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Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich des Empfangs zum 70. Geburtstag des Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Herrn Otto Kentzler

Redner:
Angela Merkel
Datum:
Mittwoch, 09. November 2011

in Berlin

Sehr geehrter Herr Kentzler,

liebe Frau Kentzler,

sehr geehrte Kollegen aus dem Kabinett und aus dem Deutschen Bundestag,

sehr geehrte Parteivorsitzende,

vor allen Dingen werte Festversammlung

und, stellvertretend für alle anderen aus dem Präsidium des ZDH, sehr geehrter Herr Traublinger,

 

natürlich möchte auch ich Ihnen, Herr Kentzler, gratulieren, und zwar persönlich, aber auch im Namen der hier nicht anwesenden Mitglieder der Bundesregierung. – Die Kabinettsitzung ist hier noch nicht ganz komplett, aber wir nähern uns. – Ich möchte Ihnen danken und möchte Ihnen alles Gute wünschen: Gesundheit, Glück, Gottes Segen und weiter so viel Freude an Ihren verschiedenen Tätigkeiten, ebenso viel Optimismus und viel Augenmaß bei dem, was schaffbar ist.

 

Dass Sie bodenständig geblieben sind, habe ich eigentlich immer gedacht. Als eben so viele Lobesreden gehalten wurden, sagte Ihre Frau: „Ich muss mal schauen, ob ich ihn nachher vielleicht wieder auf den Boden holen muss.“ Ich habe gesagt: „Ich glaube nicht.“ Sie hat dann eine leichte Handbewegung gemacht, wie es zu Hause ist. Aber das kann man sich ja leicht vorstellen. Ich glaube, das gehört zu einer guten Handwerkerehe.

 

Herr Kentzler, Sie haben etwas geschafft, das ganz selten geschieht: Es gibt lauter ähnliche Meinungsäußerungen zu Ihnen. Insofern muss in Ihrer Person schon etwas Faszinierendes sein, wenn aus den verschiedenen Parteien alle, die sonst im Bundestag sehr unterschiedliche Meinungen haben, sich so gut zu Ihrer Persönlichkeit äußern. Ich schließe mich dem natürlich an.

 

Was ich an Ihnen schätze, ist Folgendes: Bevor Sie zu uns, zur Politik kommen und Wünsche äußern – im Übrigen sind das immer Wünsche mit Maß –, haben Sie bereits vorher etwas für die Gemeinschaft getan. Es ist heute nicht mehr bei allen so, die etwas von der Gemeinschaft wollen, dass sie vorher etwas für die Gemeinschaft geleistet haben. Dafür möchte ich Ihnen ganz besonders danken, denn das ist gelebte Soziale Marktwirtschaft.

 

Es ist heute in einer Zeit, in der manchmal Superlative sehr erwünscht sind, aber auch wieder schnell verfliegen, etwas ganz Wichtiges, mit Augenmaß zu handeln, mit Augenmaß vorzugehen. Ich glaube, dazu ist das Handwerk insgesamt prädestiniert. Sie als Präsident haben das in den letzten Jahren auch immer wieder in Ihrem Verband durchgesetzt.

 

Es ist bereits über die Tradition der Firma Kentzler gesprochen worden; das möchte ich nicht wiederholen. Aber auch ich möchte Ihnen danken für Ihr Engagement für viele junge Leute. Wer Sie einmal bei einer Meisterfeier gesehen hat, der weiß, wie Ihnen eigentlich jeder und jede nahegeht, dass Sie möchten, dass sich die Talente junger Menschen entfalten können. Deshalb ist vielleicht Ihr Motto ein Satz der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach – übrigens eine gelernte Uhrmacherin im 19. Jahrhundert, was damals gar nicht so selbstverständlich war –, die gesagt hat: „Für das Können gibt es nur einen Beweis: das Tun.“ Das ist Ihre Lebensmaxime; so habe ich Sie jedenfalls kennengelernt. Sie packen an, Sie handeln. Daraus erwächst auch ein ganz natürliches Selbstbewusstsein. Werbeagentur hin, Werbeagentur her – so ein Titel wie „Die Wirtschaftsmacht von nebenan“ zeigt schon, dass Sie mit Recht den Stolz der Handwerkerschaft auch nach außen tragen. Das ist auch richtig so.

 

Nun will ich hier über unsere Zusammenarbeit nur sagen, dass sie eng ist. Ich kann nicht ganz so viele Treffen mit Ihnen aufweisen wie der Bundeswirtschaftsminister. Das liegt vielleicht auch in der Natur der Sache. Aber es ist doch so, dass wir immer zu einem Dialog gefunden haben, der auch in schwierigen Zeiten dem Handwerk die Zukunft nicht verwehrt hat. Und das Handwerk hat dafür unserer Gesellschaft immer wieder etwas zurückgegeben.

 

Wenn man sich vorstellt, dass auch das Handwerk mit all seinen kleinen und mittleren Betrieben und Traditionsunternehmen in der Zeit der Wirtschaftseinbrüche in den Jahren 2008 und 2009, die durch viele Unsicherheiten geprägt war, neben allen anderen Wirtschaftsverbänden immer vorneweg mitgezogen hat, um die Krise zu überwinden, dann weiß man, dass das von unschätzbarer Bedeutung war.

 

Wir haben gemeinsam immer versucht, das Vernünftige zu tun. Ich könnte hier jetzt leichte Kontroversen in die Debatte einbringen. Ich hätte nämlich noch ein gutes Geburtstagsgeschenk für Herrn Kentzler in petto. Das wäre nämlich der Fall, wenn wir im Vermittlungsausschuss beim Thema Gebäudesanierung noch etwas schaffen würden. Dann würden wir nicht nur für Herrn Kentzler etwas Gutes tun, sondern auch für unsere Umwelt, für das Handwerk und für viele Menschen. Ich will aber die Harmonie nicht weiter stören. Das war nur eine Anmerkung.

 

Ansonsten möchte ich sagen, dass ich mir ganz sicher bin, dass Sie uns auch weiter ein guter Partner auf dem Weg in eine sich immer rasanter verändernde Wirtschaftslage und globale Vernetzung sein werden. Da ist es gut, bodenständig zu sein, Unternehmen zu haben, die zu Hause auch wirklich zu Hause sind, die den Menschen zeigen, wie erfolgreich gearbeitet werden kann, die jungen Menschen eine Zukunft geben und sich immer wieder um Ausbildung kümmern, die für Präzision, für Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit im besten Sinne des Wortes stehen. Deshalb werden wir auch in Zukunft Ihren Rat schätzen und Ihre Hinweise annehmen. Wir können nicht alles sofort erfüllen. Denn das kennen Sie auch: Wenn eine Sache erfüllt ist, kommt schon wieder der nächste Wunsch hinter der Tür hervor.

 

Herr Özdemir, bei der Sache mit dem Mindestlohn wäre ich mir nicht so sicher. Solange die Tarifparteien das regeln, muss der Staat da nicht eingreifen. Herr Kentzler hat gerade eben noch einmal gesagt: Handwerk kann durch Lohndumping nicht leben, Qualität hat ihren Preis. Das sagt Herr Kentzler auch immer wieder. Ich glaube, darin sind wir uns auch einig.

 

Meine Damen und Herren, wir ehren heute einen Mann, auf den ein Land, in dem die Soziale Marktwirtschaft die gesellschaftliche Ordnung ist, nicht verzichten kann. Danke dafür. Lieber Herr Kentzler, mit 70 Jahren könnten Sie es sich auch etwas einfacher machen. Sie tun es nicht. Sie übernehmen weiterhin Verantwortung. Dass Sie das dürfen, obwohl zu Hause eine klare Ordnung herrscht, deutet darauf hin, dass Ihre Frau in diesen Grundfragen nicht viel anders denkt als Sie. Auch Ihnen, Frau Kentzler, ganz herzlichen Dank. Wenn immer am Sonntag die Meisterfeiern stattfinden, ist man als Ehefrau vielleicht nicht immer begeistert. Aber Sie haben das alles toll mitgetragen. Ihr Mann ist dabei immer besser geworden.

 

Herzlichen Dank Ihnen, herzlichen Dank, Herr Kentzler, und alles Gute, Gesundheit und Wohlergehen.

Mittwoch, 09. November 2011