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Rede von Bundeskanzlerin Merkel beim Empfang der Preisträgerinnen und Preisträger des 51. Bundeswettbewerbs "Jugend forscht" am 28. September 2016

Redner:
Angela Merkel
Datum:
Mittwoch, 28. September 2016
Ort:
Berlin

Liebe Frau Bundesministerin Wanka,
lieber Herr Baszio,
meine Damen und Herren
und vor allem: liebe junge Forscher,

das Motto des Wettbewerbs lautete dieses Jahr: „Neues kommt von Neugier.“ Hinter der Neugier steckt ein menschliches Verlangen, etwas Unbekanntes zu entdecken, etwas Kompliziertes zu verstehen oder etwas auszutüfteln, was vorher noch niemand geschafft hat.

Sie sind Preisträgerinnen und Preisträger von Jugend forscht und damit sozusagen die Speerspitze all derer, die sich an dem Wettbewerb beteiligt haben. Sie waren auf Ihre Art und mit Ihren Möglichkeiten und Gaben ziemlich erfolgreich beim Tüfteln, Entdecken und Verstehen. Sie haben sich nicht nur damit begnügt, neue Ideen zu entwickeln, sondern haben auch praktische Lösungen geliefert. Mit Ihrer Kreativität haben Sie die Jury, die Begleiter des Wettbewerbs und auch Frau Wanka und mich begeistert, obwohl ich zugebe, dass ich nicht jedes einzelne Projekt kenne.

Sie alle sind Gewinner. Nicht nur Sie sind Gewinner, sondern das ganze Land gewinnt mit all den neuen Ideen und Erfindungen. Ich sage deshalb erst einmal: Herzlichen Glückwunsch. Dieser Empfang im Kanzleramt soll auch ein kleines Dankeschön für das sein, was Sie an Zeit und Geist investiert haben.

Dieser Wettbewerb hat schon eine lange Tradition. Über ein halbes Jahrhundert gibt es ihn schon. Forschungsziele und Forschungsobjekte haben sich natürlich geändert. Aber die Neugier ist über das halbe Jahrhundert hinweg konstant geblieben. Das spiegelt sich ja im diesjährigen Motto wider.

Bisher gab es 51 Wettbewerbe, an denen sich 250.000 junge Menschen – eine Viertelmillion – beteiligt haben. Man kann davon ausgehen, dass die überwiegende Mehrheit derer, die sich an Jugend forscht beteiligen, später sogenannte MINT-Fächer – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – studieren. Mit solchen Studienabschlüssen verbinden sich im Allgemeinen sehr gute Berufschancen. Wir reden uns fast ein bisschen den Mund fusselig, dass man diese Fachrichtungen studieren soll, weil dann die Chance auf eine spätere Beschäftigung wirklich sehr gut ist. Manchmal gibt es die Sorge, dass das schwierige Studiengänge sind. Aber ein solches Studium zahlt sich aus.

Aber auch insgesamt ist heute die Chance, in Deutschland eine Arbeit zu finden, wenn man eine gute Ausbildung hat, sehr gut. Der Übergang von der Schule über die Ausbildung in das Berufsleben gelingt in Deutschland sehr viel besser als in vielen anderen Ländern. Die OECD – die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – hat vor rund zwei Wochen ihren Bildungsbericht veröffentlicht. Deutschland nimmt darin eine Spitzenposition ein. Ich denke, das ist eine Anerkennung für die vielen, die dabei mitwirken, dass der Übergang von der Schule über die Ausbildung in den Beruf gut funktioniert.

Bildung und Forschung sind auch in unserer Regierungsarbeit Schwerpunkte. Ich will Ihnen nur zwei Beispiele nennen. Das erste ist der Hochschulpakt, mit dem der Bund, gerade wenn jetzt noch die geburtenstarken Jahrgänge an die Universitäten gehen, bei der Finanzierung von 760.000 zusätzlichen Studienplätzen hilft. Das zweite ist, dass wir als Bund die BAföG-Leistungen übernommen und sie jetzt auch erhöht haben. Damit haben wir die Länder entlastet, die ihrerseits hoffentlich – so will ich es einmal sagen – die frei gewordenen Gelder wieder in Bildungsstrukturen stecken und helfen, dass die Ausbildung auch an den Universitäten besser sein kann. Denn wir haben derzeit ein Auseinanderklaffen zwischen der Finanzsituation der nicht universitären Forschungseinrichtungen – Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft usw. –, die jedes Jahr Steigerungen erhalten, und der zum Teil schwierigen Situation an den Universitäten und Hochschulen.

Jetzt habe ich ein bisschen über das gesprochen, was vielleicht Ihre Zukunft ist, aber nicht Ihre Gegenwart. Sie haben also bewiesen, was in Ihnen steckt. Bei Jugend forscht gab es diesmal 12.000 Anmeldungen – also viel Wettbewerb. Diejenigen, die hier sind, haben es bis in die letzte Wettbewerbsrunde geschafft. Wir sind froh, dass viele Mädchen mitgemacht haben: 4.600. Das sind mehr als jemals zuvor. Aber bei gut 38 Prozent können wir noch ein bisschen zulegen. Immerhin kann man schon sagen: Die Richtung stimmt.

Ein solch riesiger Wettbewerb mit 12.000 Anmeldungen muss natürlich erst einmal organisiert werden. Deshalb möchte ich allen ganz herzlich danken, die sich mit Rat und Tat eingebracht haben: dem Jugend-forscht-Team, den vielen Helfern und Unterstützern in den Schulen, in den Unternehmen, in den Forschungsinstituten und Wissenschaftsorganisationen. Das ist ein großartiges Engagement, bei dem junge Menschen Chancen bekommen.

Das Spektrum der Themen des diesjährigen Wettbewerbs zeigt die riesigen Möglichkeiten. Dabei geht es um Klimawandel und Umweltschutz, um beschleunigte Abläufe dank digitaler Technologien, um Medizintechnik, Gesundheitstipps, Rätsel des Weltalls. All das hat Ihre Neugier geweckt. Viele Ideen münden in neue Produkte oder Verfahren. Es sind also Innovationen, die Nutzen hervorbringen, der zu Nachfrage im Markt führt, die dann wiederum zu neuen Arbeitsplätzen führen kann. Das heißt also – auch wenn es sich vielleicht ein bisschen abstrakt anhört –, dass Sie mit dem, was Sie erfunden und entwickelt haben, auch ein bisschen darüber entscheiden, wie wir morgen leben und welche Möglichkeiten wir haben.

Natürlich bleiben Ideen auch immer wieder in den Kinderschuhen stecken. Das gehört beim Forschen und Entwickeln dazu. Mancher Rückschritt kann sich aber auch produktiv auswirken, weil einem dann plötzlich etwas Neues einfällt und man anders an die Sache herangeht.

Nun sind Sie hier. Dieser Empfang ist mit einem Dankeschön und auch mit einem Sonderpreis der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit verbunden. Dieser Preis geht in diesem Jahr an Tassilo Schwarz vom Johannes-Heidenhain-Gymnasium in Traunreut. Vorneweg sage ich: Herzlichen Glückwunsch.

Lieber Tassilo Schwarz, Sie richten ein besonders wachsames Auge auf Flugkörper – genauer gesagt: auf unerwünschte Drohnen. Um diese abwehren zu können, haben Sie ein Überwachungssystem entwickelt. Damit gelingt es Ihnen, die Flugbahn von Drohnen zu berechnen und ihre Position zu ermitteln. Sie haben das auch mit dem Vogelflug verglichen. Ich bin natürlich schon sehr gespannt darauf, dass Sie uns das jetzt erklären. Vielleicht ist es auch für manchen Flughafenbetreiber interessant, was Sie sich haben einfallen lassen.

Jedenfalls gratuliere ich Ihnen und allen anderen ganz herzlich und freue mich auf die Darlegungen von Tassilo Schwarz.

Mittwoch, 28. September 2016