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Kanadareise der Bundeskanzlerin

Merkel will Handelsabkommen

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist von ihrer zweitägigen Kanadareise zurückgekehrt. Im Mittelpunkt der Gespräche mit dem kanadischen Premierminister Stephen Harper standen die Eurokrise und ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der kanadische Premierminister Steven Harper in Parlamentsgebäude In Ottawa: Bundeskanzlerin Merkel trifft den kanadischen Premierminister Harper Foto: Bundesregierung/Bergmann

Für ihren Besuch hatte sich Merkel drei Ziele gesetzt: die politischen Beziehungen enger zu gestalten, den Handel zu beleben und die Wissenschaftsbeziehungen weiterzuentwickeln. Spielraum gebe es vor allem im Zusammenhang mit Rohstoffen und mit erneuerbaren Energien, so Merkel.

Sichere Freunde in einer unsicheren Welt

Mit Blick auf die Eurokrise lobte die Kanzlerin den kanadischen Weg: Mit strikter Haushaltsdisziplin und einem Kurs für mehr Wachstum sei das Land aus der Finanzkrise gekommen. "Kanada ist nicht ein Ratgeber, der nur anderen etwas nahelegt, sondern es auch Zuhause praktiziert", so Merkel nach einem Treffen mit dem kanadischen Premierminister Stephen Harper.

Dieser äußerte sich lobend über das Engagement der Kanzlerin in der Eurokrise. "Wir in Kanada bewundern die feste Entschlossenheit, gute und nachhaltige Lösungen zu finden." Kanada und Deutschland seien "sichere Freunde in einer unsicheren Welt".

Neben der internationalen Finanz- und Schuldenkrise und deren wirtschaftliche Folgen waren auch sicherheitspolitische Herausforderungen Themen der Gespräche. Dazu gehörten insbesondere Syrien.

EU-Kanada-Freihandelsabkommen

Bei ihrem Besuch in Ottawa hat die Bundeskanzlerin auch ihren Einsatz für eine zügige Verabschiedung des geplanten Freihandelsabkommens zwischen Kanada und der EU zugesagt. Sie werde sich dafür einsetzen, dass die seit drei Jahren laufenden Verhandlungen zu einem schnellen Abschluss kommen, sagte Merkel nach Gesprächen mit dem kanadischen Premierminister. "Deutschland ist sehr dem Ziel verpflichtet, dass wir es schaffen, dieses Freihandelsabkommen schnell abzuschließen", sagte Merkel. Es gibt noch Klärungsbedarf unter anderem beim Schutz geistigen Eigentums und im Dienstleistungssektor.

Kooperation in der Rohstoffversorgung

Von großer Bedeutung ist der Rohstoffbereich, in dem Deutschland und Kanada kooperieren. Diese Zusammenarbeit soll ausgebaut werden.

"Kanada ist einer der großen Rohstofflieferanten der Welt", so Merkel. Hier gebe es viele Möglichkeiten, noch auf Jahrzehnte technologisch sehr eng zusammen zu arbeiten und gemeinsame Pfade der Ausbeutung zu finden. "Da wir wissen, dass Kanada ein fairer Handelspartner ist, glauben wir, dass wir hier gute Investitionen tätigen können", sagte die Bundeskanzlerin.

Auch bei den erneuerbaren Energien soll die Zusammenarbeit intensiviert werden. Deutsche Unternehmen wollen ihre Exporte im Bereich der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz künftig weiter ausbauen.

Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen mit Kanada sind eng und entwickeln sich dynamisch. 2011 sind die deutschen Exporte nach Kanada um 14 Prozent auf mittlerweile 7,8 Milliarden Euro angestiegen. Die kanadischen Exporte haben sich 2011 um 27 Prozent auf mittlerweile 5,3 Milliarden Euro erhöht. Der Handel befindet sich auf hohem Niveau und wächst sehr stark.

Zusammenarbeit in der Wissenschaft

Mit einem Besuch bei Meeresforschern in der kanadischen Ostküstenstadt Halifax hat Merkel ihren zweitägigen Kanadabesuch beendet. Sie informierte sich bei Wissenschaftlern und Studenten der Dalhousie Universität über Schwerpunkte der deutsch-kanadischen Zusammenarbeit in der Meeres- und Polarforschung. Zudem besuchte sie ein Labor, in dem unter anderem Meerestiere erforscht sowie Lebensräume etwa an Felsenküsten nachgeahmt werden können.

In einer Absichtserklärung über eine Fortsetzung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit ging es um eine deutsch-kanadische Partnerschaft in der Ozeanforschung. Deutschland ist eines der wenigen Länder, mit denen Kanada ein Abkommen zur wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit abgeschlossen hat. Insgesamt laufen nach Angaben der Bundesregierung mehr als 500 Wissenschafts-Projekte zwischen beiden Ländern.

Deutschland und Kanada teilen dieselben Werte und Grundüberzeugungen. Dies zeigt sich etwa in Afghanistan, in der Dritte-Welt-Politik, in Abrüstungs- und Rüstungskontrollfragen und in den Vereinten Nationen. In den VN arbeiten die beiden Länder gemeinsam in Fragen der Sicherheit und Abrüstung, der Menschenrechte, bei humanitären Aktionen oder bei friedenserhaltenden Maßnahmen.

In der Zeit der deutschen Teilung und der Teilung Europas durch den Eisernen Vorhang waren die Länder in besonderer Weise verbunden. In der Verteidigung der gemeinsamen Werte demonstrierte Kanada seine Solidarität mit der Bundesrepublik Deutschland. Viele Kontakte sind nicht nur durch deutsche Emigranten entstanden, sondern auch durch die mehr als 300.000 Angehörigen der Streitkräfte, die bis 1993 auf kanadischen Militärstützpunkten in Deutschland Dienst getan haben.

Deutsche und kanadische Forscherinnen und Forscher kooperieren erfolgreich auf vielen Gebieten: im Bereich der Medizin und Gesundheitsforschung, der grünen Biotechnologie, neuer Materialien, der Informations- und Kommunikationstechnologien und der Weltraumforschung. Zunehmend gewinnt auch die Zusammenarbeit in den Bereichen Energie- und Umweltforschung an Bedeutung, beispielsweise bei der Entwicklung der Brennstoffzelle.

Donnerstag, 16. August 2012