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Rede von Bundeskanzlerin Merkel beim Deutsch-Chinesischen Forum für wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit am 13. Juni 2016

Redner:
Angela Merkel
Datum:
Montag, 13. Juni 2016
Ort:
Peking

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Minister,
sehr geehrter Herr Staatssekretär,
meine Damen und Herren,

auch ich freue mich, dass ich heute beim Deutsch-Chinesischen Forum für wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit dabei sein kann, das nun schon zum achten Mal tagt und das in zeitlicher Nähe zu den Regierungskonsultationen und den Konsultationen der Wirtschaft stattfindet. Das ist gut, weil wir damit auch einen Gesamteindruck über die Intensität unserer deutsch-chinesischen Zusammenarbeit gewinnen.

Wir sehen bei solchen Konsultationen natürlich immer nur einen kleinen Ausschnitt eines großen Werks. Der Handel Chinas mit der Europäischen Union ist inzwischen auf ein Volumen von 520 Milliarden Euro angewachsen. Deutschland freut sich, dass es davon fast ein Drittel stellt. Das heißt, fast ein Drittel des Handels zwischen China und der Europäischen Union ist deutsch-chinesischer Handel.

Aber wir wissen, dass wir uns gegenseitig weit mehr sind als nur Absatzmärkte. Es geht auch um gemeinsame Entwicklungen. Es geht um technologischen Fortschritt und um technologische Innovationen. Das Thema Innovationen ist für Sie sehr wichtig, aber auch für uns. Denn wir wissen: Wenn wir nicht Schritt halten würden und nicht innovativ wären, dann würde auch das Interesse der chinesischen Partner an deutschen Unternehmen sinken. Wenn umgekehrt Sie auf deutsche Märkte kommen, was Sie jetzt ja vermehrt tun, dann überlegen Sie natürlich auch, wo Sie einen Beitrag zu Innovationen beisteuern oder wo Sie vielleicht noch etwas lernen können.

Wir leben in einer Transformationsphase, getrieben durch die Digitalisierung. Deshalb hat das Thema „Industrie 4.0“, wie wir es in Deutschland nennen, oder „Made in China 2025“ in unseren Gesprächen heute immer wieder einen großen Raum eingenommen. Hierbei brauchen wir, denke ich, eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit, weil wir neue Sicherheitsfragen zu klären haben. Das Thema Cybersicherheit ist eine wichtige Grundlage, um vertrauensvoll im Bereich Industrie 4.0 und intelligente Fertigung zusammenarbeiten zu können.

Fragen notwendiger Standardsetzungen werden uns ebenfalls begleiten. Dieses Thema ist auch für die deutsche Wirtschaft sehr wichtig. Wenn wir alle unsere eigenen Standards erarbeiten und jeder bei seinem Joint Venture oder bei seiner Tochterfirma in China wieder einen anderen Standard anwenden muss, dann wird das große Komplikationen nach sich ziehen in einer digitalen Welt, die eigentlich darauf ausgerichtet ist, dass so etwas wie das Internet global funktioniert. Deshalb sollten wir bei Innovationen von Anfang an darauf achten, dass die Frage der Standards vernünftig gelöst wird.

Wir haben jetzt eine neue Stufe interessanter Kooperationsprojekte erreicht, die dieses Mal eine große Rolle gespielt haben. Das betrifft gemeinsame Aktivitäten auf Drittmärkten. China hat riesige Fortschritte in bestimmten Bereichen gemacht. Ich denke zum Beispiel an den Bereich des Baus von Zügen. Deutschland hat hierbei eine lange Erfahrung. Manches kann man in China sehr gut und vielleicht noch etwas kostengünstiger produzieren. Anderes kann man vielleicht noch nicht so gut tun. Wenn wir uns aber zusammenschließen und dann auf Drittmärkten in Afrika oder auch auf asiatischen Märkten tätig werden, dann kann das ein Mehrgewinn für uns alle sein und für uns alle eine Stärkung bedeuten.

Ähnliches gilt auch in politischer Hinsicht, indem wir zum Beispiel sagen: Wir werden in Afghanistan den Bergbau entwickeln. Wir werden dort den Katastrophenschutz entwickeln. Wir können auch in Mali gemeinsam auftreten, wo die deutsche Bundeswehr im Einsatz ist, wo aber auch Entwicklungsarbeit zu leisten ist.

Das heißt also, je mehr Vertrauen in unseren Beziehungen wächst, je transparenter die Dinge sind, je mehr auch deutsche Unternehmen gleiche Entwicklungschancen in China haben, desto mehr wird es gelingen, aus der Synergie unserer beiden Stärken qualitativ neue Potenziale zu entwickeln.

Premierminister Li hat heute immer wieder klar gemacht, dass sich China auf einem dynamischen Entwicklungsweg befindet und dass die Grenzen, die es heute gibt, morgen vielleicht gar nicht mehr da sind. Ich kann nur bestätigen – wenn ich mir nur allein die Zusammenarbeit in der Finanzbranche ansehe –, dass sich hier in den vergangenen Jahren viel getan hat. Es reicht uns alles noch nicht, aber wir werden diesen Weg weitergehen.

Ich bedanke mich für die Möglichkeiten, dass wir sehr intensiv und sehr ehrlich und konstruktiv miteinander reden können. Tun Sie das in Ihren Arbeitsgruppen und in Ihren Foren ebenfalls, dann wird dies zum Wohle unserer beiden Länder und darüber hinaus sein. Herzlichen Dank dafür, dass wir heute dabei sein durften.

Montag, 13. Juni 2016