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Bolivianischer Präsident in Berlin

Neuer Start intensiver Beziehungen

Zwischen Bolivien und Deutschland wird ein neues Kapitel bilateraler Beziehungen eröffnet. Das betonte Bundeskanzlerin Merkel nach einem Gespräch mit dem bolivianischen Präsidenten Evo Morales im Kanzleramt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der bolivianische Präsident Evo Morales beim Empfang mit militärischen Ehren. Seit 2006 ist Evo Morales Präsident Boliviens. Foto: Bundesregierung/Bergmann

Deutschland und Bolivien pflegten traditionell bereits sehr gute, freundschaftliche Beziehungen und eine 50-jährige Entwicklungspartnerschaft, so die Bundeskanzlerin. Die Entwicklungszusammenarbeit werde nun durch die Unterzeichnung eines neuen Rahmenabkommens weiter gestärkt. "Die Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit sind erneuerbare Energien, die Entwicklung der ländlichen Räume und das Thema Berufsausbildung."

Beachtliches Wirtschaftswachstum

Die Bundeskanzlerin lobte die Fortschritte Boliviens im Wirtschaftsbereich. "Es gibt beachtliche Erfolge bei der Armutsbekämpfung, bei der rechtlichen Situation von Kindern, bei der Frage des Schuldenabbaus und der Entwicklung der Unternehmen, außerdem ein sehr beeindruckendes Wirtschaftswachstum."

Bolivien exportiert überwiegend mineralische Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte sowie Leder- und Textilwaren nach Deutschland. Importiert werden deutsche Maschinen, Fahrzeuge und Fahrzeugteile, chemische und pharmazeutische Produkte, Elektrotechnik sowie Mess- und Regeltechnik.
Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und Bolivien betrug im Jahr 2014 rund 302 Millionen US Dollar. Bolivianische Exporte nach Deutschland lagen bei 136 Millionen US Dollar, bolivianische Importe aus Deutschland bei 166,3 Millionen US Dollar.

Zusammenarbeit bei den erneuerbaren Energien

Die Zusammenarbeit im Energiebereich soll künftig intensiviert werden. Die Bundeskanzlerin betonte, es seien Kooperationen bei den erneuerbaren Energien verabredet worden: "Bolivien möchte im Bereich der Windenergie sehr stark investieren, hat auch schon begonnen, die Rahmenbedingungen dafür zu setzen." Deshalb werde "gerade mit Unternehmen, die Windenergieanlagen produzieren, eine engere Kooperation stattfinden", sagte sie.

Auch Präsident Morales begrüßte die deutsch-bolivianischen Kooperationen bei der Windenergie: "Die deutsche Technologie in diesem Bereich wird weltweit anerkannt", sagte er. Gerade mit deutscher Technologie würden bereits jetzt 50 Megawatt durch Windkraft in Bolivien installiert, und diese Kooperation solle nun fortgesetzt werden.

Kooperation bei Justiz und Bergbau

Im Bereich der Justiz wird es künftig ebenfalls enge Kooperationen geben. Präsident Morales betonte, Boliviens Justizapparat weise noch einige Schwächen auf. Man brauche Unterstützung, um das Justizsystem zu konsolidieren. Die Bundeskanzlerin erklärte: "Deutschland ist gerne bereit, Experten nach Bolivien zu schicken." Eine Zusammenarbeit mit dem deutschen Justizministerium sei bereits verabredet worden.

Angesichts des Reichtums an Ressourcen und der großen Lithium-Vorräte könne Deutschland Bolivien auch beim Bergbau unterstützen. Merkel: "Bolivien hat Interesse daran, dass mehr Wertschöpfung aus dem Bergbau auch in Bolivien selbst möglich ist." Daneben könne man auch bei den Sicherheitsbedingungen im Bergbau behilflich sein. "In diesem Bereich ist die Bergbauakademie Freiberg ein guter Partner", so die Kanzlerin.

Technologietransfer stärken

Präsident Morales lobte die deutsch-bolivianische Zusammenarbeit im Bereich des Technologietransfers. Bolivien freue sich über deutsche Unternehmen, die Dienstleistungen in Bolivien anbieten. Von Siemens habe man beispielsweise schon viel Technologe für Kraftanlagen erworben.

"Für die nächsten drei Jahre haben wir ein sehr großes Investitionsvolumen von über einer Milliarde US-Dollar vorgesehen. Denn wir möchten das Energiezentrum Südamerikas werden", sagte der bolivianische Präsident. Dafür benötige man diese deutsche Technologie.

Der bolivianische Präsident wurde anschließend von Bundespräsident Joachim Gauck empfangen. Darüber hinaus besuchte er den Bundestag und die Technische Universität Berlin.

Juan Evo Morales Ayma ist seit 2006 im Amt und der erste indigene Staatspräsident Boliviens. Er ist Chef der sozialistischen bolivianischen Partei Movimiento als Socialismo und führt die Bewegung für die Rechte der Coca-Bauern. Die UN-Generalversammlung ernannte Morales 2009 zum "World Hero of Mother Earth".

Mittwoch, 04. November 2015