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Mitschrift Pressekonferenz

Pressestatement von Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Besuch des Tsunami-Frühwarnzentrums

in Jakarta

BK’in Merkel: Ich bin sehr beeindruckt vom Tsunami-Warnzentrum, das wir hier heute besuchen konnte. Ich glaube, das ist ein sehr gutes Beispiel für eine deutsch-indonesische Kooperation, die auch wirklich zum Wohle der Menschen arbeitet. Man kann hier einerseits höchste wissenschaftliche Qualität sehen ‑ alles, was man über Erdbeben weiß, wird hier also sozusagen verarbeitet ‑, auf der anderen Seite kann man aber auch erleben, wie indonesische Fachkräfte, vorrangig Physiker, hier weitergebildet werden, ausgebildet werden und auch an der wissenschaftlichen Entwicklung sowie an den wissenschaftlichen Möglichkeiten teilhaben, die Deutschland bietet. Insofern ist dies doch ein Paradebeispiel für die Kooperation, die natürlich auch Mittel der Entwicklungshilfe und der technischen Zusammenarbeit enthält. Ich glaube, das Geld ist hier wirklich gut eingesetzt.

Frage: Frau Bundeskanzlerin, die Reise geht heute zu Ende. Sie haben gestern den Gesprächspartnern gegenüber Zuversicht geäußert, was die Entwicklung der Eurokrise angeht. Was glauben Sie, wie lange die Geduld der internationalen Partner noch währen wird?

BK’in Merkel: Die Reise geht in der Tat heute zu Ende, und ich glaube, sie ist ein wichtiger Beitrag für die Entwicklung der deutsch-indonesischen Beziehungen. Wir sollten unsere Kooperation mit dem viertgrößten Land der Welt in allen Bereichen fortentwickeln. Natürlich ist Indonesien als G20-Mitgliedsland auch daran interessiert, wie sich die europäische Wirtschaft entwickelt, wenngleich ich hinzufügen möchte: Die Weltwirtschaft besteht nicht nur aus Europa, sondern auch aus anderen Teilen. Man verfolgt hier die Entwicklung in Europa sehr intensiv, einerseits aus eigener Betroffenheit, aber andererseits natürlich auch aus dem Aspekt heraus, dass Indonesien selbst durch sehr krisenhafte Jahre gegangen ist und deshalb auch weiß, dass eine solche Krise nicht mit einem Maßnahmenpaket zu bewältigen ist, sondern dass das ein längerer Prozess ist. Man hat hier ein sehr gutes Verständnis dafür, dass nicht nur die Schuldensituation verändert werden muss ‑ Indonesien selbst hat ja auch Schulden abgebaut ‑, sondern dass auch die Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden muss.

Man setzt auf Europa, und deshalb fühle ich mich für meine Arbeit ermutigt, weiter für dieses vereinte Europa zu kämpfen. Denn wir sehen: Es gibt 240 Millionen Menschen in Indonesien und jeweils mehr als 1 Milliarde Menschen in China und Indien, und wenn wir Europäer uns nicht zusammenschließen, dann werden wir nicht wirklich Einfluss auf die Entwicklung der Welt nehmen können. Deshalb ist die Europäische Union auch eine so wichtige Sache im Hinblick auf unseren Einfluss und unsere Vorstellungen dazu, wie wir global arbeiten wollen.

Frage: Frau Bundeskanzlerin, Sie wurden von einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation begleitet. War die Reise auch unter diesem Aspekt ein Erfolg? Gibt es möglicherweise konkrete Geschäfte, die sich anbahnen?

BK’in Merkel: Es gibt eine langjährige Zusammenarbeit, nicht nur im wissenschaftlichen Bereich, sondern auch auf etlichen Feldern des wirtschaftlichen Bereichs. Dennoch werden wir gerade durch die Kontakte der Wirtschaftsdelegation zu den indonesischen Partnern sicherlich das Wirtschaftsvolumen noch erweitern können. Es gab im letzten Jahr Steigerungsraten im Handeln von mehr als 10 Prozent. Die deutschen Unternehmen wünschen sich zum Teil noch etwas schnellere Genehmigungsverfahren, und genau darüber habe ich auch mit den politischen Partnern gesprochen.

Es gibt hier einen starken Wettbewerb aus dem asiatischen Raum, aus Südkorea und aus China. ASEAN hat ein Freihandelsabkommen mit China abgeschlossen. Ich fahre jetzt nach Hause und bin zutiefst davon überzeugt: Auch die Europäische Union muss sich mit dem Abschluss eines Freihandelsabkommen mit dieser Region sputen. Ansonsten werden wir bei den Wirtschaftskontakten benachteiligt sein. Das heißt also, ich werde in Europa auch etwas dafür werben, dass wir schneller werden; denn sonst werden unsere asiatischen Wettbewerber hier auch an Einfluss gewinnen.

Mittwoch, 11. Juli 2012