Rede von Bundeskanzlerin Merkel anl. der Veranstaltung zur Initiative „Sprungbrett Zukunft“ der Stiftung Deutsche Sporthilfe am 13. Oktober 2014 in Berlin

Sehr geehrter Herr Klatten,
Herr Ilgner,
Herr Fitschen,
Herr Professor Hubbert,
lieber Thomas de Maizière, sehr geehrter Herr Kollege,
meine Damen und Herren,
vor allem liebe Sportlerinnen und Sportler,

ich möchte Sie alle ganz herzlich hier im Bundeskanzleramt willkommen heißen. Die Deutsche Sporthilfe ist hier ein gern gesehener Gast – natürlich auch deshalb, weil sie ihrem Namen wirklich alle Ehre macht. Sie ist eine echte Hilfe für Sportlerinnen und Sportler.

Athletinnen und Athleten treten bei internationalen Wettkämpfen für unser Land an. Nach außen sind sie großartige Botschafter Deutschlands in der Welt. Und nach innen sind sie für viele und gerade auch für jüngere Menschen Vorbilder, die man nachahmen will, weil hinter ihrer sportlichen Leistung etwas Außergewöhnliches steht. Für Zuschauer sieht es oft leichtfüßig aus, aber es ist das Ergebnis schwerster Arbeit, die Ausdauer, Disziplin und die Fähigkeit erfordert, auch einmal Rückschläge wegzustecken und wieder von vorne anzufangen.

Wer in großen Wettkämpfen mithalten will, muss sich darauf in unzähligen Trainingsstunden vorbereiten und auf vieles, was Gleichaltrige machen, verzichten. Spitzensport ist ein Vollzeitjob, aber eben ein befristeter. Er wird kein ganzes Berufsleben ausfüllen können. Das macht den Unterschied zu anderen Jobs aus. Man muss seine Spitzenleistung erreichen, und zwar weit vor dem Alter, in dem man in anderen Berufen zur Höchstform aufläuft.

Damit steht eine drängende Frage im Raum: Wie kann es gelingen, sich einerseits neben dem Sport zusätzlich beruflich zu qualifizieren oder nach dem Sport zumindest Anschluss zu finden oder andererseits wegen des Berufs nicht auf den Sport zu verzichten? Der Spagat gelingt vielen, aber es ist ein wahnsinniger Spagat, eine harte Belastungsprobe. Eine Studie der Deutschen Sporthilfe hat 2013 dieses Thema dankenswerterweise aufgegriffen. Es kam heraus, dass mehr als 80 Prozent der Athletinnen und Athleten der Ansicht sind, dass es nur schwer möglich sei, sich neben dem Spitzensport auf die berufliche Zukunft vorzubereiten. Wer weiß, wie berufliche Ausbildungen heute ablaufen, der ist auch nicht verwundert, dass man beides eigentlich nur schwer unter einen Hut bringen kann.

Da setzt nun die Initiative „Sprungbrett Zukunft“ an. Damit widmet sich die Deutsche Sporthilfe dieser drängenden Frage, wie sportliche Karriere und berufliche Karriere zusammengebracht werden können. Wir wollen, dass möglichst beides möglich ist. Um das Problem des Entweder-oder weiter zu entschärfen und das Sowohl-als-auch möglich zu machen, wird heute der Startschuss für eine Praktikantenbörse gegeben. „Unternehmen suchen Spitzensportler“ – so lautet der Titel. Das ist ein wundervolles Angebot.

Ich glaube, wenn das richtig gemacht wird – und das sieht mir danach aus –, dann kann eine solche Börse eigentlich nur Gewinner hervorbringen: Athletinnen und Athleten haben die Chance, Türöffner in die künftige Berufswelt zu finden; und Unternehmer haben die Chance, potenzielle Fachkräfte mit besonderen Fähigkeiten kennenzulernen. Denn wer die harte sportliche Laufbahn eingeschlagen hat, muss Ausdauer haben, muss zielstrebig sein. Viele haben ein hohes Maß an Teamgeist und Einsatzbereitschaft. Das alles sind Tugenden, die im Beruf ebenso wie im Sport zählen.

Wir können aus Sicht der Bundesregierung sagen, dass wir schon gute Erfahrungen mit solchen Praktika gesammelt haben. Beispielsweise hat im Bundesministerium des Innern eine ehemalige Olympiasiegerin im Eisschnelllauf ein mehrmonatiges Praktikum absolviert. Ich glaube, ich darf den Namen nennen; man muss kein Rätselspiel daraus machen: Katrin Mattscherodt, die jetzt im DOSB tätig ist.

Ich kann also den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern nur sagen: Haben Sie Mut, lassen Sie sich auf diesen neuen Weg ein; Sie werden auch Gewinner sein. Ich danke allen, die heute schon dabei sind – wir haben schon im Vorgespräch darüber gesprochen –, allen Mentoren, die Sportler durch ihre Karriere begleiten und sich die Zeit dafür nehmen, was aber, wie mir berichtet wurde, auch für sie selbst eine Bereicherung ist. Deshalb kann das Sprungbrett in die Zukunft sehr gut wirken.

Ich ermuntere auch die Athletinnen und Athleten, an dieser Börse teilzunehmen, sich darauf einzulassen und, wenn es vielleicht einmal nicht klappt, sich nicht gleich entmutigen zu lassen. Es sind ja doch unterschiedliche Welten, die da zusammengebracht werden müssen: Unternehmer mit gutem Willen und Athletinnen und Athleten mit unbekanntem Zeitplan – Karriereplanungen und sportliche Ereignisse. Da kann es sein, dass es nicht gleich beim ersten Anlauf klappt. Aber dass überhaupt ein solcher Weg gegangen wird, ist, finde ich, eine wirklich tolle Ergänzung der schon langjährig bewundernswerten Arbeit der Sporthilfe. Herzlichen Dank dafür, dass Sie alle hier sind. Ich bin jetzt gespannt darauf, noch einiges zu erfahren.

Herzlich willkommen.