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Rede von Bundeskanzlerin Merkel bei der Jahrestagung der Fraunhofer-Gesellschaft am 8. Mai 2019 in München

Redner:
Angela Merkel
Datum:
Mittwoch, 08. Mai 2019
Ort:
München

Sehr geehrter Herr Professor Neugebauer,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Reiter,
sehr geehrter Herr Präsident des Senats, Professor Fuhrmann,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fraunhofer-Gesellschaft und -Institute,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

Fraunhofer ist der beste Beweis dafür, dass man auch mit 70 Jahren noch sehr erfolgreich Zukunftspläne schmieden kann. Aber allein in die Zukunft zu denken – damit begnügen Sie sich bei Fraunhofer nicht. Sie halten es vielmehr mit dem Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry, der einst anmahnte: „Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“

Die Zukunft möglich machen – es ist schlichtweg faszinierend, wie Sie diesem Anspruch immer wieder gerecht werden. 70 Jahre Fraunhofer-Gesellschaft – das sind sieben Jahrzehnte voller wissenschaftlicher Neugier, Tatendrang und Erfindungen. Sie haben Ihr 70. Jubiläum schon mit einem Festakt gewürdigt. Aber es strahlt auch auf die heutige Jahrestagung aus. Daher ist es sicherlich noch nicht zu spät, Ihnen zu diesem besonderen Geburtstag noch einmal ganz herzlich zu gratulieren.

Als die Fraunhofer-Gesellschaft 1949 gegründet wurde, blickte das Land einer äußerst ungewissen Zukunft entgegen. Die Folgen des selbst verschuldeten Krieges waren überall unübersehbar. Es fehlte an Wohnraum und an Infrastrukturen. Die Wirtschaft lag am Boden. Es galt, die Bevölkerung zu versorgen, Kriegsheimkehrer, Heimatvertriebene und Flüchtlinge zu integrieren. Es galt nach jahrelanger Diktatur ein demokratisches Staatswesen aufzubauen; das war eine besondere Herausforderung.

Genau heute vor 70 Jahren, am 8. Mai 1949, hat der Parlamentarische Rat das Grundgesetz beschlossen. Bekanntlich stand Bayern dem Grundgesetz relativ skeptisch gegenüber. Der Bayerische Landtag stimmte ihm dann auch nicht zu, weil er um die Eigenständigkeit des Freistaates fürchtete. Ich denke, diese Furcht hat sich im Großen und Ganzen gelegt. Aber das Selbstbewusstsein ist geblieben. Das ist nicht nur hier in München zu spüren, sondern manchmal auch in Berlin.

Aber, meine Damen und Herren, wie das so ist: Genau diesem Selbstbewusstsein ist es auch zu verdanken, dass hier in Bayern ein ehrgeiziger Plan in die Tat umgesetzt wurde. Eine neue Gesellschaft für angewandte Forschung sollte zur Triebfeder von Innovation und damit von Wachstum und Wohlstand werden. Mehr noch, sie sollte Deutschland zu internationaler Anerkennung verhelfen.

Ich glaube, heute können wir sagen: Dieser Gedanke ist Realität geworden. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat 26.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Forschungsvolumen beträgt 2,6 Milliarden Euro. Es gibt 72 Institute und Forschungseinrichtungen. Rund 70 Prozent werden mit Aufträgen aus der Industrie und mit öffentlich finanzierten Forschungsprojekten erwirtschaftet. Das heißt, die Idee, gleichermaßen Forschung und Wirtschaft zu beflügeln, ist in der Fraunhofer-Gesellschaft Realität geworden. Genau das wünsche ich Ihnen auch mit gleichem Erfolg für die Zukunft. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat immer wieder revolutionäre Erfindungen gemacht. LED und mp3 stehen dafür.

Unsere Stärke in Wissenschaft und Forschung ist es, die unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit ausmacht. Sie spüren ja, dass die Welt um uns herum nicht schläft, dass das Tempo zunimmt und dass deshalb die Beantwortung der Frage „Haben wir einen wissenschaftlichen, innovativen Vorsprung?“ über die Zukunft der deutschen Wirtschaft und damit natürlich auch über unseren Wohlstand in der Zukunft entscheidet. Deshalb ist es wichtig, dass wir, so wie 2018, auch weiterhin Innovationsweltmeister sein können.

Meistermacher gibt es in Deutschland viele, aber Fraunhofer sticht da immer wieder hervor. Mit Ihren Instituten und Einrichtungen entwickeln und verfolgen Sie unaufhörlich Ideen, um daraus praktischen Mehrwert zu machen und so unser aller Leben ein Stück weit besser, bereicherter, erleichterter zu gestalten. Sie zelebrieren und praktizieren Zukunftsoffenheit. Sie zeigen Zukunftsfreude, wie sie etwa auch der gebürtige Münchner und Schriftsteller Christian Morgenstern zum Ausdruck brachte – ich zitiere ihn –: „Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Machen wir uns von dieser Anschauung los; und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.“ Mögen Sie sich diesen Geist auch in den nächsten Jahrzehnten bewahren.

Das ist ja ein Thema, das unsere Gesellschaft umtreibt: Sehen wir in möglichen Veränderungen zuerst die Risiken und Ungewissheiten oder sehen wir die Chancen und Möglichkeiten? Nun kann man Risiken und Ungewissheiten durchaus sehen; man kann sie auch beherrschen. Aber wenn man die Chancen überhaupt nicht mehr sieht, dann kommt man natürlich nicht voran. Deshalb ist die Tatsache, dass wir zu den wohlhabendsten Wirtschaftsnationen der Welt zählen, immer auch gepaart damit, dass wir innovativ waren, dass wir Lust auf Neues hatten, dass wir fragten: „What’s next?“ – so wie es hier bei Ihnen steht. Wenn uns das in Deutschland gelungen ist, dann sind wir erfolgreich gewesen.

Natürlich haben wir nicht aus allen Erfindungen das herausgeholt, was wir hätten herausholen können. Wenn ich daran denke, dass Konrad Zuse den ersten Computer entwickelt hat, denke ich auch daran, dass dann doch einige der Wertschöpfungsnachfolger abgewandert sind. Aber da, wo wir nicht vorne dran sind, müssen wir eben aufholen und wieder besser werden. Wenn die Autoren des Fraunhofer-Medienprojekts „Homo Digitalis“ Recht behalten, dann treffen wir in Zukunft virtuelle Freunde, steuern Drohnen mit unseren Gedanken und hacken unsere eigene DNA. In jedem Fall werden wir unsere Rolle und Aufgaben im Zusammenwirken mit immer intelligenteren Maschinen neu definieren müssen. In den USA sind Roboter heute Kollegen, in Japan Freunde, in Deutschland oft eher Objekte, denen man mit Zurückhaltung oder Skepsis begegnet.

Hier ist der Optimismus von Fraunhofer einfach wohltuend. Deshalb wünsche ich mir für Deutschland ein Stück weit mehr von der Fraunhoferschen Neugier. Wirken Sie also hinein in die Gesellschaft. Denn solche Neugier kann zu ganz neuen Entwicklungen führen. Denken Sie an Serviceroboter im Pflegebereich. Ob es etwa darum geht, dass Roboter Essen und Wäsche transportieren, Pflegeutensilien aus dem Versorgungslager holen und selbstständig an den Einsatzort bringen – Serviceroboter können Pflegekräfte entlasten, die so mehr Zeit für Patienten gewinnen. Für Berufsbereiche, in denen es ganz besonders an Personal und Zeit mangelt, kann man sich leicht vorstellen, dass Teams aus natürlicher und künstlicher Intelligenz funktionieren und entsprechend gefragt sind.

In welchen Branchen und Lebensbereichen auch immer – Technologiesprünge werden in der Wirtschaft vieles auf den Kopf stellen und unser Leben und Arbeiten weiter verändern. Wir können eigentlich fröhlich sein, dass wir in einer Zeit leben, in der disruptive Veränderungen vorkommen. Es gibt ja auch lange Phasen in der Geschichte der Menschheit, in denen sehr viel evolutionär passiert. Durch die Digitalisierung sind wir mit Sicherheit in einer disruptiven Zeit mit all ihren Problemen, mit all ihren Neuheiten, mit all ihren Lernprozessen.

Deshalb ist es so wichtig, dass Deutschland nicht bei jedem Fehler resigniert, sondern dass Deutschland aus Fehlern lernt und fragt: Das ist der normale Gang der Dinge, aber wie können wir Risiken beherrschen? Natürlich müssen wir verantwortungsvoll mit neuen Technologien umgehen, uns genau überlegen, wo sie eingesetzt werden, natürlich auch ethische Diskussionen führen, Grenzen festlegen. Das war immer so in der Geschichte der Menschheit. Wir müssen Risiken minimieren und Chancen nutzen. Es sind unendlich viele Chancen und Möglichkeiten.

Bei der Fraunhofer-Gesellschaft gehen Sie noch einen Schritt weiter. Sie definieren das Mögliche immer wieder neu. Sie sagen: „Doch. Das geht. Das funktioniert. Das muss möglich sein.“ Das klingt zwar, als ob Sie mit dem Kopf durch die Wand wollen. Aber was sich vielleicht als Vorwurf anhört, versteht sich – so meine ich es – als Kompliment. Denn wo andere nur bis zu einem bestimmten Punkt nachdenken, denken viele in den Instituten, in denen Sie arbeiten, weiter. Und so scheuen Sie sich nicht, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. Mit Gedanken Maschinen steuern – warum nicht? Vielleicht funktioniert das zum Beispiel mithilfe der Quantensensorik.

Heute das Morgen denken – zum Beispiel mit digitalen Zwillingen nicht nur für die Industrieproduktion, sondern auch für Patienten. Solche Zwillinge sollen alle relevanten Gesundheitsdaten des Patienten auf sich vereinen und so sein digitales Abbild sein. So können zum Beispiel individuelle Krankheitsverläufe besser vorhergesagt werden. Therapien können personenzugeschnitten erprobt und auf die konkreten Bedürfnisse des Patienten ausgerichtet werden. Fraunhofer-Institute erstellen sogar Live-3D-Modelle ganzer Krankenhausstationen inklusive Inventar und bringen virtuelle Realität in die OP-Säle. Neue Wege wollen Sie auch in der Mobilität einschlagen. Auf einer Teststrecke im Emsland haben Sie gezeigt, dass sich Batterien von Elektroautos auch ohne Kabel schon beim Fahren aufladen lassen.

Kurzum: Fraunhofer unterstreicht unseren Anspruch, nicht nur ein Land der Ideen zu sein, sondern auch ein Land der Realisierung von Ideen, ein Land neuartiger Produkte. Daran ist uns als Bundesregierung natürlich auch sehr gelegen. Daher fördern wir Gründungen. Daher greifen wir jungen Unternehmen unter die Arme. Daher stärken wir den deutschen Wagniskapitalmarkt. Und so versuchen wir immer wieder, für frischen Wind auf den Märkten zu sorgen – auch deshalb, weil Sie bei Fraunhofer nicht ins Blaue hinein forschen, sondern konsequent anwendungsorientiert arbeiten.

Anwendungsorientierung – gerade das macht auch den Erfolg Deutschlands als Industrieland und als Innovationsstandort aus. Das Stichwort Industrie 4.0 steht exemplarisch dafür, klassische Stärken unserer Industrie mit Innovationen, die sich aus der Digitalisierung ergeben, zu verbinden. Doch Sie wissen das vielleicht besser als ich, aber wir spüren das alle: wir dürfen uns nicht auf Erfolgen ausruhen. Wir dürfen nicht den Erfolgen der Vergangenheit hinterhertrauern, sondern wir müssen neue technologische Entwicklungen mitbestimmen.

Mit Blick auf die Elektromobilität zum Beispiel hätten wir vielleicht schon früher an Tempo zulegen müssen. Dass wir heute schauen müssen, wie wir zum Beispiel eine Batteriezellenproduktion nach Europa bringen, dass wir mühevoll Konsortien bilden und schauen, dass das mit europäischen Sonderunterstützungsmöglichkeiten gelingt, das zeigt, dass unser Tempo da zu langsam war und dass wir gegenüber asiatischen Anbietern an Kompetenz verloren haben.

Aber ich glaube, es bietet sich auch eine europäische Möglichkeit. Wenn wir das als „wichtiges Projekt von gemeinsamem europäischen Interesse“ einstufen, dann haben wir eine Chance. Ich habe gerade auch heute mit den Ministern Karliczek und Altmaier darüber gesprochen, wie wir eine mögliche europäische Förderung für die Großproduktion von Batteriezellen vorbereiten und verbinden können mit einer Forschungsfabrik für Batteriezellen, die gerade ausgeschrieben wird und wofür Fraunhofer sozusagen die Anlaufstelle ist. Wir werden für die Fertigungstechnologien Mittel einsetzen, aber wir werden auch für diese Forschungsfabrik 500 Millionen Euro aufwenden. Ich setze sehr darauf, dass das, was wir an Erfolg verloren haben, dann aufgeholt werden kann und wir wieder vorankommen.

Auch bei der Künstlichen Intelligenz ist der weltweite Wettbewerb hart. Wenn wir uns die chinesischen Vorstellungen anschauen, wenn wir sehen, was in den Vereinigten Staaten von Amerika los ist, dann wissen wir: das maschinelle Lernen wird unsere gesamte Wirtschaft, unser Leben, unser Zusammenleben völlig verändern.

Wir haben als Bundesregierung eine Strategie zur Künstlichen Intelligenz verabschiedet. Wir werden zu deren Umsetzung drei Milliarden Euro aufwenden. Und wir werden vor allen Dingen zusammen mit den Ländern Weiterentwicklungen unterstützen. Es gibt einige Bundesländer, die sehr entschieden dabei sind, unter anderem Bayern, aber auch Baden-Württemberg und andere.

Wir wollen Kompetenzzentren einrichten und zum Beispiel die Kompetenzzentren Maschinelles Lernen zu einem nationalen Netzwerk verbinden. Wir haben über den Aachener Vertrag mit Frankreich verabredet, dass wir solche Netzwerke auch zu europäischen ausbauen, da man allein national nicht gut genug vorankommen wird. Wir setzen auf Kooperation innerhalb der Wissenschaft, aber auch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Innovationen „made in Germany“ sind auch heute schon oft das Ergebnis guter Kooperation und Arbeitsteilung. Es haben sich viele Partnerschaften etabliert. Ich glaube, man sieht das hier auch bei der Versammlung heute Abend. Wir haben tragfähige Netzwerke, leistungsstarke Cluster, in denen Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen zusammenarbeiten. So wird mancher Weg von der Idee zum Produkt auch kürzer.

Das Modell Fraunhofer steht beispielhaft für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft. Daran hat sich auch in der digitalen Welt nichts geändert. Im Gegenteil: Ich glaube, Herr Professor Neugebauer, bei der Durchdringung des gesamten deutschen Mittelstandes mit der Erkenntnis, wie grundlegend sich die Wertschöpfung durch die Digitalisierung verändern wird, kann die Fraunhofer-Gesellschaft eine ganz entscheidende Rolle spielen.

Wir wollen mit Daten umgehen, wir müssen Daten teilen. Das, was ich mir wünsche, ist, dass auch in der Wirtschaft umfassend verstanden wird, dass die Daten, die ich erzeuge – es wird alles digitalisiert werden; und aus allem, was digitalisierbar ist, werden Daten gemacht werden können –, nicht nur für die mir bekannte Anwendung zur Verfügung stehen, sondern dass ich auch bereit bin, diese Daten so zur Verfügung zu stellen, dass völlig neue Anwendungen daraus entstehen können. Ich habe aber manchmal den Eindruck, dass wir hier noch sehr einem Sektordenken verhaftet sind. Deshalb ist auch die Initiative „International Data Spaces“ eine ganz, ganz wichtige. Wir brauchen sichere und offene Datenmarktplätze; das ist ein Riesenthema. Deshalb nehmen wir natürlich auch Ihre Anregung auf, in der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in diesem Bereich aktiv zu sein. Wir werden das miteinander diskutieren.

Digitale Vernetzung und Datenaustausch werden die Entstehung und Verbreitung von Innovationen weiter beschleunigen. Weniger kontinuierliche, mehr disruptive Veränderungen werden das Kennzeichen sein. Deshalb hat die Bundesregierung auch die Gründung von zwei Agenturen zur Förderung von Sprunginnovationen beschlossen. Ich möchte Sie bitten, sich auch hier aktiv einzubringen. Wie man mit Sprunginnovationen Zukunftsmärkte erschließen kann, haben wir in der Vergangenheit am Beispiel der LED-Technologie durchaus schon erlebt.

Wir brauchen eine offene Innovationskultur. Diese steht im Mittelpunkt der Hightech-Strategie 2025 der Bundesregierung. Wir verstehen darunter einen offenen Zugang zu Wissen, Experimentierräumen, die Einbindung neuer Akteure und das Einnehmen neuer Perspektiven. Wir verstehen unter Offenheit auch eine international ausgerichtete Forschungs- und Innovationspolitik mit weltweiten Partnerschaften. Als größte anwendungsorientierte Forschungsorganisation in Europa gestaltet die Fraunhofer-Gesellschaft die internationale Forschungszusammenarbeit entscheidend mit. Man trifft sie an vielen Stellen auf der Welt.

Stärken über Grenzen hinweg zu bündeln – das bietet sich für uns in Europa in besonderem Maß an. Deshalb freut es mich auch, dass die EU-Mitgliedstaaten, das Europäische Parlament und die Kommission mit „Horizont Europa“ ein ehrgeiziges Rahmenprogramm für Forschung und Innovation für die nächsten Jahre verabredet haben. Genau in diesem Geist werden wir auch unsere deutsche Präsidentschaft durchführen.

Aber Europa kann nur so innovationsstark sein, wie es die einzelnen Länder sind. Da kommt Deutschland eine ganz besondere Rolle zu, denn wir sind die größte europäische Volkswirtschaft. Deshalb ist es gut, dass wir weltweit zu den fünf Ländern zählen, die am meisten für Forschung und Entwicklung ausgeben. Wir haben 2017 zum ersten Mal unser Ziel erreicht, drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung zu investieren. Bereits im Jahr 2000 hatten die Staats- und Regierungschefs verabredet, dass dies alle europäischen Länder tun sollten. Davon sind wir leider noch weit entfernt. Aber jetzt visieren wir, also Staat und Wirtschaft, in Deutschland eine Steigerung auf 3,5 Prozent bis 2025 an.

In diesen Zusammenhang gehört auch unser Projekt zur steuerlichen Forschungsförderung. Ich will jetzt hier nicht ins Detail gehen, weil es da noch einigen Gesprächsbedarf gibt. Aber wir haben das jetzt auf den Weg gebracht. Das wird nächste Woche im Kabinett sein. Dann müssen wir weiter diskutieren.

Ich bin sehr erleichtert – das sage ich ganz offen –, dass es Bund und Ländern gelungen ist, die Wissenschaftspakte, die von Ihnen, Herr Neugebauer, schon genannt wurden, fortzuschreiben und damit Planungssicherheit zu geben. Wir haben auch viele Forscher zur Rückkehr nach Deutschland überreden oder motivieren können, weil wir hier in der letzten Zeit eine verlässliche Forschungslandschaft aufgebaut haben. Ich finde es auch sehr gut, dass bezüglich der Pakte Einigkeit herrscht, dass auch die schrittweisen Steigerungsraten bis 2030 für die außeruniversitären Forschungseinrichtungen wieder von Bund und Ländern getragen werden. Wir werden diese Pakte auch immer wieder weiterentwickeln, immer wieder anpassen; auch das gehört natürlich dazu. Aber wir haben jetzt erst einmal für mehr als eine Dekade wirklich eine Berechenbarkeit.

Meine Damen und Herren, Eleanor Roosevelt war der Ansicht – ich möchte sie zitieren –: „Die Zukunft gehört denen, die an die Wahrhaftigkeit ihrer Träume glauben.“ Das ist wohl auch der Grund, warum Sie in der Fraunhofer-Gesellschaft immer wieder voller Neugier der Zukunft entgegenblicken und fragen: Was kommt als Nächstes? „What‘s next?“ – so Ihr Jubiläumsmotto.

Aber das Beste ist natürlich, dass Sie nicht nur fragen, sondern auch Antworten geben. Herr Professor Neugebauer, daher bin ich froh, Sie bei den strategischen Diskussionen über die Zukunft unseres Landes an unserer Seite zu wissen. Als Vorsitzender des Hightech-Forums und im Innovationsdialog geben Sie uns immer wieder wertvolle Impulse. Dafür möchte ich Ihnen auch persönlich an dieser Stelle ganz herzlich danken.

Danken und gratulieren möchte ich auch allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, allen Forschern, allen Technikern, all denen, die dafür sorgen, dass die Institute gut arbeiten.

Dass sich exzellente Forschungsarbeit lohnt, das wird ja heute noch mit einer Preisverleihung unterstrichen. Da ich dann nicht mehr dabei sein werde, möchte ich den Preisträgerinnen und Preisträgern schon jetzt ganz herzlich gratulieren.

Ich kann Ihnen zum Abschluss nur sagen: Bewahren Sie sich Ihre Neugier, Ihre Zukunftsfreude, Ihren Erfindungsgeist. Und sagen Sie so oft wie möglich: „Doch. Das geht. Das funktioniert.“

Herzlichen Dank.

Mittwoch, 08. Mai 2019