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Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Übergabe der 2-Euro-Gedenkmünze „Bayern“

Redner:
Angela Merkel
Datum:
Donnerstag, 09. Februar 2012

in Berlin

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lieber Horst Seehofer,
sehr geehrter Herr Schreiber,
sehr geehrter Herr Staatssekretär, lieber Herr Beus,
meine Damen und Herren,

ich darf Sie ganz herzlich zu einem Termin begrüßen, der im wahrsten Sinne des Wortes bares Geld wert ist. Bereits seit 2006 gibt die Bundesregierung 2-Euro-Gedenkmünzen heraus, die jedes Jahr einem anderen Bundesland gewidmet sind; und zwar immer dem Bundesland, das die Präsidentschaft im Bundesrat hat. An der Anwesenheit von Horst Seehofer können Sie sehen, dass Bayern zurzeit den Vorsitz im Bundesrat innehat.

Die Münze des Jahres 2012 glänzt mit einem märchenhaften Motiv des Freistaats – dem idyllisch gelegenen Schloss Neuschwanstein. Gestaltet hat die Bildseite der Münze der Künstler Erich Ott, der heute leider aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein kann. Ich möchte ihm im Namen aller Anwesenden neben einem herzlichen Dankeschön auch einen guten Genesungswunsch nach München übermitteln.

Herr Ott hat bereits die Gedenkmünze des Jahres 2008 mit dem Hamburger Michel gestaltet. Auch andere Sonderprägungen tragen seine Handschrift – unter anderem die Silbermünze zum 300. Geburtstag von Friedrich II., deren Ausgabetermin genau heute ist. So wird gewissermaßen ein künstlerischer Bogen von Berlin nach Bayern geschlagen.

Sicherlich, Friedrich II. und der Bauherr von Schloss Neuschwanstein, Ludwig II., waren höchst unterschiedliche Monarchen. Doch beide teilten die Liebe zur Kunst. Ludwig II. widmete sein mondänes Domizil in Schwangau den Werken Richard Wagners. So künden die Innenräume auch von den Sagen des Mittelalters, die der Komponist Richard Wagner ja immer wieder aufgegriffen hat.

Der Märchenkönig, wie ihn viele nennen, hatte nicht nur ein Herz für die Künste, sondern auch einen Sinn für Fortschritt. Der 1869 begonnene Prachtbau wurde mit den neuesten technischen Errungenschaften seiner Zeit ausgestattet – unter anderem mit elektrischem Licht und Zentralheizung, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Aber die extravaganten Leidenschaften Ludwig II. hatten ihren Preis – einen zu hohen Preis. Die Kosten überstiegen deutlich die finanziellen Möglichkeiten des Königreichs. So sollte die diesjährige Gedenkmünze wohl auch uns heute zur Mahnung dienen, auf solide Staatsfinanzen zu achten. Vielleicht hat das ja auch den Programmbeirat geleitet, der heute durch Ernst Hinsken vertreten ist.

Die neue Münze ist seit Anfang Februar im Umlauf. Sie ist mit einer Auflage von 30 Millionen Stück sicherlich ein wertvoller Werbeträger für das Schloss Neuschwanstein. Es wird auch weiterhin zu den meistbesuchten Schlössern und Burgen Europas zählen.

Ohnehin kann die Gedenkmünzenserie als eine Art Touristenführer Deutschlands angesehen werden. Das eine oder andere Land fehlt ja noch. Deshalb sind die nächsten Termine schon vorprogrammiert. 2013 wird dann Baden-Württemberg an der Reihe sein – heute ist es erst einmal Bayern, das in der Gegenwart ja auch durch seine solide Finanzpolitik besticht. Insofern hat das Land manches aus der Geschichte gelernt und erfreut sich trotzdem an dem wunderschönen Schloss Neuschwanstein.

Sie sind ja für die Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen Bayerns heute hier stellvertretend anwesend. Ich freue mich, dass ich Sie alle begrüßen kann.

Donnerstag, 09. Februar 2012