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25 Jahre Deutsche Gesellschaft

Merkel: Verfassungswerte verteidigen

Die Bundeskanzlerin hat sich mit Blick auf die Anschläge in Paris erneut entschieden gegen Ausgrenzung gewandt. Sie sei den vielen engagierten Bürgern in Deutschland dankbar für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Krisenregionen, sagte sie bei einem Festakt zum 25-jährigen Bestehen der "Deutschen Gesellschaft" in Berlin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht auf der Festveranstaltung anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Deutschen Gesellschaft e.V. Merkel spricht sich in Berlin für Toleranz und eine offene Gesellschaft aus. Foto: Bundesregierung/Kugler

Bevölkerungsgruppen wegen ihres Glaubens oder ihrer Herkunft auszugrenzen, sei "unseres freiheitlichen Staates nicht würdig" und "mit unseren grundgesetzlich verbürgten Werte nicht vereinbar und menschlich verwerflich", sagte Angela Merkel. Fremdenhass, Rassismus, Extremismus hätten hierzulande keinen Platz.

Grundlegende Werte verteidigen

Merkel rief dazu auf, sich entschieden gegen Bestrebungen zu wenden, die Vorurteile gegen Menschen mit ausländischen Wurzeln schüren könnten. Menschen, die aus Not und Furcht um ihr Leben nach Deutschland kämen und Schutz suchten, hätten ein Anrecht darauf, hier anständig behandelt zu werden.

Es gehe um "die grundlegenden Werte unserer Verfassung", sagte die Bundeskanzlerin. Gerade nach den Terroranschlägen von Paris gelte es, "mit allen Mitteln gegen Intoleranz, gegen Gewalt vorzugehen".

Würdigung der Deutschen Gesellschaft

Merkel würdigte das vielfältige Engagement der Deutschen Gesellschaft. Mit ihrem Fokus auf die Gemeinsamkeiten in unserem Land sei sie ein "starkes Bindeglied zwischen Ost und West". Sie betonte, dass es wichtig sei, auch jenseits von Jubiläen die Erinnerung wach zu halten. Geschichte wirke in unseren Alltag hinein. Merkel: "Das Wissen über das Woher stärkt die Gewissheit über das Wohin". Die Bundesregierung fördere daher auch Projekte, die daran erinnerten, was "DDR" bedeutet habe, und die zur Aufarbeitung der Geschichte beitrügen.

Die Deutsche Gesellschaft setze sich dafür ein, "Mauern in den Köpfen abzubauen oder erst gar keine entstehen zu lassen." Merkel würdigte zugleich, dass die Deutsche Gesellschaft die deutsche Einheit als Teil des europäischen Einigungsprozesses begreife. Mit ihren Veranstaltungen informiere sie über Europa und führe die Bürger zusammen.

Europäische Einigung vorantreiben

Wie die Deutsche Einheit sei auch die europäische Einigung "eine Erfolgs- und Glücksgeschichte", so Merkel. Die europäische Friedensordnung sei jedoch nicht davor gefeit, in Frage gestellt zu werden. Das sehe man derzeit in der Ukraine. Merkel warnte vor alten Denkmustern und einer erneuten Unterteilung Europas in Einflusssphären. Das sei für die Sicherheit in Europa gefährlich.

"Ein Recht des Stärkeren ist mit europäischen Werten nicht vereinbar", betonte die Bundeskanzlerin. Notwendig seien diplomatische Lösungen. Die Sanktionen gegen Russland dienten dazu, der Stärke des Rechts zum Durchbruch zu verhelfen.

Die Deutsche Gesellschaft wurde am 13. Januar 1990 in der Berliner Nikolaikirche gegründet, nur acht Wochen nach dem Fall der Mauer. Überlegungen zu einer Gesellschaft zur Förderung der deutsch-deutschen Beziehungen unterhalb der offiziellen staatlichen Ebene reichten bis 1983 zurück. Das SED-Regime verhinderte eine Freundschaftsgesellschaft Bundesrepublik/DDR. Mit jährlich über 600 Veranstaltungen in den Bereichen Politik und Geschichte, Kultur und Gesellschaft sowie EU und Europa gehört die Deutsche Gesellschaft heute zu den aktivsten überparteilichen Nichtregierungsorganisationen in Deutschland.

In Foren, Diskussionsrunden, Seminaren, Konferenzen, auf Studienreisen oder bei Austauschprogrammen bietet die Deutsche Gesellschaft Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zum offenen Diskurs über aktuelle gesellschaftspolitische Themen. 2008 wurde der Verein für sein Engagement zur Errichtung eines Freiheits- und Einheitsdenkmals mit dem Deutschen Nationalpreis geehrt. Vorsitzende sind der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière und der frühere Bundesminister Franz Müntefering.

Dienstag, 13. Januar 2015