Pressestatement von Bundeskanzlerin Merkel und dem französischen Präsidenten Macron nach der Verleihung des Karlspreises

(Die Protokollierung des fremdsprachlichen Teils erfolgte anhand der Simultandolmetschung)

P MACRON: Zunächst einmal herzlichen Dank an Sie alle. Herzlichen Dank, Frau Bundeskanzlerin, herzlichen Dank, Herr Bürgermeister, Herr Präsident. Ich freue mich sehr, heute unter Ihnen allen zu sein, und bedanke mich bei Ihnen allen.

Was ich zunächst sagen möchte: Im Grunde genommen hat die ganze Stadt Aachen diese Wahl getroffen. Das ist für mich persönlich, für die Französische Republik eine äußerst große Ehre.

Heute feiern wir den Tag des Karlspreises. Gestern war ich hier auf derselben Bühne anlässlich des Europatags.

Es ist für Sie alle eine Pflicht, einen Anteil an diesem Preis zu haben. Das ist im Grunde genommen die Falle, die ich jetzt für Sie aufgebaut habe. Sie müssen dafür sorgen, dass man sich in der kommenden Zeit nicht damit begnügt, Europa zu feiern. Europa braucht nicht nur Feierlichkeiten, Europa braucht konkrete Projekte. Wem sage ich das in einer solchen Stadt wie der hiesigen, in Aachen? Europa braucht Projekte, braucht eine Zukunft. Europa zählt auf seine Jugend. Was ich im Grunde genommen von Ihnen allen erwarte, ist, dass Sie meine Botschafter für die Weiterentwicklung des europäischen Projekts werden.

(auf Deutsch:) Vielen Dank für Ihren Anfang!

BK'IN DR. MERKEL: Als Erstes möchte ich Emmanuel Macron, dem Präsidenten der Französischen Republik, ganz herzlich gratulieren. Félicitations! Das ist fast das einzige französische Wort, das ich kenne. Aber Sie hier in Aachen können alle Französisch, hat mir Armin Laschet gerade gesagt. - (Zuruf aus dem Publikum, akustisch unverständlich) - Leider wohl auch nicht so richtig.

Unsere Sprachen sollten wir wieder kultivieren oder lernen. Emmanuel Macron hat in seiner Sorbonner Rede sehr schön darüber gesprochen, dass die verschiedenen Sprachen in Europa für uns keine Last sind. Sie sind vielmehr eine Chance und eine Bereicherung, weil wir uns über die Sprachen besser verstehen können.

Er hat das am Beispiel eines Wortes deutlich gemacht, das bei uns Deutschen immer sehr viel Sorgen im Hinblick auf Europa auslöst, nämlich am Beispiel des Wortes „Schulden“. Schulden der Oberbürgermeister von Aachen hat natürlich keine; nein! haben bei uns immer etwas mit Schuld zu tun. Damit sind sie etwas Schlechtes. In Frankreich ist es ein Wort, das ich nicht kenne. Es heißt, glaube ich, „dette“, ähnlich wie im Englischen, und das ist ganz neutral. Da fühlt man sich nicht schuldig.

Daraus entstehen schon ganz grundsätzlich unterschiedliche Herangehensweisen. Aber wenn wir das verstehen, dann können wir auch besser Wege finden, die nachhaltig sind, die für die Zukunft sind. Dieses Verstehen sollte gerade hier, in einer Grenzregion, gut ausgeprägt sein. Wir brauchen es überall.

Nochmals herzlichen Glückwunsch, lieber Emmanuel, und herzlichen Dank Ihnen, den Aachenerinnen und Aachenern, die Sie eine so tolle Kulisse vor einem Bauwerk sind, das seinesgleichen nicht nur in Deutschland sucht, sondern das für ganz Europa wunderschön ist. Als dieses Bauwerk entstand, wusste man von Frankreich und Deutschland und all den Kriegen und Feindschaften noch gar nichts. Dahin müssen wir wieder kommen: dass wir eins sind in Europa.