Pressestatement von Bundeskanzlerin Merkel zum Girls’ Day am 27. April 2016

Sehr geehrter Herr Schwaderer, sehr geehrte Damen und Herren und vor allem liebe Schülerinnen. Hier im Hause sind wir anderen gern einen Schritt voraus, wenn es darum geht, den Girls’ Day dazu zu nutzen, vielen Mädchen zu zeigen, was man alles machen kann. Vor allen Dingen aber sind wir immer schon einen Tag vor dem Girls’ Day dabei ‑ dieser ist nämlich erst morgen ‑, um schon ein bisschen darauf aufmerksam zu machen, was alles morgen stattfindet.

Morgen werden zahlreiche Unternehmen, Forschungsinstitute, die Verwaltung, Verbände und andere Einrichtungen so wie wir heute ihre Türen für Schülerinnen öffnen. Im Übrigen gibt es jetzt auch bereits einen Boys’ Day, ebenfalls für Schüler. Wir werden einen Einblick in die Arbeit geben und einen Überblick darüber, was diese Institutionen Berufseinsteigern ermöglichen. Wir tun dies heute schon.

Ich denke, das ist die beste Werbung für eure und Ihre Bewerbung, die Sie einmal abgeben. Denn Mädchen sind in vielen aussichtsreichen Ausbildungszweigen und Studiengängen leider immer noch weniger vertreten als Jungen. Das gilt besonders für die MINT-Fächer: Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Technik. Das zeigt auch regelmäßig die Preisfrage, die wir jedes Jahr zum Girls’ Day stellen. Vergangenes Jahr wurde zum Beispiel nach dem Frauenanteil bei den Studienanfängern der Informatik gefragt. Die richtige Antwort lautete damals 22,4 Prozent, also noch nicht einmal ein Viertel. Es ist schwer zu verstehen, warum das so ist. Ich weiß nicht, ob ihr das versteht. Wir jedenfalls wundern uns immer wieder. Denn die Talente sind, so meine ich, ähnlich verteilt. Wir haben zwar langsam ansteigende Tendenzen, dass sich Mädchen auch diese Fächer zutrauen, aber der Trend ist immer noch zu langsam. Deshalb ist die Frage: Wie können wir Menschen und gerade auch Mädchen für Technik und Ingenieurwissenschaften begeistern?

Wir haben heute im Kabinett den Berufsbildungsbericht beraten. Bei der beruflichen Bildung zeigt sich zum Beispiel, dass sich drei Viertel aller weiblichen Ausbildungsanfänger in gerade einmal 25 Berufen wiederfinden, obwohl es eine riesige Bandbreite von Berufen gibt. Das heißt, meine Empfehlung ist ganz dringend: Informieren Sie sich frühzeitig über die ganze Bandbreite der Berufe. Davon gibt es viel mehr, als man selber vielleicht aus dem, was man hört, kennt.

Vorgestern war ich mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama auf der Hannover Messe. Eines der großen Themen dort war natürlich die Digitalisierung. Das Smartphone ist ja heute wahrscheinlich auch der Begleiter von Schülerinnen und Schülern. Hier gibt es so viele Möglichkeiten, neue Dienstleistungen, neue Produkte anzubieten. Das macht auch Spaß. Deshalb ist es, glaube ich, wichtig, dass ihr und Sie das auch wirklich nutzt. Man braucht dazu natürlich schon gute Vorkenntnisse aus der Schule. Ich weiß nicht, wie die Lieblingsfächer aussehen, ob das Mathematik, Physik oder Chemie ist oder eher nicht. Aber wenn man Freude daran hat, sollte man das unbedingt ausbauen.

Der heutige Tag soll auch ein bisschen dazu dienen und die Angebote zeigen. Was gibt es alles? Womit kann man sich beschäftigen? Ist es nicht vielleicht auch einfacher als man aus der Ferne denkt? Deshalb nutzt die Gelegenheit, die gerade der Girls’ Day bietet, um diese Bandbreite noch einmal kennenzulernen. Es wird morgen 9000 Veranstaltungen mit 100 000 Schülerinnen geben. Das heißt also, dass das eine riesige Möglichkeit ist.

Jetzt kommen wir zu denen, die das ermöglichen. Das ist die Initiative D21 mit Herrn Schwaderer an der Spitze, aber dahinter natürlich viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mitwirken und sich einsetzen. Aber der Einsatz hilft nur, wenn diejenigen, für die es gemacht wird, auch ein bisschen überlegen, das Herz vielleicht in die Hand nehmen und sich auf unbekanntes Terrain vorwagen. Der erste Schritt ist schon einmal gemacht, denn wir haben heute Besuch von euch und Ihnen. Das zeigt, dass Sie sich dem Ganzen auch stellen, offen sind und vielleicht, wenn Sie von hier wieder nach Hause gehen, anderen davon erzählen.

Wir werden gleich sehen, was beim Rundgang alles angeboten wird. Ich möchte aber vorher noch das Geheimnis der diesjährigen Preisfrage lüften, die nämlich so lautete: Wie viel Prozent der Studierenden, die im Wintersemester 2015/16 ein Studium der Ingenieurwissenschaften aufgenommen haben, waren Frauen? Jeder hat dazu, glaube ich, einen Tipp abgegeben. Die richtige Antwort heißt: 24,3 Prozent. Das heißt, wir sind nicht viel besser als im letzten Jahr und bis 50 Prozent ist noch eine ganze Menge Luft nach oben. Es gibt als Preis einen Ausflug in das Game Science Center Berlin. Die Gewinnerin, die ich gleich bekanntgebe, kann ihre Klasse mitnehmen. Ich weiß nicht, ob jemand schon eine Ahnung hat, wer gewonnen hat. Es ist jedenfalls Nina Holbe vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium. Sie und ihre Klasse können dann also einen Ausflug in das Game Science Center in Berlin machen und sozusagen noch einmal einen erweiterten Einblick in das bekommen, was sie heute auf dem Girls’ Day schon gesehen haben. Herzlichen Glückwunsch!