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Donnerstag, 14. April 2011

Interview

Merkel: "Freiwillige mit Herz und Verstand"

Interview mit:
Angela Merkel
Quelle:
in "Bunte"

Im Interview mit der Zeitschrift "Bunte" spricht sich Bundeskanzlerin Angela Merkel für den verstärkten Einsatz von Bürgerinnen und Bürgern im Ehrenamt aus. Die Vielfalt der Möglichkeiten sei endlos. Für Migranten sei ehrenamtliches Engagement ein gutes Mittel zur Integration.

Porträt von der Bundeskanzlerin Merkel Freiwilliges Engagement soll künftig noch mehr gefördert werden Foto: REGIERUNGonline/Kugler

Bunte: Frau Merkel, in welchen Bereichen wünschen Sie sich ein stärkeres ehrenamtliches Engagement?

Angela Merkel: Freiwillige mit Herz und Verstand  werden an vielen Stellen gebraucht. Ich weiß, dass die großen Wohlfahrtsverbände oder auch der Zivil- und Katastrophenschutz Nachwuchs suchen. Und laufend entstehen ganz neue Projekte, die auf Probleme in unserer Gesellschaft reagieren und Lösungen schaffen. Es gibt wirklich für jeden eine Möglichkeit, sich nach seinen Talenten und Neigungen ehrenamtlich zu engagieren. Umfragen zeigen uns ja, dass viele grundsätzlich zu einem solchem Engagement bereit wären – sie haben nur noch nicht die geeignete Aufgabe gefunden. Dabei gibt es so viele Bereiche, wo sie sich einbringen können: im Umweltschutz, in der Bildungsarbeit, der Feuerwehr, im Sportverein - die Vielfalt der Möglichkeiten ist ja schier endlos. Deshalb finde ich es gut, dass in den Kommunen immer mehr Freiwilligenagenturen entstehen, die die Menschen beraten und aktiv Nachwuchs suchen. Natürlich ist heute auch das Internet ein gutes Mittel, um die Idee des bürgerschaftlichen Engagements zu verbreiten.

Bunte: Fänden Sie es richtig, wenn sich mehr ausländische Bürger ehrenamtlich engagieren?

Merkel: Unbedingt, und das würde für sie einen großen Schritt zur Integration in unsere Gesellschaft bedeuten. Mein Eindruck ist: Viele Migranten wollen es selbst auch. Einige der 200 Ehrenamtlichen, die ich ins Bundeskanzleramt eingeladen habe, waren Zuwanderer. Einer wollte von mir wissen, warum Migrantinnen und Migranten meistens als, wie er es nannte, Objekte ehrenamtlichen Engagements angesehen würden, also Menschen, um die man sich irgendwie kümmern müsse. Viel besser wäre es aus seiner Sicht, sie würden selbst aktiv, mit aller Energie und allem Ideenreichtum, den sie mitbringen. Der Mann hat völlig recht, und wir sollten die guten Beispiele von Migranten im Ehrenamt viel bekannter machen, damit sie Schule machen. Ich denke, mit unserer Integrationspolitik sind wir da auf einem guten Weg.

Bunte: Die Wehrpflicht ist abgeschafft – eigentlich ein guter Zeitpunkt, über die Einführung eines sozialen Jahres für junge Menschen nachzudenken ...

Merkel: Darüber müssen wir gar nicht mehr nachdenken. Ein Freiwilliges Soziales Jahr gibt es schon seit Jahrzehnten und ein Freiwilliges Ökologisches Jahr auch. Diese Freiwilligendienste, die von den Ländern durchgeführt werden, werden wir in Zukunft stärker fördern. Daneben führen wir im Juli einen Bundesfreiwilligendienst ein. Beide Möglichkeiten werden in Zukunft gleichberechtigt nebeneinanderstehen und vielen jungen Menschen die Chance geben, sich für die Gesellschaft zu engagieren und diese Zeit zugleich für ihre berufliche Orientierung zu nutzen.

Das Interview führte Sebastian von Bassewitz für Bunte.