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Mitschrift Pressekonferenz

Pressestatements von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem israelischen Präsidenten Shimon Peres

in Berlin (Hinweis: Die Simultanübersetzung der fremdsprachlichen Ausführungen entfiel aus technischen Gründen.)

BK’IN MERKEL: Meine Damen und Herren, wir haben zunächst einmal ein technisches Problem. Das lösen wir, indem ich Deutsch spreche und dem Präsidenten dies auf Englisch gedolmetscht wird.

Jeder kann nachher auf Englisch fragen. Der Präsident bekommt meine Worte übersetzt, und dann schauen wir einmal, dass wir durchkommen und noch ein paar Journalisten fragen lassen können.

Ich möchte den israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres herzlich bei uns begrüßen. Es ist eine außerordentliche Ehre für uns, dass er zu einem Staatsbesuch in die Bundesrepublik Deutschland gekommen ist. Ich habe auch deutlich gemacht, dass wir uns außerordentlich freuen, dass Präsident Peres morgen im Deutschen Bundestag zu uns sprechen und dort anlässlich des Holocaust-Tages eine Rede halten wird.

Nach den deutsch-israelischen Regierungskonsultationen ist der Staatsbesuch von Präsident Peres ein großartiger Beweis der engen Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten. Ich freue mich auch, dass dies eine Gelegenheit ist, die Zusammenarbeit im Rahmen des deutsch-israelischen Zukunftsforums noch einmal deutlich zu machen, wenn auch ein Dialog mit jungen Menschen stattfinden wird. Denn wir wollen unsere Beziehungen auf der einen Seite auf der Grundlage der Achtung und Anerkennung unserer Geschichte pflegen, aber auf der anderen Seite auch den Blick in die Zukunft richten.

Wir haben heute natürlich einen großen Teil unserer Unterredung mit der Situation im Nahen Osten und mit der Situation im Iran verbracht. Es gab eine große Übereinstimmung darin, dass der Iran aufgerufen ist, die Transparenz seines Atomprogramms im Rahmen der internationalen Regeln deutlich zu machen und ansonsten Sanktionen gewärtigen muss. Die Zeit läuft aus. Die Weltgemeinschaft arbeitet bereits an solchen Sanktionen. Wir haben sehr viel Geduld gezeigt. Wir haben sehr deutlich gemacht, welche Angebote wir dem Iran machen, gerade auch den Menschen im Iran. Aber dies alles hat bisher keine Wirkung gezeigt. Deshalb ist jetzt die Zeit gekommen, in der wir auch international über Sanktionen diskutieren.

Der zweite große Schwerpunkt unserer Arbeit war die Frage einer Zweistaatenlösung im Nahost-Friedensprozess. Hier ist unsere Auffassung, dass wir einen jüdischen Staat Israel genauso brauchen wie einen palästinensischen Staat. Der israelische Staatspräsident hat sich in vielfältigen Initiativen immer wieder für den Friedensprozess eingesetzt. Wir haben darüber gesprochen, wie wir diesen Prozess wieder in Bewegung bringen können.

Ich habe deutlich gemacht, dass Deutschland auf der einen Seite nicht nur das Existenzrecht, sondern auch die Sicherheit Israels im Auge hat, aber auf der anderen Seite auch seinen Beitrag dazu leisten möchte, die Gespräche wieder in Gang zu bringen. Aus diesem Grund ‑ um deutlich zu machen, dass wir mit beiden Seiten sprechen ‑ wird auch Präsident Abbas in Deutschland sein. Aber wir brauchen eben wieder eine Bewegung. Über die Frage, wie man das schaffen kann, haben wir intensiv gesprochen.

Wir waren uns darin einig, dass Menschen vor allen Dingen Entwicklungschancen brauchen. Deshalb waren auch die deutsch-israelischen Regierungskonsultationen so hilfreich. Denn wir haben über trilaterale Projekte ‑ bei der Bewässerung, in der Wissenschaft, technologische Projekte ‑ nachgedacht, in denen Deutschland und Israel auch in Drittländern, zum Beispiel auch in den palästinensischen Autonomiegebieten, gemeinsam deutlich machen können, was wir tun können, um Wohlstand auch dort zu entwickeln. Denn Wohlstand ist die Lebensgrundlage und erzeugt sicherlich auch die Bereitschaft, in einen politischen Prozess einzutreten.

Insgesamt möchte ich mich bei Präsident Peres für seinen Aufenthalt hier bei uns bedanken. Ich möchte ihm noch eine gute Zeit bei uns wünschen und möchte mich bedanken, dass wir heute die Möglichkeit hatten, miteinander zu diskutieren und auch beim Mittagessen zusammen zu sein.

P PERES: Danke sehr. - Well, I carry with me the highest respect for you, Madam Chancellor. We consider you as a great friend of our country. We are convinced by your positions, we appreciate your sincerity and we attach great importance to your standing on all the issues – openly, clearly. Vis-à-vis Iran you took very clear and strong positions. Democracies are governing by words, not by bayonets and we have to be careful that our words will carry trustingly like you demonstrate it, and there is policy A and policy B. We arrive now to situation B. It should be carried out, I mean the economic sanctions. I believe that in addition to economic sanctions there must be a moral call to the neighborhood, the Iranian people, to return to their own culture and to reject dictatorship, violence, terror and killing innocent people.

I think we see eye to eye about the two-state-solution, as you have mentioned. And to the Palestinians and the Israelis who doubt that this is a solution, may I say that reality, history and politics do not offer ‑ neither to the Palestinians nor to us ‑ another alternative but to have two states living side by side in peace and respect. The alternative is so dim and dangerous that none of us can permit itself to adopt it.

We also think that the best way to go is not by using force but by using goodwill. We don’t want do dominate the Palestinian life. We would like them to live on their own land, and I think what we can achieve in goodwill - which today includes the scientific potential - is a great promise, the best promise for all of us.

We are also very glad that the Palestinians themselves are seeking not just the proper negotiations, but are beginning to construct their own land. Peacemakers we support. We support the economic development on the West Bank, the building of their force of defence and taking charge of their own enemies.

I’m so glad that Germany under your leadership is mobilizing the potential of science to enhance peace and goodwill all around the places. Just to say briefly, I believe that in the coming ten or fifteen years we shall see a scientific revolution uncomparable to whatever we have seen in the past. In my judgment this will be the most sensational development of scientific explosion, because for the first time we learn how to handle the brains, because today we have the power of computerisation, which is a million times stronger than it used to be twenty-five years ago, because not only the population of the world has increased, but also the population of the scientific circles was highly enriched. I believe, like you and we believe, that goodwill is the best policy.

I want to thank you very much for inviting me to speak before the Bundestag and the Bundesrat. It is a moving occasion. As difficult it is from the past, so promising is it to be a new future for your young people and our young people. And it is with this double remembrance of the past and hope for the future that I’m so glad to participate in this extraordinary occasion. Thank you very much.

FRAGE: Frau Bundeskanzlerin, deutsche Firmen arbeiten weiter direkt und indirekt mit dem iranischen Regime. Ehrt diese Handlung Deutschland? Wenn nicht: Was könnte Ihre Regierung konkret tun, um diesen Handel zu stoppen?

Mr. President, what are your specific expectations from Germany and its government in increasing the economic isolation of the Iranian regime?

BK’IN MERKEL: Ich glaube, in Deutschland hat sich gezeigt, dass das Engagement vieler Firmen schon zurückgefahren wurde. Wir haben in der Tat eine lange Tradition der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Iran, aber hier hat es schon deutliche Reduktionen gegeben. Wirksam allerdings ‑ das ist unsere Überzeugung ‑ werden Sanktionen nur sein, wenn man auf einer möglichst breiten Basis versucht, sie international durchzusetzen. Dann wird sich Deutschland natürlich auch in allen Bereichen, die von diesen Sanktionen erfasst sind, an sie halten. Wenn das im UN-Sicherheitsrat nicht gelingt, muss man überlegen, dies in einer Gruppe von ähnlich gesonnenen Ländern zu tun. Wir sind jedenfalls willens, daran in der jetzigen Phase mitzuarbeiten und dies auch intensiv zu tun.

P PERES: We appreciate very much the stand of the Chancellor, first on taking a declared, clear position vis-à-vis Iran ‑ the need to introduce economic sanctions, which are the best bet for the time being; the alternatives are very dangerous ‑, and secondly, because the Chancellor is showing that what she preaches to the world, she does at home. We appreciate very much your position on the latest development to stop using German industries to enhance the position of the present government in Iran.

We are not fighting Iran, we are fighting the dictatorship in Iran. The Iranians are not our enemies. But the present government in Iran is dangerous, it’s dictatorial. They kill innocent people, they don’t permit peace in the Middle East, they don’t answer the call of the President of the United States to engage and they left the world without alternative to trying to tell to their people to return to their own history and country.

FRAGE: Madam Chancellor, to what extent do you agree or disagree with the Israeli argument articulated for instance by Prime Minister Netanyahu, according to which we are now in the equivalent of 1938 and Ahmadinedschad is actually Hitler’s predecessor?

BK'IN MERKEL: Ich glaube, dass wir uns einig sind, dass der Iran völlig inakzeptable Positionen vertritt. Die Tatsache, dass immer wieder vom iranischen Präsidenten geleugnet wird, dass Israel ein Existenzrecht hat, ist ‑ ich möchte es so herum beantworten ‑ für eine deutsche Bundeskanzlerin vollkommen inakzeptabel, und ich habe das auch immer wieder deutlich gemacht. Es ist für uns Teil unserer Staatsräson, für die Sicherheit und die Zukunft Israels einzutreten.

FRAGE: Frau Bundeskanzlerin, in welchem Zeitrahmen sind Sanktionen nötig, sei es von der UN-Seite oder, wie Sie sagten, vonseiten einer Reihe gleichgesinnter Staaten?

Mr. President, what would be your suggestions to improve the peace process between Israel and the Palestinians, specifically concerning the settlements?

BK'IN MERKEL: Wir haben schon seit einer geraumen Zeit in der E3+3-Gruppe darüber gesprochen, dass die Phase des Erarbeitens von Sanktionen gekommen ist. Ich gehe davon aus, dass dieses Thema jetzt unter der französischen Präsidentschaft im UN-Sicherheitsrat im Monat Februar auf die Tagesordnung kommen wird. Wir unterstützen Frankreich jedenfalls mit seinem Vorsitz im UN-Sicherheitsrat, und deshalb, glaube ich, wird der Februar ein spannender Monat auf diesem Wege sein.

P PERES: What is necessary for peace is really to stop the Iranian interferences in the Arabian world, not only vis-à-vis Israel. There is today a new closeness between Arab countries and Israel because of Iran. Many Arab countries are feeling that Iran tries to dominate their destinies and future. They don’t like it. President Mubarak stood up very openly and explained it.

Secondly, I hope that President Abu Masen (Abbas) will agree to renew peace talks. I understand he will be in Germany as well very soon. I know that he has some objections, disappointments. But as I told him, he owes to his own people continuous work, because there is a fair chance that we will see a Palestinian state in a not so far away future. I want to say it’s not just a matter of the position of leaders, it is the call of reality. In little towns neither the Palestinians nor us have an alternative but to have a two-state solution, so they can enjoy freedom and independence and we can enjoy independence and security and we can live side by side.

I want to add a third point to it, and that is that I’m very glad that the Palestinians decided that in addition to negotiations they will start to build their own frame. The Prime Minister of the Palestinians, Fayad, says he wants not just to negotiate but to construct the infrastructure for the Palestinian’s existence. We shall support it as we did until now. We shall support the Palestinian economy to gain strength. Today the economic situation in the West Bank has greatly improved with a growth of 10 percent. It has a positive impact upon the Palestinians. We support their building of a force, so they can defend themselves, and wherever it is possible and they are able to take over, we shall hand over the places to them.

So there are negotiations in a political sense and there is development in a constructive sense. If Iran will stop to intervene, to finance, to support, to train and to send arms to the Hizbollah in the north and to the Hamas in the south, this is the best key for continuing to build this solution and negotiate this solution for a two-state promise to the two peoples.

FRAGE: Madam Chancellor, do you rule out any military action against the Iranian military program, if there is one?

 

BK'IN MERKEL: Deutschland möchte eine diplomatische Lösung dieses Konfliktes, und deshalb setzten wir als nächsten Schritt auf Sanktionen. Ich hoffe, dass wir vor allen Dingen dabei erfolgreich sein werden, auch mit anderen Ländern der Welt, also international, Gemeinsamkeit zu erzeugen. Das wird innerhalb der Europäischen Union geschehen, aber das sollte auch, wo immer möglich, unter Einbeziehung von Russland und China versucht werden. Ich habe allerdings gesagt: Wenn sich China, Russland oder andere Länder im Weltsicherheitsrat nicht daran beteiligen, dann muss es auch gelingen, innerhalb einer Gruppe von gleichgesinnten Ländern ein solches Ergebnis zu erzielen. Aber ich sage noch einmal: Wir setzen auf eine diplomatische Lösung. – Danke schön!

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Dienstag, 26. Januar 2010