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Rede von Bundeskanzlerin Merkel beim gemeinsamen Side Event der Bundesrepublik Deutschland, des Königreichs Norwegen und der Republik Ghana „Securing a healthy future“ am 26. September 2015

Redner:
Angela Merkel
Datum:
Samstag, 26. September 2015
Ort:
New York

Exzellenzen,
meine Damen und Herren,

ich möchte zum Abschluss erst einmal allen danken, die heute ihren Beitrag zu dieser Diskussion geleistet haben.

Lassen Sie mich zusammenfassen, worum es gehen muss. Das sind im Grunde zwei Dinge. Das Erste ist: Wie kommen wir, wenn irgendwo auf der Welt eine Krankheit auftritt, an die Informationen, dass diese Krankheit nicht nur für die nationale Ebene eine Gefahr bedeutet, sondern sich transnational oder global ausbreiten kann? Diese Informationen müssen möglichst schnell gegeben werden, sie müssen transparent weltweit verbreitet werden. Das Zweite ist, dass wir solche Informationen, wenn wir sie erhalten, dann nicht unter den Teppich kehren und Angst haben, sondern dass wir diese Informationen nutzen, um ein System kraftvoll in Gang zu setzen – Erna Solberg hat gesagt: den Knopf zu drücken –, weil wir wissen, was die Welt tun muss, um die Ausbreitung einer Pandemie zu verhindern.

Zum ersten Punkt: Wie kommen wir an Informationen? Es ist noch einmal klar geworden: Wir brauchen funktionierende nationale Gesundheitssysteme, egal wo auf der Welt. Wir wissen ja nicht, welche Krankheit wo auftritt. Deshalb ist es wichtig, breit aufgefächerte Gesundheitssysteme mit guten Informationssystemen zu haben.

Zum zweiten Punkt: Wir brauchen regionale Organisationen der WHO, die von den nationalen Regierungen die relevanten Informationen bekommen. Diese regionalen Organisationen müssen der WHO als zentraler Institution berichten. Und die WHO muss dann, sozusagen eben mit einem Knopfdruck, einen Mechanismus in Gang setzen.

Damit bin ich bei der nächsten Frage: Was brauchen wir jetzt?

Erstens. Wenn wir uns die Weltgesundheitsorganisation als Informationszentrum vorstellen, dann muss von den besten medizinischen Kapazitäten der Welt sozusagen ein Check gemacht werden; denn das kann die WHO selber nicht leisten. Mir schwebt hierbei zum Beispiel ein Netzwerk von medizinischen Instituten vor, wie sie viele Länder der Welt haben, deren ausgewählte Repräsentanten sich dann sehr schnell kurzschließen und sagen können, was zu tun ist, welche medizinischen Möglichkeiten es gibt usw.

Zweitens brauchen wir eine Reserve – wir haben hierbei einmal von „Weißhelmen“ gesprochen in Anlehnung an die bekannten „Blauhelme“ –, die in verschiedenen Ländern abrufbar ist und, wenn sie gebraucht wird, vor Ort, wo die Krankheit aufgetreten ist, rasch einsatzfähig ist.

Drittens geht es um die gesamte Logistik. Diese kann nicht permanent vorgehalten werden, sondern dafür braucht man Organisationen oder Unternehmen, die bereit sind, gegebenenfalls Leute freizustellen und Transportkapazitäten zur Verfügung zu stellen.

Viertens brauchen wir Informationssysteme, um sowohl die Bevölkerung vor Ort aufzuklären als auch eine professionelle Kommunikation mit der gesamten Welt zu ermöglichen, um keine Panik aufkommen zu lassen, sondern um geordnet vorgehen zu können, so wie wir das im Grunde schon von vielen nationalen Katastrophenschutzsystemen kennen, in denen auch regelmäßig Übungen vorgenommen werden. Das sollte sozusagen auch ein Ziel sein, denn wir wissen nicht, womit wir es das nächste Mal zu tun haben könnten – ob es Ebola ist, ob es eine Grippeepidemie ist oder ob es Krankheiten sind, die sich vielleicht noch schneller ausbreiten als Ebola.

Fünftens brauchen wir auch finanzielle Ressourcen. Dafür hat die Weltbank gute Ideen – zum Beispiel die Einbeziehung von Versicherungssystemen, damit betroffene Länder, die zusätzliche Kosten nicht mehr stemmen können, über einen Versicherungsmechanismus vor noch größeren Katastrophen bewahrt werden.

Das alles stelle ich mir unter einer professionellen Vorsorge und Reaktion vor. Was ich hier heute erlebt habe, ermutigt mich, dass wir an so etwas gut weiterarbeiten können. Wenn wir irgendwann eines Tages einen Praxistest simulieren können, dann wäre die heutige Veranstaltung etwas sehr Gutes gewesen. Ich habe gemerkt: Viele wollen dabei mitmachen. Ich danke auch im Namen von Erna Solberg und von Präsident Mahama ganz herzlich dafür, dass sie dazu bereit sind.

Ich wünsche Präsident Kikwete alles Gute beim Abschluss seiner Arbeiten. Wir setzen große Hoffnungen auf den Report. Schonen Sie keinen, sondern zeigen Sie auf, wie wir alle Schwächen beseitigen können.

Herzlichen Dank.

Samstag, 26. September 2015