Navigation und Service

Inhalt

Rede von Bundeskanzlerin Merkel beim Empfang der Preisträger/-innen zu „Jugend forscht“

Redner:
Angela Merkel
Datum:
Dienstag, 10. September 2013
Ort:
Berlin

in Berlin

Sehr geehrte Preisträgerinnen und Preisträger von „Jugend forscht“,
sehr geehrter Herr Baszio,
liebe Frau Kollegin Wanka,
meine Damen und Herren,

ich möchte Sie ganz herzlich hier im Bundeskanzleramt willkommen heißen und freue mich, dass Sie meiner Einladung folgen konnten. Der Weg hierher hat für Sie ja schon vor langer Zeit begonnen. Sie sind nämlich einer Idee gefolgt. Diese Idee hat Sie dann nicht mehr losgelassen – entsprechend dem Motto der diesjährigen Wettbewerbsrunde von „Jugend forscht“. Sie haben Fragen gestellt, Sie haben Antworten gesucht und dann auch gefunden. Sie haben getüftelt und experimentiert, Sie sind einfach hartnäckig am Ball geblieben. Und das hat sich dann auch in Form von guten Ideen, Vorschlägen und Anregungen bezahlt gemacht.

Ein junger Forscher hat zum Beispiel ein neues Verfahren entwickelt, um elektrisch leitende Kohlenstoffschichten herzustellen. Ein Vogelkundler hat den Vogelbestand in einer Stadt genau erfasst. Das hilft, urbane Lebensräume für die Tiere besser zu sichern. Ein anderer hat sich mit Wassertropfen, die auf eine Wasseroberfläche fallen, befasst, damit man das, was passiert und für das menschliche Auge gar nicht wahrnehmbar ist, nachvollziehen kann. Außerdem wurde ein tragbarer Holzspalter entwickelt, der das Fällen von Bäumen einfacher und sicherer machen soll. – Sind diejenigen da? Davon müssen Sie mir nachher noch erzählen. Was das Spalten von Holz betrifft, bin ich nämlich immer neidisch auf das Können meines Manns. Insofern würde mich interessieren, ob die Erfindung auch für Frauen geeignet ist.

Das sind nur einige Beispiele für all die Beiträge, die Sie geleistet haben und die Ausdruck einer unglaublichen Kreativität der jungen Menschen sind, die an „Jugend forscht“ teilnehmen. Am Erfolg dieses Wettbewerbs haben nicht nur die Akteure, die etwas erforscht haben, Anteil, sondern natürlich auch Lehrer, Ausbilder, Unternehmer, großzügige Preisstifter und viele ehrenamtliche Helfer. Ihnen möchte ich für ihr großartiges Engagement ganz herzlich danken.

Es gab wieder einen neuen Teilnehmerrekord. Es haben diesmal über 11.400 junge Menschen in ganz Deutschland mitgemacht. Wer angesichts dieser riesigen Konkurrenz den Weg hierher ins Kanzleramt geschafft hat, musste sicherlich manches leisten. Deshalb gratuliere ich Ihnen allen ganz herzlich. Ich wünsche Ihnen aber auch, dass Sie nun nicht etwa die Hände in den Schoß legen, sondern Ihren Erfolg als Einstieg in eine lange kreative Laufbahn nehmen, und dass Sie immer neugierig bleiben. Das zeichnet den Forschergeist aus.

Innovationskraft tut unserer gesamten Gesellschaft gut. Manchmal habe ich den Eindruck, dass das als gegeben vorausgesetzt wird und gar nicht mehr weiter diskutiert wird. Innovationskraft muss aber immer wieder erarbeitet werden. Denn wir leben in einer Welt, in der andere auch nicht schlafen, sondern immer weitermachen. Deshalb müssen wir uns unsere guten Plätze immer wieder erkämpfen.

Vor allem in den sogenannten MINT-Fächern – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – bieten sich sehr spannende Aufgaben. Charles Percy Snow, ein britischer Wissenschaftler und Schriftsteller, hat gesagt: „Naturwissenschaftler haben die Zukunft im Blut.“ Wir hoffen einmal, dass das richtig ist. Mal gucken, ob auch in meinem Blut noch etwas davon übriggeblieben ist – ich hoffe das jedenfalls. Wir können auch noch einen deutschen Ingenieur zurate ziehen, Max von Eyth: „Wir sind nicht in der Welt, um nach rückwärts zu leben.“ Es geht also um die Zukunft. Forschung bedeutet eben, sich niemals mit dem, was man schon verstanden hat, zufriedenzugeben, sondern die Welt immer wieder mit neuen Augen anzuschauen.

Ich darf Ihnen versprechen: Die Forschungsgegenstände werden in den nächsten Jahren nicht ausgehen – zum Beispiel auf dem Gebiet der Medizin, in dem immer wieder neue Ansätze zur Krankheitsbekämpfung erforscht werden. In unserem Land haben wir die Energiewende eingeleitet und steigen auf erneuerbare Energien um. Dazu brauchen wir auch neue Methoden, um insbesondere Energie zu speichern und noch mehr Effizienzgewinn zu schaffen. Auch was die Umsetzung unserer Klimaschutzziele anbelangt, gibt es noch sehr viel zu tun. Ich könnte die Liste an Herausforderungen noch beliebig verlängern.

Wir müssen uns also immer wieder fragen, wovon wir leben wollen, wie wir besser leben können, wie wir die Lebensqualität verbessern und wie wir auch effizienter leben können. Denn die Zahl der Menschen auf der Welt wird in den nächsten Jahren noch wachsen. Heute sind es fast 7,2 Milliarden, im Jahre 2050 werden es über neun Milliarden Menschen sein. Wenn diese mit den gegebenen Ressourcen auskommen sollen, dann müssen wir gut haushalten.

Weil das alles so ist, wie es ist, haben auch die Bundesregierung und die zuständige Ministerin Forschung und Bildung zu einem großen politischen Thema gemacht. In den vergangenen vier Jahren haben wir 13 Milliarden Euro mehr dafür ausgegeben. Wir haben jetzt Etats, die so hoch sind, wie sie es noch nie waren. Das müssen wir auch fortsetzen. Wir haben Spitzenforschung gefördert. Wir haben mit dem Hochschulpakt die Ausstattung mit Hochschulplätzen verbessert. Allein der Bund investiert hierfür bis 2015 mehr als sieben Milliarden Euro.

Wir haben im Augenblick eine Studienanfängerquote von mehr als 50 Prozent eines Jahrgangs. Wir müssen jetzt aber aufpassen, dass uns die berufliche Bildung nicht unter die Räder kommt und wir nicht die gleichen Fehler wie andere machen. Deshalb werden wir auch in Zukunft nicht nur dafür sorgen, dass Menschen, die einen Facharbeiterberuf gelernt haben, später studieren können, sondern auch dafür, dass Studenten, die merken, dass eine berufliche Bildung vielleicht besser wäre, auch die umgekehrte Richtung einschlagen können.

Wir haben auch ein Programm für eine Verbesserung der Lehre an den Hochschulen geschaffen; und die bewährte duale Berufsausbildung, die ich angesprochen habe, muss auch weiter gestärkt werden.

Es gibt im Augenblick gute Chancen für alle jungen Menschen, was sowohl die Berufsausbildung als auch die Studienmöglichkeiten anbelangt. Viele von Ihnen stehen ja jetzt vor solchen Entscheidungen, wenn Sie aus der Schule herausgehen. Ich lade Sie ein: Bringen Sie in unserem Land auch weiterhin Ihre Ideen ein. Wir brauchen Sie hier und das, was bei Ihren Forschertätigkeiten herauskommt.

Nun ist es gute Tradition, dass ich einen Sonderpreis für die originellste Arbeit verleihe. Ich habe mir das nicht selbst ausgedacht, sondern fachkundige Menschen haben mir einen Tipp gegeben, was die originellste Arbeit sein könnte. Der diesjährige Preisträger ist Korbinian Urban aus Lenggries in Bayern. – Ich vermute, das sind Sie, weil Sie schon so schön in der ersten Reihe sitzen. – Sie haben etwas ganz Spannendes gemacht, nämlich Kurzzeitfotografie mithilfe einer Flächenlichtschranke entwickelt. Weil ich mir das noch nicht richtig vorstellen kann, haben Sie sich bereit erklärt, uns allen das jetzt zu zeigen. Darauf sind wir gespannt.

Nochmals danke dafür, dass Sie alle hier sind. Jetzt schauen wir uns erst einmal das Projekt an. Und dann geht es weiter im Ablauf. Alles Gute für Sie alle.

Dienstag, 10. September 2013