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Rede von Bundeskanzlerin Merkel bei der Eröffnung des 11. Deutschen Seniorentags am 2. Juli 2015

Redner:
Angela Merkel
Datum:
Donnerstag, 02. Juli 2015
Ort:
Frankfurt am Main

im Congress Center Messe Frankfurt-Forum

Sehr geehrte Frau Professorin Lehr,
liebe Kollegin Frau Schwesig,
sehr geehrter Herr Minister Grüttner,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Feldmann,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus den Parlamenten im Bund und Land,
vor allem: liebe Seniorinnen und Senioren und
liebe Kinder, die ihr uns hier nicht nur einen „happy day“ vorgesungen,
sondern ihn auch damit zu einem „happy day“ gemacht habt – wahrscheinlich habt ihr das nicht nur gesungen, weil ihr schulfrei habt, sondern auch, weil ihr den anderen eine Freude machen wolltet –,

liebe Frau Professorin Lehr, ich war bereits in Leipzig und Hamburg auf dem Seniorentag. Beide Besuche sind mir noch sehr gut in Erinnerung. Ich bin mir nach dem, was ich hier heute schon von Frankfurt gehört habe, Herr Oberbürgermeister, sicher, dass auch dieser Seniorentag seine Spuren hinterlassen wird.

Städte und Gemeinden in Deutschland wollen sich ja seniorenfreundlich präsentieren. Das zeigt, dass unsere Gemeinden die Zeichen der Zeit erkannt haben und dass ältere und alte Menschen immer mehr Gehör finden und an Bedeutung und Gewicht gewinnen, wenn es um Entscheidungen für unsere Städte und Gemeinden geht.

Ich freue mich natürlich über die rege Resonanz, die dieser nunmehr 11. Deutsche Seniorentag erfährt. Es wird einem um die Zukunft nicht bange, wenn man sieht, wie viele sich für das Gemeinwohl stark machen. Deshalb möchte ich auch ein herzliches Dankeschön an die BAGSO richten. Sie gibt den Seniorinnen und Senioren in unserer Gesellschaft eine Stimme; und das ist unglaublich wichtig für alle Generationen.

Seien wir ehrlich: Seniorinnen und Senioren werden gebraucht – in politischen Fragen, als Ansprechpartner für seniorenspezifische Belange und natürlich auch im Alltagsleben. Viele sind heute fitter und aktiver als frühere Generationen. Ihr Wissen und Erfahrungsschatz sind einfach Gold wert – nicht nur für sie, für ihr eigenes Leben und ihre Generation, sondern auch für unsere gesamte Gesellschaft: für Kirchen, Vereine und Initiativen, in die sie sich ehrenamtlich einbringen; für Unternehmen, die sich erfahrene Fachkräfte sichern; und natürlich auch und vor allem für die eigene Familie.

Viele Eltern von kleinen Kindern sind froh, wenn die Großeltern einspringen können, wenn Not am Mann oder an der Frau ist. Ich denke – ich hoffe, die Kinder nicken –, dass sie gerne auch einmal mit Oma und Opa zusammen sind, weil es dann vielleicht nicht ganz so streng zugeht wie zu Hause; jedenfalls war es bei mir so. Wenn beruflich kurzfristig etwas dazwischenkommt – das ist heute ja oft so – oder wenn, wie Herr Feldmann schon sagte, ein Streik in den Kitas ansteht, ist es natürlich besonders schön, wenn man Großeltern hat. Umgekehrt können in der Familie auch Großeltern Hilfe und Unterstützung von ihren Kindern und Enkeln erfahren; auch das ist ja eine schöne Erfahrung.

Wer nicht das große Glück hat, in einer Familie auf eine Verantwortungsgemeinschaft bauen zu können, hat heute in unserer Gesellschaft viele andere Möglichkeiten, mit anderen Generationen in Kontakt zu treten. Ich glaube, gerade auch das Projekt der Mehrgenerationenhäuser hat sich hierbei sehr bewährt. Sogenannte Leihomas oder Leihopas helfen bei vielen Dingen im täglichen Leben mit – bei der Kinderbetreuung oder bei den Hausaufgaben, viele jetzt auch bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Sie lesen vor oder stärken Jugendlichen den Rücken beim Übergang von der Schule ins Berufsleben. Es geht aber auch immer wieder darum, Anlaufstellen zu finden, um sich in unsere Gesellschaft einbringen zu können. Dabei ist die BAGSO immer eine gute Adresse.

Ich will hier ausdrücklich sagen: Dieser Einsatz kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Was mich immer sehr berührt, ist, dass gerade auch von jungen Menschen mit ausländischen Wurzeln oft zu hören ist, dass ältere Deutsche ihnen die deutsche Sprache nahegebracht und ihnen auf vielfache Weise geholfen haben, ins Leben zu finden. Diejenigen, die früher noch „Gastarbeiter“ genannt wurden und jung in unser Land gekommen sind, sind heute selber Seniorinnen und Senioren. Sie haben unglaublich viel für unser Land geleistet und haben hier eine neue Heimat gefunden. Wir werden uns beim nächsten Integrationsgipfel auf Vorschlag von Staatsministerin Özoğuz der spezifischen Anliegen und Probleme von Seniorinnen und Senioren mit, wie man sagt, Migrationshintergrund annehmen.

Ob mit oder ohne Migrationsgeschichte – auf jeden Fall ist das ehrenamtliche Engagement unglaublich wichtig für unsere Gesellschaft. Es ist so, dass sich nach dem Renteneintritt heute mindestens so gute oder so viele Chancen ergeben, ein Ehrenamt zu übernehmen wie während des Berufslebens. Ein Ehrenamt kommt dann gerade deshalb in Frage, weil man aus Pflichten herausgekommen ist, die das Berufsleben mit sich brachte, und sich frei entscheiden kann. Es ist eine schöne Entwicklung unserer Gesellschaft, dass diese Entscheidungsfreiheit häufig genutzt wird.

Seniorinnen und Senioren nutzen ihre Chancen, weil sie merken, dass es wichtig ist, andere an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen; weil sie finden, dass wir ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft brauchen. Dafür stehen auch die 111 BAGSO-Verbände; jeder einzelne auf seine Art und Weise. Dafür möchte ich einfach danke sagen, weil es alles andere als selbstverständlich ist, und Sie bitten, weiterzusagen, dass wir uns über jeden freuen, der älter ist und sich trotzdem oder gerade deshalb in unsere Gesellschaft einbringt.

Es gibt natürlich auch Veränderungen im Berufsleben. Es ist erfreulich, dass sich zum Beispiel seit dem Jahr 2000 der Eintritt in das Rentenalter um zwei Jahre nach hinten verlagert hat. Ich glaube, davon haben viele etwas. Das sind als erstes die Älteren, die Freude an ihrem Beruf haben und die entweder weniger Abschläge wegen vorgezogener Rente haben oder Zuschläge erhalten, weil sie sich freiwillig für ein längeres Arbeiten entscheiden und über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus erwerbstätig sind. Es profitieren auch die Unternehmen, wenn sie auf erfahrene Fachkräfte bauen können. Die jüngere Generation hat natürlich auch etwas davon, denn unser Rentensystem ist entsprechend stabiler.

Ich will auch jenseits der mathematischen Dinge nochmals sagen: Wir haben in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Zeiten gehabt, in denen in unverantwortlicher Weise das beiseitegelegt wurde, was so wichtig ist, nämlich die Erfahrung der Älteren. Man hat nur in Schnelligkeit gedacht, hat gesagt, dass die Jüngeren schneller sind, hat aber vergessen, dass die Älteren die Abkürzungen kennen und dadurch manchmal schneller sind. Der knappe Schwung der Routine ist durch nichts zu ersetzen. Natürlich sind der demografische Wandel und die Frage nach der Fachkräftesicherung Elemente, die für ein längeres Erwerbsleben sprechen.

Wir haben in den letzten Jahren vieles vorangebracht, damit man Beruf und Familie besser verbinden kann. Ich will einige Dinge nennen, die auf den Weg gebracht wurden: Elterngeld, ElterngeldPlus, der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz und Familienpflegezeit. Wir haben immer versucht, eine Balance zu finden, indem wir Familie als etwas begriffen haben, das aus mehreren Generationen besteht: aus Kindern, Eltern und Großeltern. Deshalb haben wir manches angepackt und umgesetzt, was zum Beispiel Eltern anbelangt, die wegen ihrer Kinder flexible Arbeitsbedingungen brauchen. Das haben wir in ähnlicher Weise in den Bereich der Pflege übertragen.

Wir wollen konkret auf Ältere zugehen, damit sie sich länger in die Arbeitswelt einbringen können. Das erfordert auch ein Umdenken bei den Unternehmen. Man kann sehr viel in Sachen Arbeitsplatzausstattung, Arbeitszeitgestaltung oder auch bei Weiterbildungsangeboten für diejenigen machen, die älter als 50 oder 55 Jahre sind. Lebenslanges Lernen muss sozusagen praktiziert werden und ist wichtig. Wir erleben ja, wie neugierig viele Ältere auf die Zukunft sind.

Viele wünschen sich auch flexible Übergänge in die Rente. Daran arbeiten wir in der Koalition noch; das ist aber nicht ganz einfach. Wir wollten das eigentlich vor der Sommerpause abschließen, aber Sie müssen noch ein bisschen warten, bis wir da zu Potte kommen. Ich hoffe aber, dass es gelingt.

Wir haben zu Beginn der Großen Koalition bereits einige Rentenprojekte angepackt. Es ist unstrittig, dass es dringend erforderlich war, die Erberwerbsminderungsrente zu verbessern. Eher umstritten waren die Mütterrente und die abschlagsfreie Rente ab 63 für langjährig Versicherte; also für diejenigen, die 45 Jahre in die Versicherung eingezahlt haben. Ich glaube aber, dass von den Älteren beide Dinge geschätzt werden. Insofern ist das auch eine gute Entscheidung gewesen.

Ich muss nur einmal zögerlich zu Herrn Müntefering gucken, der, glaube ich, nicht ganz so beeindruckt ist. Herr Müntefering, wir haben für alle, die weniger als 45 Jahre eingezahlt haben, den Weg zur Rente mit 67, der stufenweise angelegt ist, nicht abgeschafft. Auch das ist richtig und wichtig. Franz Müntefering hat damals eine sehr strittige Entscheidung gefällt. Ich glaube aber, dass sie im Sinne der Generationengerechtigkeit absolut richtig, wichtig und notwendig war.

Jeder wünscht sich natürlich mehr Lebensjahre und mehr Lebensqualität. Damit komme ich zu einem zentralen Thema, nämlich zum Thema Gesundheit. Wir haben als Bundesregierung viel auf den Weg gebracht, was Gesundheitsförderung in allen Lebenswelten voranbringt. Wir wollen vor allen Dingen der Prävention ein höheres Augenmerk widmen und haben deshalb ein Präventionsgesetz vorgelegt, das in Kürze in Kraft treten wird.

Denn auch wenn wir über erfreulich höhere Lebenserwartungen, über längeres Arbeiten und über das vielfältige Wirken der sogenannten jungen Alten reden, dürfen und wollen wir auch nicht über die Härten des Alters hinwegsehen. Als ich darüber ganz kurz mit Frau Professorin Lehr gesprochen habe, hat sie gesagt: Das ist richtig. Kein Mensch sollte darüber hinwegsehen; wir sollten darüber sprechen.

Etwas, das ganz, ganz wichtig ist, auch wenn manches vielleicht nicht mehr ganz so leicht geht, wie es einmal ging: Ziehen Sie sich nicht zurück. Diejenigen in unserer Gesellschaft, die noch nicht so alt sind, muss man auffordern: Gehen Sie auf Menschen zu, die vielleicht etwas langsamer sind, vielleicht etwas schlechter hören, vielleicht etwas weniger oder nicht ganz so gut sehen. Es kann bereichernd sein und kann einen selber auf einen Lebensabschnitt vorbereiten, den man noch vor sich hat. Unsere Gesellschaft ist nur menschlich, wenn sie wirklich alle Generationen ernst nimmt.

Zu den Härten des Alters gehört sicherlich, dass Menschen auf Pflege angewiesen sind – ambulante Pflege oder Pflege in den Pflegeeinrichtungen. Wir haben mit dem ersten Pflegestärkungsgesetz unter anderem die Leistungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ausgeweitet. In einem zweiten Schritt geht es darum, vor allen Dingen einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff zu entwickeln. Das ist ein Projekt, an dem wir schon sehr, sehr lange sitzen. Ich war immer eine Bremserin: Wir sollten das sozusagen nicht zu früh in die Praxis einführen, ohne uns alles ganz genau überlegt zu haben. Jetzt sind wir soweit und können diesen Schritt langsam gehen.

Es ist richtig, dass wir angesichts verschiedener Demenzerkrankungen künftig sehr viel bessere Möglichkeiten haben werden, Pflegebedürftigkeit anzuerkennen. Das bisherige System der drei Pflegestufen und der Leistungen für Demenzkranke wird durch fünf Pflegegrade ersetzt. Auch die Qualitätssicherung und Qualitätsbewertung von Pflegeeinrichtungen werden neu geordnet. Ich glaube, dass wir aus Erfahrungen gelernt haben und die Dinge nun besser organisieren werden.

Es geht bei dem neuen Gesetz um Verbesserungen, um notwendige Anpassungen an die Realität. Aber ich sage auch: Wir dürfen nie so tun, als könnte man die gesetzliche Pflegeversicherung so organisieren, dass allen Wünschen umfassend Rechnung getragen werden kann. Wir versuchen es so weit wie möglich; und wir versuchen auch zu lernen. Trotzdem werden aber immer Wünsche offen bleiben.

Wir müssen auch hierbei eine Balance der Generationen finden. Die einen zahlen ein – wir werden die Beiträge erhöhen –, und die anderen haben ein Anrecht auf Pflege, weil sie sich in diese Gesellschaft eingebracht haben. Ähnlich wie im Bereich der Rente ist es die Aufgabe, eine vernünftige Balance zu finden. Deshalb sind wir einen Schritt nach vorne gegangen und haben gesagt: Im Grundsatz wollen wir versuchen, die Kosten der Sozialversicherungssysteme konstant zu halten, aber im Bereich der Pflege kann man nicht besser werden, ohne dass man nicht auch den Preis dafür benennt. Ich glaube, das ist eine von allen Generationen anerkannte Entscheidung.

Meine Damen und Herren, so, wie wir uns über ein Leben und Altern in Würde Gedanken machen, so müssen wir auch an ein Sterben in Würde denken. Das Sterben gehört zum Leben dazu. Heute ist ein besonderer Tag. Parallel zu Ihrem Seniorentag findet im Deutschen Bundestag eine Debatte über die Frage der Sterbehilfe statt. Hierzu gibt es verschiedene Gesetzentwürfe. Es ist immer so, dass es, wenn wir Themen besprechen, die sehr mit ethischen Überzeugungen jedes Abgeordneten verbunden sind, keinen Fraktionszwang gibt, sondern dann sammeln sich Abgeordnete mit unterschiedlichen Meinungen, um jeweils eigene Gesetzentwürfe einzubringen. Heute findet dazu die erste Debatte statt. Es ist wichtig, dass wir diese Debatte in die Öffentlichkeit hineintragen. Jeder hat sie zu Hause und trotzdem läuft unser öffentliches Leben oft so ab, als gäbe es das nicht. Es ist nicht richtig, wenn eine Gesellschaft all die Themen, die man zu Hause bespricht, nicht auf die Tagesordnung setzt. Deshalb halte ich diese Debatte für sehr, sehr wichtig.

Aber diese Debatte allein reicht natürlich nicht. Es ist mir und der ganzen Bundesregierung ein Herzensanliegen, dass wir in der Palliativversorgung und der Hospizarbeit besser werden. Beides geschieht jetzt. Damit kommt das Thema viel stärker in die öffentliche Diskussion. Es ist ja auch wichtig, dass man sich schon dann, wenn man noch nicht zu den Älteren gehört, über das eigene Lebensende immer wieder Gedanken macht.

Dennoch warne ich davor – das ist jetzt meine persönliche Überzeugung –, glauben zu können, dass wir alles durch rechtliche Schritte regeln können. Ich zum Beispiel tue mich sehr, sehr schwer damit, Verfügungen sozusagen schon heute für einen Zeitpunkt auszufüllen, von dem ich mir keine richtigen Vorstellungen machen kann. Ich glaube, im Zusammenhang mit Geburt und Tod müssen wir bei aller Verrechtlichung unseres Lebens akzeptieren, dass es auch Spielräume gibt, die wir offen lassen müssen und nicht total schließen können. Auch das gehört zum Leben dazu.

Dass wir uns in Deutschland über eine im Durchschnitt wachsende Lebenserwartung freuen können, zählt zu den wirklich schönen Seiten des demografischen Wandels. Das sind oft gewonnene Jahre, wenn man sie mit den Lebenszeiten der eigenen Eltern und Großeltern vergleicht. Es sind viele gewonnene Jahre, ein richtiger Lebensabschnitt. Die meisten Seniorinnen und Senioren wissen die geschenkte Zeit auch gut zu nutzen. Es gibt keine Vorgaben. Auf der anderen Seite will ich aber an dieser Stelle nicht verschweigen, dass es auch Menschen gibt, die sich alleine fühlen, die sich einsam fühlen, die nicht nach draußen gehen. Wir sollten alle gemeinsam versuchen, möglichst viele dazu zu ermuntern.

Ich freue mich natürlich auch darüber, dass Sie mit dabei sind, wenn wir unseren Bürgerdialog durchführen, und zwar unter der Fragestellung: Was versteht man unter gutem Leben? Gerade auch Ihre Meinung dazu in Erfahrung zu bringen, wird hierbei sehr wichtig sein. Ich habe gelernt, dass es auf dem Messegelände das „World Café“ gibt, wo Sie an dieser Diskussion teilnehmen können. Es werden auch professionelle Moderatoren mit dabei sein. Ich möchte mich bei der BAGSO ganz herzlich dafür bedanken, dass sie sich an dem von der Bundesregierung durchgeführten Bürgerdialog beteiligt. Da Sie ja im digitalen Bereich fit sind, können Sie das auch online machen. Wenn Sie im digitalen Bereich noch nicht fit sind, können Sie sozusagen als Übungsstunde Ihre Meinung darüber, was gutes Leben in Deutschland ausmacht, per E-Mail mitteilen und so mit uns kommunizieren.

Wer sich beizeiten digitale Fähigkeiten erwirbt, hat es im Alter einfacher. Man kann heute schon so vieles machen, zum Beispiel Einkäufe per Internet erledigen. Man muss nicht immer zur Apotheke gehen oder selber einkaufen gehen. Aber ohne aktive Nutzung der digitalen Medien ist das schwieriger. Die Nutzung digitaler Medien ist nun wirklich nicht alles, kann aber ein gutes Mittel zum einfacheren Leben im Alter sein.

Meine Damen und Herren, der Oberbürgermeister von Frankreich hat – „von Frankreich“ sage ich schon; von Frankfurt natürlich. Sehen Sie, ich habe heute früh schon wieder mit dem französischen Präsidenten telefoniert; das kommt davon. Der Oberbürgermeister von Frankfurt also hat darauf hingewiesen, wie viele zusätzliche Einwohner Frankfurt jährlich hat. Als Freundin der ländlichen Region ist mir gleich bange geworden, ob in Hessen alle vom Lande wegziehen. Ich glaube aber, dass Hessen auch etwas für die ländlichen Regionen tut. Aber gerade für Ältere in ländlichen Regionen sind ganz große Herausforderungen – darum will ich nicht herumreden – die Versorgung mit Fachärzten und die weiten Wege zu spezialisierten Krankenhäusern. Das sind Probleme, über die man nicht hinwegreden kann. Auch schwierige Einkaufsmöglichkeiten und vieles andere sind zu erwähnen. Insofern müssen wir sehr bewusst darauf achten, dass die Lebensqualitäten zwischen Stadt und Land gerade für Ältere nicht zu weit auseinanderfallen. Dabei ist wiederum die Versorgung der ländlichen Regionen mit einem ordentlichen Breitband eine zentrale Aufgabe mit Blick sowohl auf die Jungen, die natürlich nicht nur in Frankfurt ins Internet kommen wollen, als auch auf die Älteren.

Meine Damen und Herren, alles, was es an neuen Trends gibt, ist hier auf der Messe „SenNova“ zu sehen, die heute schon von Frau Schwesig eröffnet wurde. Die Messe ist eine tolle Sache, die immer wieder parallel zum Seniorentag stattfindet. Sie ist auch gut für die Unternehmen – man hat den Sponsoren gedankt; das finde ich auch in Ordnung –, aber die Älteren sind ja auch ein Marktfaktor. Ich habe mich viele Jahre lang gewundert – ich glaube, das ist jetzt ein bisschen anders –, dass man sozusagen das Kernwerbepublikum viel zu eng gefasst hat. Doch gerade Großeltern schenken gerne, gerade Großeltern kaufen gerne. Insofern sollte man Älteren durchaus zutrauen, dass sie selber an bestimmten Produkten interessiert sind, diese auch gerne weiterschenken und insofern eine tolle Truppe sind, die sich gerne auch neue Dinge anschaut.

Meine Damen und Herren, „Gemeinsam in die Zukunft“ – das Motto bringt es auf den Punkt: Sie wollen weder rasten noch rosten, Sie wollen sich nicht abschotten, Sie wollen mittendrin sein und mitmischen – also auch gemeinsam mit den Jüngeren Zukunft gestalten. Das ist eine Botschaft, die an die ganze Gesellschaft gerichtet ist. Sie zeigen, dass sich auch älteren Semestern viel Lebensfreude und große Chancen bieten, die Sie nutzen wollen.

Liebe Frau Professorin Lehr, Sie leben das beispielhaft vor. Die Interessenvertretung älterer Menschen liegt bei Ihnen stellvertretend für viele andere in guten Händen. Deshalb möchte ich einfach einmal danke für Ihr unermüdliches Engagement sagen, das Sie wirklich zu einem Vorbild macht. Ich danke auch Ihnen allen, die Sie sich zum Seniorentag versammelt haben. Lassen Sie sich von der Hitze nicht schlapp machen – sie ist vielleicht ein eher erschwerender Faktor – und trinken Sie viel. Ich glaube, in Frankfurt steht genug Waser zur Verfügung. Alles Gute und herzlichen Dank.

Freitag, 03. Juli 2015