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Mitschrift Pressekonferenz

Im Wortlaut

Pressestatement / Erklärung von Bundeskanzlerin Merkel zu den Morden von Hanau

in Berlin

BK'in Merkel: Meine Damen und Herren, heute ist ein überaus trauriger Tag für unser Land. Der tiefe Schmerz über den gewaltsamen Tod so vieler Mitbürger, den die Menschen in Hanau heute empfinden, den empfinde ich und den empfinden Menschen in ganz Deutschland.

Ich denke jetzt vor allem an die Familien und Freunde der Ermordeten. Niemand von uns kann ermessen, welches Leid der Täter über sie gebracht hat. Ich trauere mit ihnen und spreche ihnen meine tiefe Anteilnahme aus. Ich hoffe, dass die Anteilnahme unzähliger Menschen in Deutschland und auch darüber hinaus ihnen ein wenig Kraft geben möge.

Ich denke auch an die Verletzten und wünsche ihnen, dass sie nicht nur die körperlichen Folgen überwinden können, sondern auch die seelischen - das schreckliche Erlebnis, das hinter ihnen liegt.

Ich habe mich seit dem frühen Morgen über den Stand der Ermittlungen in Hanau unterrichten lassen. Dafür habe ich Gespräche mit dem Bundesinnenminister Horst Seehofer, mit der Bundesjustizministerin Lambrecht, dem hessischen Ministerpräsidenten Bouffier und Hanaus Oberbürgermeister Kaminsky geführt. Auch während des Europäischen Rates in Brüssel werde ich fortlaufend über den weiteren Gang der Ermittlungen und über den Zustand der Verletzten informiert werden. Ich hatte auch Gelegenheit, mit dem Herrn Bundespräsidenten über diese entsetzliche Tat zu sprechen.

Für eine abschließende Bewertung ist es noch zu früh. Es wird alles unternommen, um die Hintergründe dieser entsetzlichen Morde bis ins Letzte aufzuklären. Doch weist derzeit Vieles darauf hin, dass der Täter aus rechtsextremistischen, rassistischen Motiven gehandelt hat, aus Hass gegen Menschen mit anderer Herkunft, anderem Glauben oder anderem Aussehen.

Rassismus ist ein Gift. Der Hass ist ein Gift. Dieses Gift existiert in unserer Gesellschaft, und es ist schuld an schon viel zu vielen Verbrechen - von den Untaten des NSU über den Mord an Walter Lübcke bis zu den Morden von Halle.

Die Bundesregierung und alle staatlichen Institutionen stehen für die Rechte und Würde eines jeden Menschen in unserem Land. Wir unterscheiden Bürger nicht nach Herkunft oder Religion.

Wir stellen uns denen, die versuchen, in Deutschland zu spalten, mit aller Kraft und Entschlossenheit entgegen.

Ich danke Ihnen!

Donnerstag, 20. Februar 2020