Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich des Empfangs der diesjährigen Preisträger des Bundeswettbewerbs „Jugend forscht“ 

Sehr geehrter Herr Maas,

liebe Frau Bundesministerin, liebe Annette Schavan,

liebe Preisträgerinnen und Preisträger,

meine Damen und Herren,

ich darf Sie zum traditionellen Empfang der Preisträgerinnen und Preisträger des Bundeswettbewerbs „Jugend forscht“ ganz herzlich im Bundeskanzleramt begrüßen.

In diesem Jahr haben mehr hoffnungsvolle Nachwuchsforscher am Wettbewerb teilgenommen als jemals zuvor. Es waren deutlich mehr als 10.000. Das ist eine tolle Bilanz. Sie alle haben sich mit Neugier und Entdeckergeist auf das Abenteuer Forschung eingelassen. Ich kann aufgrund meines beruflichen Werdegangs auch sehr gut verstehen, dass das viel Freude und viel Spaß gemacht hat.

Sie, liebe Preisträgerinnen und Preisträger, sind hier, weil Sie sich nicht nur in ein spannendes Abenteuer gestürzt haben, sondern weil Sie es auch ausgezeichnet bestanden haben, und zwar gegen eine starke und vielzählige Konkurrenz. Deshalb darf ich Ihnen, die Sie heute hier sind, natürlich in ganz besonderer Weise gratulieren.

So groß auch die Freude darüber ist, dass Sie das alles geschafft haben, so sehr hoffe ich aber natürlich auch, dass Sie sich nicht etwa auf Ihren Lorbeeren ausruhen. „Jugend forscht“ ist ja eigentlich als Aufstoßen einer Tür zu verstehen und soll natürlich auch wortwörtlich fortgesetzt werden. So ist auch das Motto des diesjährigen Wettbewerbs „Entdecke neue Welten“ als eine fast lebenslange Aufforderung gemeint, die nicht etwa nach dem Erringen des ersten Preises versiegen darf.

Dafür, dass das Motto ein lebenslanger Ansporn sein sollte, die Entdeckungsreise fortzusetzen, sprechen drei gute Gründe.

Der erste Grund betrifft die eigene, die persönliche Zukunft. Denn mit dem Entdeckergeist, den Sie in sich spüren, können sich viele Möglichkeiten der persönlichen Entfaltung eröffnen. Das kann im privaten Leben sein, das kann aber auch im beruflichen Leben sein. Nach wie vor können wir sagen: Eine gute Ausbildung, eine gute Qualifikation ist allemal die sicherste Bank, um nicht arbeitslos zu werden, um eigenes Einkommen zu verdienen und um ein Stück weit Karriere zu machen.

Dabei haben Berufseinsteiger mit einer Ausbildung oder einem Studium in Technik, Mathematik, Informatik oder Naturwissenschaften ziemlich gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt und auf eine ordentliche, gute Bezahlung. Wir spüren und hören jeden Tag, dass uns gerade in diesen Bereichen qualifizierte Nachwuchskräfte fehlen. Das wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken, weil die demografische Veränderung, also die Veränderung des Altersaufbaus in unserer Gesellschaft, voranschreitet.

Das führt mich zum zweiten Grund, Sie zu ermuntern, auch weiterhin neue Welten zu entdecken. Wissenschaft und Wirtschaft sind auf Talente wie Sie angewiesen. Wenn Deutschland als Hochtechnologieland spitze bleiben will, wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen, sind wir darauf angewiesen, dass wir immer wieder Innovationen hervorbringen, dass wir immer wieder Dinge können, die andere nicht können. So sehr, wie wir besser als andere leben wollen, so sehr müssen wir auch besser als andere im Erfinden und Entwickeln von Dingen sein. Wir wollen ja ein Hochtechnologieland, ein Industrieland bleiben. Forschung und Entwicklung sind dabei das Fundament unseres Wohlstands. Deshalb tut die Bundesregierung auch sehr, sehr viel dafür, dass dies gelebt werden kann.

Drittens lohnt es sich, auch mit Blick über unsere Landesgrenzen hinweg immer wieder auf Entdeckungsreise zu gehen. Es gibt heute so viele globale Herausforderungen, mit denen wir uns befassen müssen – sei es der Klimawandel, die Energieversorgung, die Ernährungssicherheit, die Gesundheit, die Sicherheit insgesamt oder die Mobilität. All das sind bei einer rasant wachsenden Weltbevölkerung Bereiche, in denen Innovationen und neues Denken gebraucht werden.

Deshalb kann man sagen: Ihre Begeisterung für Forschung hat sozusagen eine dreidimensionale Ausprägung, nämlich für das eigene Leben, für das Land und auch für die Bewältigung der großen Menschheitsherausforderungen, die noch viel Forschung, Erforschung und Erkenntnis verlangen.

Sie haben – und das ist das Schöne an „Jugend forscht“ und das freut mich jedes Jahr – nicht nur ein bisschen schwadroniert und über die Dinge im Allgemeinen gesprochen, sondern Sie haben auch ganz präzise neue Projekte in Angriff genommen. Dazu gibt es wunderbare Beispiele, etwa ein Verfahren, wie Biokunststoff umweltverträglicher hergestellt werden kann, oder auch ein Verfahren, wie Flechten als Klimaarchive genutzt werden können, um den Klimawandel nachzuvollziehen, oder wie vielleicht ein Flugzeug der Zukunft aussieht. Ich weiß, dass ich unmöglich alle Projekte nennen kann. Aber die Beispiele zeigen, dass Sie das Zeug dazu haben, die Fragen von morgen sehr zielstrebig zu untersuchen und auch eine Antwort zu finden.

Das heißt also, die ganze Sache ist sehr ermutigend und lässt auf mehr hoffen. Wir als Bundesregierung haben eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, insbesondere die zuständige Ministerin Annette Schavan, um die Bedingungen für Lehre und Forschung und ihre Anbindung an kleine und große Betriebe zu verbessern. Dazu verfolgt die Bundesregierung eine so genannte Hightech-Strategie, mit der wir folgende Fragen analysieren: In welchen Feldern der Forschung sind wir gut? Wo wollen wir hin? Wo müssen wir besser werden? Wo sind unsere besonderen Stärken?

Wir lassen uns als Bundesregierung auch von den nationalen Akademien und Fachleuten beraten, um auch einfach sagen zu können: Nicht wir entscheiden, wie gut wir sind, sondern wir holen uns den Rat von anderen ein. Wir möchten außerdem den Ausbildungspakt verlängern, um den Nachwuchs immer wieder gut auszubilden. Es gab noch keine Bundesregierung wie diese, die so viel für Forschung und Bildung getan hat, auch was die Mittel anbelangt. Wir haben auch in Zeiten der Wirtschaftsrezession und sinkender Steuereinnahmen ganz bewusst einen Schwerpunkt bei Forschung und Entwicklung gesetzt.

Der Wettbewerb „Jugend forscht“ ist sehr hilfreich. Ich möchte allen danken, die dabei mitgemacht haben. 1965 wurde er ins Leben gerufen. Seitdem haben über 180.000 junge Menschen daran teilgenommen. Ohne zahlreiche Unterstützung wäre eine solche Erfolgsgeschichte gar nicht möglich. Deshalb möchte ich hier auch an die vielen Lehrerinnen und Lehrer, an die Ausbilder, die Betreuer und die zahlreichen Unternehmen erinnern, die den Wettbewerb mittragen. Beispielhaft ist ThyssenKrupp beim diesjährigen Finale in Essen zu nennen. Natürlich möchte ich auch die hilfreichen Geister der „Stiftung Jugend forscht“ erwähnen. Man darf sie auf gar keinen Fall vergessen, ebenso wie die Partner und Unterstützer dieser Stiftung. Der Erfolg hat also viele Väter und Mütter. Meinen Dank an sie möchte ich auch gleich mit der Bitte verbinden, in ihrem Engagement nicht nachzulassen, damit „Jugend forscht“ auch in den nächsten Jahren die Erfolgsstory fortschreibt.

Nun bin ich aber gespannt auf die diesjährige Präsentation. Es geht um den Sonderpreis für die originellste Arbeit. Die Namen des erfolgreichen Forschertrios sind: Marc Imbery, Fabian Anhorn und Fabian Rupp. Sie haben etwas sehr Praktisches für den Feuerwehralltag entwickelt. Es gibt eine Vorgabe, wie Rettungsleinen aufgewickelt sein müssen. Sie sollen sich nicht verknoten und im Ernstfall ohne Verzögerung eingesetzt werden können. Das leuchtet einem sofort ein. Das Aufwickeln nach dieser Vorgabe ist aber extrem komplex und war bisher nur per Hand zu schaffen. Die Maschine der drei Preisträger erledigt das Aufwickeln der Rettungsleinen nun automatisch. Das ist einerseits weniger mühsam, spart andererseits Zeit und gibt Sicherheit, dass die Leinen im Notfall sofort einsatzbereit sind. Kein Wunder also, dass Sie mit Ihrer Wickeltechnik auch die Jury um den Finger wickeln konnten und sich mit Ihrer hilfreichen Erfindung den Preis redlich verdient haben. Herzlichen Glückwunsch.

Ich möchte auch noch einmal allen Preisträgern von meiner Seite aus einen herzlichen Glückwunsch sagen. Wir haben jetzt noch die Gelegenheit für einige Gespräche. Genießen Sie Ihre Jugend. Machen Sie was draus und entdecken Sie neue Welten. In diesem Sinne noch einmal im Namen der Bundesforschungsministerin und auch von mir ganz persönlich ein herzliches Willkommen.