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Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich der Inbetriebnahme der Nord Stream-Pipeline

Redner:
Angela Merkel
Datum:
Dienstag, 08. November 2011

in Lubmin

Sehr geehrter Herr Präsident Medwedew,

sehr geehrter Herr Premierminister Fillon,

sehr geehrter Herr Ministerpräsident Rutte,

lieber Herr Kommissar Günther Oettinger,

sehr geehrter Herr Ministerpräsident Sellering,

sehr geehrter Herr Bundeskanzler Schröder,

lieber Michael Glos,

sehr geehrte Vertreter der Gasversorgungsunternehmen,

werte Gäste dieser Veranstaltung,

es ist uns eine große Ehre, heute hier in Lubmin, im Lande Mecklenburg-Vorpommern, in der Bundesrepublik Deutschland und – wenn ich das hinzufügen darf – in meiner politischen Heimat dieses strategische Projekt vollziehen zu können. Dieses Projekt ist beispielhaft für die Kooperation zwischen Russland und der Europäischen Union, und das auf einem Gebiet, das eine wesentliche Voraussetzung für funktionierende Wirtschaftsnationen bedeutet, nämlich auf dem Gebiet der Energieversorgung. Wir zeigen mit diesem Projekt und durch die Anwesenheit so vieler Vertreter europäischer Länder, dass wir auf eine sichere, auf eine belastbare Partnerschaft mit Russland in der Zukunft setzen. Ich glaube, dieses Projekt ist ein herausragendes Beispiel dafür.

Herr Warnig, Nord Stream setzt in der Tat neue Maßstäbe in der europäischen Energiepartnerschaft. Es ist außerdem – das haben wir uns ja in dem Film soeben anschauen können – eines der größten Energieinfrastrukturprojekte unserer Zeit. Ob Projektierung oder Logistik, ob Fertigung der Rohe oder ihre Installation in der Ostsee – höchste technologische Ansprüche wurden gestellt und erfüllt. Auch strenge Umweltkriterien wurden eingehalten. Die Bauarbeiten sind erstaunlich schnell vorangekommen – manch widrigen Bedingungen sowohl beim Wetter als auch bei den Genehmigungsverfahren zum Trotz. Ein 1.224 Kilometer langes Teilstück des Gesamtprojekts kann heute mit dem ersten Leitungsstrang in Betrieb genommen werden. Das ist eine bemerkenswerte Leistung, für die auch ich allen Beteiligten ganz herzlich danken möchte.

Sie haben mit diesem Projekt eine große Verantwortung übernommen – in technischer Hinsicht, aber auch mit Blick auf die vielfältigen und berechtigten Interessen aller Ostsee-Anrainerstaaten. Ich glaube, sagen zu können: Es gab auch eine gute Kooperation zwischen Politik und Wirtschaft. Es ist Nord Stream in Zusammenarbeit mit den Genehmigungsbehörden gelungen, ausgewogene Lösungen zu finden. Es zeigt sich damit, dass die Wirtschaft in der Lage ist, komplexe Großprojekte auch im 21. Jahrhundert verantwortungsbewusst zu realisieren. Denn bei aller politischen Unterstützung muss man sagen, dass Nord Stream ein Wirtschaftsprojekt ist und dass deshalb die unternehmerische Verantwortung bei der Wirtschaft liegt, die in herausragender Weise wahrgenommen wird.

Wir haben als Politiker natürlich Interesse an einer verlässlichen Energieversorgung. Die Nord Stream-Pipeline, deren zweiter Leitungsstrang jetzt ja auch gebaut wird, ist dafür ein Beispiel. 55 Milliarden Kubikmeter Gas – man sieht, welch hohen Anteil das Projekt an der europäischen Gasversorgung hat. Günther Oettinger hat auf die Zahlen hingewiesen.

Wenn wir über Versorgungssicherheit sprechen, dann sprechen wir natürlich auch immer über das Thema Diversifizierung. Trotz aller Diversifizierung ist Russland einer der herausragenden Partner der europäischen Energieversorgung. Die Bezugsquellen müssen sicher sein. Auch die Nachfrage aus Europa ist natürlich eine sichere, denn wir setzen auf eine vernünftige wirtschaftliche Entwicklung unseres Kontinents. Insofern werden wir auf Jahrzehnte hinaus eng miteinander verbunden sein.

So kann man sagen: Die Abnehmerländer und Russland profitieren gleichermaßen von der Pipeline. Sie ist Ausdruck einer Kooperation, die auf Dauer angelegt ist und die große wirtschaftliche Chancen bietet. Deshalb möchte ich noch einmal allen Vätern und Müttern dieses europäischen Projekts danken: Den Investoren, den Genehmigungsbehörden, denen, die das Vorhaben politisch unterstützt haben, und auch den Fachkräften, die Höchsttechnologie zum Einsatz gebracht haben. Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass die Arbeiten gut voranschreiten und auch der zweite Leitungsstrang bald erfolgreich in Betrieb genommen werden kann. – Die Gasmoleküle werden sich schon anständig bewegen, denke ich; dafür wurde Vorsorge getroffen. – Dann wird Nord Stream seinen Teil dazu beitragen, dass Europa auch in Zukunft über eine sichere Gasversorgung verfügt.

Nord Stream wird dem Ziel dienen, die schon angelegte Energiepartnerschaft zwischen Russland und Europa fortzusetzen. Wir werden zwar sicherlich noch manche Diskussion haben – das dritte EU-Energiebinnenmarktpaket ist nicht für jedermann außerhalb Europas sofort verständlich. Ich denke aber, auch das werden wir noch schaffen. Und, lieber Günther Oettinger, das, was wir anderen nicht erklären können, müssen wir dann vielleicht auch bei uns ändern; denn verständlich machen müssen wir uns durchaus.

Meine Damen und Herren, in diesem Sinne: Auf immer konstruktive, freundschaftliche, partnerschaftliche Zusammenarbeit und herzlichen Dank all denen, die dieses Hochtechnologieprojekt realisiert haben.

Dienstag, 08. November 2011