Navigation und Service

Inhalt

Rede von Bundeskanzlerin Merkel beim Empfang der Preisträgerinnen und Preisträger des 52. Bundeswettbewerbs „Jugend forscht“ am 21. Juni 2017 im Bundeskanzleramt

Redner:
Angela Merkel
Datum:
Mittwoch, 21. Juni 2017
Ort:
Berlin

Liebe Frau Bundesministerin Wanka,
lieber Herr Baszio,
meine Damen und Herren;
und natürlich: liebe Preisträgerinnen und Preisträger von „Jugend forscht“,

da Sie hier sind, dann haben Sie es auch geschafft: Sie sind Preisträger von „Jugend forscht“ geworden. Dafür herzlichen Glückwunsch und ein ebenso herzliches Willkommen im Bundeskanzleramt.

Die entscheidende Frage ist natürlich: Wie haben Sie es geschafft? So unterschiedlich die Forschungsprojekte auch sind – Sie alle eint, dass Sie, wenn Sie etwas angefangen haben, immer auch an Ihre eigene Idee geglaubt haben. Eleanor Roosevelt, der Frau des früheren amerikanischen Präsidenten Franklin Roosevelt, wird der Satz zugeschrieben: „Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben.“ Ob die Träume auch in der Wissenschaft immer schön sind, sei dahingestellt. Aber unabhängig davon gilt: Schön ist, was begeistert. Wofür Sie sich begeistert haben, das hat dann offensichtlich auch die Jury begeistert. Deshalb sind Sie ja als Preisträger hier.

Ihr Motto war: „Zukunft - ich gestalte sie!“ Ich finde, das ist ein sehr schönes Motto. Das sagt ja nichts anderes, als dass wir es zum Teil selbst in der Hand haben, wie die Welt von morgen aussieht. Das verbindet in gewisser Weise auch Forschung und Politik. Denn auch unsere Arbeit ist darauf ausgerichtet, zu gestalten, vorzusorgen, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich Zukunft vernünftig entwickeln kann. Das heißt, wir müssen in den Blick nehmen, wo es Probleme gibt und wie eine Lösung aussehen könnte. Von unseren Antworten heute hängt auch ab, wie Generationen nach uns leben werden. Von unseren Entscheidungen hängt ab, ob wir große Herausforderungen wie zum Beispiel den Klimawandel auch wirklich meistern können.

Ich glaube, an diesem Beispiel lässt sich auch gut zeigen, warum Forschung und Innovation eine so große Rolle spielen. Die Politik kann zwar Ziele vorgeben, aber wie man diese Ziele erreicht, das müssen dann andere herausfinden – durch Innovation. Wir können also sagen: Wir wollen die Treibhausgas-, die CO2-Emissionen reduzieren. Aber wir müssen dann darauf warten, dass auch technische Möglichkeiten gefunden werden, CO2-Emissionen zu reduzieren. Wir können dafür Anreize setzen. Manchmal wundert man sich, was alles möglich ist, wenn man steuerliche Anreize setzt, das ohne steuerliche Anreize scheinbar nicht möglich war. Aber die Denkaufgabe, wie man das dann technisch umsetzt, muss schon an anderer Stelle geschafft werden. Das heißt, Technologien müssen erdacht, entwickelt und marktreif gemacht werden. Da sind die Wissenschaft, die Ingenieurkunst und vieles andere gefragt.

Deshalb brauchen wir immer wieder junge Leute, die schon früh anfangen, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen. Und da kommt eben „Jugend forscht“ ins Spiel. Es ist über Jahrzehnte hinweg immer wieder gelungen, junge Talente zu entdecken und zu motivieren. „Jugend forscht“ hat es geschafft, die Faszination für Mathematik, für Informatik, für Naturwissenschaft und Technik zu stärken. In über 50 Jahren haben sich insgesamt mehr als 260.000 junge Forscher beteiligt; darunter auch immer mehr Forscherinnen. Ich habe meinen Blick hier schon schweifen lassen; zu viele Forscherinnen sind es hier aber nicht, um das einmal vorsichtig zu sagen. In diesem Jahr ist der Anteil von Mädchen und jungen Frauen, die mitgemacht haben, aber immerhin auf knapp 39 Prozent angewachsen. Wenn man bedenkt, dass der Anteil in den Anfangsjahren von „Jugend forscht“ manchmal noch unter zehn Prozent lag, dann können wir sagen: Es geht durchaus voran; aber bei den Preisen müssen wir vielleicht noch weiter rackern.

Es lohnt sich also, für die sogenannten MINT-Fächer zu werben. Wer bei „Jugend forscht“ mitgemacht hat und erfolgreich war, hat dann auch oft einen Berufsweg in den Bereichen Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften oder Technik eingeschlagen. Für viele hat dieses Mitmachen bei „Jugend forscht“ eben auch den Ausschlag für ihre Berufswahl gegeben.

Hinter „Jugend forscht“ steht ein breites Netzwerk aus Schulen, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien. 5.000 Lehrer betreuen die Projekte. Es gibt 3.000 Juroren. 250 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft unterstützen „Jugend forscht“. Dazu kommen noch die zuständigen Ministerien der Länder und des Bundes. Es gibt also ein Riesennetzwerk. Deshalb möchte ich all denen, die jenseits derer, die forschen, auch mithelfen, dass dieser Wettbewerb überhaupt durchgeführt werden kann, ein herzliches Dankeschön sagen.

Ein besonderer Dank gilt dieses Jahr dem Paten-Unternehmen des Bundeswettbewerbs, der Siemens AG. Aller guten Dinge sind drei, denn sie war nach 1976 und 1997 nun schon zum dritten Mal dabei. Wie Siemens haben natürlich auch viele andere Unternehmen großes Interesse daran, cleveren Nachwuchs zu finden und talentierte Menschen schon frühzeitig kennenzulernen.

Das heißt natürlich für Sie nichts anderes, als dass Sie neben der Freude an der Arbeit bei „Jugend forscht“ auch gute Chancen haben, nach einer guten Ausbildung eines Tages dann etwas Vernünftiges auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Die Bundesregierung unterstützt diesen Trend. Bildung und Forschung haben für uns höchste Priorität. Dies soll auch so bleiben. Die Anstrengung lohnt sich. Das zeigt sich gerade bei „Jugend forscht“.

Sie wissen es vielleicht schon: Ich vergebe nicht die allgemeinen Preise, aber es gibt immer einen Sonderpreis. Diesen zu vergeben, das ist die Aufgabe, die ich habe. Die Preisträger dieses Jahres sind Johannes Greiner und Stephan Wagner – Sie können sich schon einmal bereit machen – vom Simpert-Kraemer-Gymnasium im bayerischen Krumbach. Herzlichen Glückwunsch zum Sonderpreis.

Gott sei Dank habe ich nur Physik studiert und kenne die Liesegangschen Ringe noch gar nicht. Darüber werde ich aber jetzt gleich etwas lernen. Sie haben umfangreiche Messreihen zu diesen Liesegangschen Ringen in Gelatine-Gelen durchgeführt. Das erscheint mir ziemlich kompliziert, Ihnen wahrscheinlich inzwischen ziemlich einfach. Ich freue mich jetzt auf die Präsentation. Und erst danach gibt es den Preis. Man soll ja nicht für umsonst etwas bekommen. Aber erst einmal freue ich mich und höre Ihnen zu.

Mittwoch, 21. Juni 2017