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Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich des Empfangs der Sternsinger

Redner:
Angela Merkel
Datum:
Donnerstag, 05. Januar 2012

im Bundeskanzleramt

Danke für die schöne Musik. Ich möchte Sie, Herr Prälat Krämer, Herr Pfarrer Rapp, aber vor allen Dingen Euch, die Sternsingerinnen und Sternsinger aus den 27 Diözesen Deutschlands, und natürlich auch die Erwachsenen, die Euch begleiten, ganz herzlich hier begrüßen.

Ihr könnt ja mal ein bisschen Mathematik machen: 27 Jahre mal 27 Diözesen – und aus jeder Diözese kommen jeweils vier Sternsinger ins Bundeskanzleramt. Da Ihr alle gerade keinen Computer dabeihabt, könnt Ihr einmal im Kopf ausrechnen, was dabei herauskommt. Das ist jedenfalls schon eine ganz gewaltige Zahl.

Ich freue mich, heute die 108 Sternsingerinnen und Sternsinger, die stellvertretend für eine halbe Million hier sind, ganz herzlich zu begrüßen. Eine halbe Million Sternsinger, die in diesen Tagen wieder unterwegs sind – das ist schon eine wuchtige Zahl. Letztes Jahr habt Ihr rund 42 Millionen Euro für gute Zwecke gesammelt.

Dieses Jahr gibt es ein kurzes und bündiges Motto, das sich auch mit Eurem schönen Stab ganz gut macht, mit dem man gleich ein bisschen pochen kann: „Klopft an Türen, pocht auf Rechte.“ Die Kinderrechte sind in der Tat etwas, das überall auf der Welt von Bedeutung ist – auch in einem Land wie Deutschland, aber vor allen Dingen in Ländern, in denen Kinder es sehr viel schwieriger als bei uns zu Hause haben.

Da geht es oft erst einmal um das Recht, essen und trinken, sich ernähren zu können, das Recht, eine Wohnung zu haben, ein Zuhause zu haben, und das Recht auf Bildung – das ist ein ganz wichtiges Recht, wenn es darum geht, später seine eigenen Lebensumstände zu verändern. Deshalb geht es um die Frage der Bildung auch bei einem der Millenniumsziele, die die Vereinten Nationen ausgerufen haben. Und wir wollen dieses Ziel bis 2015 auch in den ärmsten Ländern erreichen.

Sehr schön ist, dass Ihr Euch jetzt um ein Land in ganz besonderer Weise kümmert, nämlich um Nicaragua – ein Land, das in der Tat noch sehr arm ist.

Es geht vor allen Dingen auch um die Bekämpfung von Gewalt. Auch Kinder in Deutschland sind immer wieder Gewalt ausgesetzt; das dürfen wir nicht vergessen. Auch darauf könnt Ihr hinweisen, wenn Ihr von Haushalt zu Haushalt zieht. Auch bei uns gibt es Gewaltvorfälle. Deshalb haben wir auch das Kinderschutzgesetz geändert. Manche erinnern sich vielleicht noch an den Fall des kleinen Kevin vor einiger Zeit. Aber es gibt auch Länder, in denen jedes zweite Kind unter massiver Gewalt zu leiden hat. Man kann sich ja vorstellen, wie das die Kindheit prägt und wie schwierig die Bewältigung des Lebens dann ist.

Für solche Kinder, die aus schwierigen Verhältnissen gar nicht herauskommen würden, ist es von allergrößter Bedeutung, dass es Projekte gibt – das hört sich so sachlich an –, also dass es Menschen gibt, die in Nicaragua oder in anderen Ländern dafür arbeiten, dass die Kinder zur Schule gehen können und nachmittags die Möglichkeit haben, ihre Freizeit zu gestalten, dass Erwachsene mit den Eltern sprechen und gemeinsam versuchen, die Lebensumstände zu verbessern, dass Kinder sich bilden können, dass Kinder essen können, dass Kinder nicht mehr Opfer von Gewalt werden und sie eines Tages einen Beruf lernen und eine Familie gründen können. Sie sollen die Erfahrung machen können, dass es auch ohne Gewalt und ohne schwierige Umstände geht. Das ist unser Ziel.

Aber das schafft eine Regierung nicht allein. Es braucht auch viele Freiwillige, die sich entscheiden: Da mache ich mit. Dafür seid Ihr ein leuchtendes Beispiel – Ihr, die 108, die Ihr heute stellvertretend für die rund 500.000 Sternsingerinnen und Sternsinger hierhergekommen seid und an den Türen klopft. Hoffentlich findet Ihr offene Türen und Menschen mit Herz, die ihre Bereitschaft zeigen, etwas zu spenden, etwas für eine gute Sache zu geben.

Ich vermute, dass auch Eure Erfahrung sein wird: Wenn man sich für etwas einsetzt, dann erlebt man viel und hat auch eine Menge Freude miteinander. Man lernt etwas über das Leben, über nette Menschen – vielleicht auch manchmal über Menschen, die selber Probleme haben und gleich wieder die Tür zumachen. Aber das gehört auch dazu. Ich wünsche Euch viel Erfolg beim Anklopfen an den Türen. Macht ein freundliches Gesicht dabei – das macht Ihr ja sowieso –, dann werden die Menschen, die Ihr bittet, etwas für andere Kinder auf der Welt zu geben, sicherlich auch ein offenes Herz zeigen.

Danke dafür, dass Ihr hierhergekommen seid. Ich und alle, die hier im Kanzleramt arbeiten, möchten mit dem Empfang für Euch zeigen, dass wir diese Arbeit unterstützen und sehr schätzen. Wir freuen uns natürlich darüber, dass Ihr Euren Segenswunsch überbringt, der uns durch das ganze Jahr begleiten wird. Denn so, wie Ihr guten Mut braucht, um Eure Arbeit zu tun, so brauchen auch wir ihn jeden Tag. Wir wissen, dass wir gemeinsam noch viel zu tun haben für eine menschliche und eine gute Welt. Aber darauf hinzuarbeiten macht ja auch Spaß. Viel Erfolg bei Euren weiteren Aktionen. 

Donnerstag, 05. Januar 2012