typische deutsche Geschichte, die auch darstellt, wo unsere Stärken liegen. Im Augenblick diskutieren wir in der Politik sehr viel darüber, was nicht so richtig läuft, woran gedacht werden muss und wie wir die Weichen für die Zukunft richtig stellen. Wir haben als Bundesregierung eine Kommission für die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse eingesetzt. Wir spüren, dass die Probleme natürlich völlig unterschiedlich sind, je nachdem, ob man in Leipzig oder in einer eher ländlichen Region lebt, ob man in München und Stuttgart oder, wie ich, in Vorpommern lebt. Die Frage der Daseinsvorsorge, die Frage des öffentlichen Personennahverkehrs oder die Frage der medizinischen Versorgung und der Schulen stellt sich in den ländlich geprägten Regionen ganz anders als in den Ballungsgebieten. Das gilt auch für die Frage nach den Mieten – danach, ob sich eine Familie überhaupt eine Wohnung leisten kann. So muss Politik eben vielfältige Antworten geben; und das versuchen wir zusammen mit den Bundesländern, in diesem Falle mit Sachsen, auch zu tun.

Wenn wir uns überlegen, wie wir das, was wir erarbeitet haben, verteilen, zeigt sich an einer Firma wie TRUMPF ja auch, woher das zu Verteilende eigentlich kommt. Frau Leibinger-Kammüller hat gesagt, sie zahle gerne Steuern. Sie findet das jedenfalls richtig. Dass Steuern gezahlt werden, ist eben auch wichtig, um überhaupt politisch handeln zu können. Wir wissen, wir leben in einer Welt im Umbruch. Jede Ihrer hier produzierten Maschinen geht an eine andere Stelle. Sie sind international tätig. Sie wissen, dass die Welt nicht schläft, dass uns die Leute zwar für das, was wir tun, achten und ehren, aber dass viele auch genauso gut wie wir sein wollen. Also müssen wir immer wieder erfinderisch sein. Da bin ich mir nun ganz sicher: das sind Sie hier in Neukirch ganz gewiss.

Als die Wende kam, als jeder anpacken wollte, hatte aber nicht jeder die Chance anzupacken, auch weil vieles kaputtgegangen war. Die Beharrlichkeit der damals Verantwortlichen und die Tatsache, dass es schon gute Kontakte gab, haben letztlich dazu geführt, dass eine tolle Partnerschaft entstanden ist. Das ist ein Beispiel dafür, wie etwas gelingen kann. Es gab aber auch enttäuschte Menschen; da sind Dinge nicht wahr geworden. Wer sich in der Textilindustrie in dieser Region auskennt, der weiß, wie viele Menschen keine Chance bekommen haben. Das dürfen wir nicht vergessen. Aber das sollte uns vor allem dazu anspornen, immer darauf zu achten, dass wir auch morgen so gut wie heute oder noch ein Stück besser sind.

Deshalb finde ich es toll, dass die Firma TRUMPF immer auch darauf achtet, Beziehungen zu Schulen und Hochschulen zu haben, und auf die Ausbildung Wert legt. Das Wichtigste sind die Menschen, die aber auch immer wieder Kreativität, Einfälle und Ideenreichtum einbringen müssen. Ich glaube, das hier ist eine Firma, in der sich auch jeder einbringen kann. Und damit wird die Stärke Deutschlands auch durch diesen Standort ein Stück weit gesichert.

Ich freue mich jetzt auf die Diskussion mit Ihnen. Frau Leibinger-Kammüller hat den Ton vorgegeben. Sie dürfen alles fragen. Jede Frage ist eine gute Frage. Wir geben uns alle Mühe, lieber Michael Kretschmer, die Dinge zu beantworten. Meine Lokalkenntnis über den Ausbau der A 4 ist nicht so ausgeprägt wie die über den Ausbau der A 20 – da, mit dem großen Autobahnloch in meinem Wahlkreis, kenne ich mich aus. Aber abschließend sei gesagt: Sie sind immer herzlich willkommen auf der Insel Rügen und auf dem Darß. Das ist nämlich meine politische Heimat. Heute freue ich mich, in der politischen Heimat von Michael Kretschmer zu sein.

Herzlichen Dank.

Donnerstag, 16. August 2018