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Im Wortlaut

Rede von Bundeskanzlerin Merkel beim Parlamentarischen Abend des Deutschen Behindertensportverbandes am 18. Oktober 2016

Datum:
Dienstag, 18. Oktober 2016
Ort:
Berlin

Sehr geehrter Herr Präsident Beucher,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Kabinett und aus dem Deutschen Bundestag,
meine Damen und Herren
und vor allem liebe Sportlerinnen und Sportler,

es ist erst wenige Wochen her – Herr Beucher hat es gesagt; und in ihm lodert noch ein wenig die Flamme von Rio –, als wir mit den Athletinnen und Athleten bei den Paralympischen Spielen mitgefiebert haben. Ich fand es besonders erfreulich, dass die Medien über die Wettkämpfe von Menschen mit Behinderung mit großer Aufmerksamkeit berichteten. Ich denke, das ist sehr wichtig für die Akzeptanz des Sports und trägt auch der Bedeutung des Sports Rechnung. Die Leistungen sind faszinierend. Das deutsche Team hat beeindruckt und gezeigt, was in ihm steckt. 18-mal Gold, 25-mal Silber, 14-mal Bronze – eine tolle Bilanz.

Hinter jeder Medaille, aber auch hinter jedem Start – ich betone das, so wie auch Herr Beucher es getan hat – in einem der Wettkämpfe steht ja eine eigene Geschichte – eine Erfolgsgeschichte des Sports und eine Erfolgsgeschichte des eigenen Lebens. Marianne Buggenhagen hat dies zum Ende ihrer Leistungssportkarriere noch einmal unterstrichen, als sie nach ihrer Silbermedaille im Diskuswerfen sagte – ich möchte sie zitieren –: „Ich habe heute noch mal gezeigt, was möglich ist, wenn man hart an sich arbeitet. Es ist nie zu spät, Sport zu treiben.“ Ein guter Satz; auch für einen selber. Sie weiß, wovon sie spricht – nach all den Jahren, in denen sie sich Auszeichnungen erkämpfte, die für eine ganze Mannschaft reichen würden.

Sportlerinnen und Sportler wie Marianne Buggenhagen verstehen es, sich immer wieder Ziele zu setzen und sie beharrlich zu verfolgen. Sie sind Vorbild für uns alle und wunderbare Botschafter unseres Landes. Sie bringen so viele Menschen zusammen. Dazu hat Sebastian Dietz, Goldmedaillengewinner im Kugelstoßen, einen besonderen Beitrag geleistet. Gemeinsam mit seinem Trainer hat er zum Wettkampf fünf Jugendliche eingeladen, die in Rio de Janeiro auf der Straße leben. Ich zitiere ihn: „Ich möchte ihnen einfach einen schönen Abend machen, ein Lächeln ins Gesicht zaubern und zeigen, dass man es immer schaffen kann, wenn man kämpft.“ Tolle Sache. Daraus sprechen Leistung und Leidenschaft, also etwas, das zusammengehört, weil es sich ja auch gegenseitig bedingt.

Leistung und Leidenschaft – das ist eine Botschaft, die jeder rund um den Globus versteht. Sie spricht jeden und jede an. Sie motiviert besonders auch junge Menschen, über sich hinaus zu wachsen. Es freut mich, dass sich die Nachwuchsarbeit unter dem Dach des Deutschen Behindertensportverbands so gut entwickelt hat. Bei den Schulwettbewerben gibt es zum Beispiel neben „Jugend trainiert für Olympia“ auch „Jugend trainiert für Paralympics“.

Dem Verband ist es wesentlich mit zu verdanken, dass der Sport von Menschen mit Behinderung längst aus dem Nischendasein heraus ist. Auf das bisher Erreichte können alle stolz sein – neben den Verantwortlichen beim DBS natürlich auch alle, die unabhängig von einer Beeinträchtigung Sport treiben, und alle, die sie dabei unterstützen. Gemeinsam machen sie dem Grundgedanken der Teilhabe und Selbstbestimmung alle Ehre.

Der Bundesregierung – das unterstreicht auch die Anwesenheit des Bundessportministers – liegt sehr daran, die Teilhabe von Menschen mit Behinderung weiter zu verbessern. Das zeigt nicht nur die Anwesenheit des Bundesministers, sondern natürlich auch der Staatssekretäre und – um die Liste zu vervollständigen – des Landesministers. Erst kürzlich haben wir uns auf den Bund-Länder-Finanzausgleich geeinigt; wir wollen jetzt mal nett zueinander sein.

Mit dem neuen Bundesteilhabegesetz und den Änderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes setzen wir die UN-Behindertenrechtskonvention um. Dabei geht es besonders auch um Barrierefreiheit. Natürlich lässt es sich über Details solcher Gesetze streiten. Aber selbst das beste Gesetz kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Teilhabe in allen Facetten nicht vorschreiben lässt. Teilhabe wird im Alltag gelebt und vorgelebt – durch persönliches und zumeist ehrenamtliches Engagement. Deshalb möchte ich allen, die dabei mitmachen, ganz herzlich danken. Das ist auch ein Grund, warum ich die Einladung zum Parlamentarischen Abend gern angenommen habe – wenn auch mit zeitlicher Beschränkung, was Sie in die Bredouille gebracht hat. Aber, Herr Beucher, Sie haben uns trotzdem schon sehr viele Beispiele des breiten Engagements aufzeigen können.

Ich freue mich jetzt auf die Gesprächsrunde mit einigen Athletinnen und Athleten, die unser Land in Rio de Janeiro so wunderbar vertreten haben. Vielen Dank auch dafür. Danke all Ihnen, die Sie den Behindertensport unterstützen und in ihm großartige Leistungen vollbringen.

Ihr Parlamentarischer Abend fällt immer in die zeitliche Nähe der Haushaltsberatungen. Als altem Schlachtross der Politik dürfte es Ihnen geradezu leicht gefallen sein, ein geeignetes Datum zu finden. Das ist ja auch legitim. Viele machen Lobbyarbeit, warum nicht auch Sie. Das ist nichts anderes, als was viele andere auch tun.

Herzlichen Dank für die Einladung und dafür, dass ich hier mit dabei sein kann.

Dienstag, 18. Oktober 2016