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Dienstag, 07. Dezember 2010

Merkel: Entwicklung der Eisenbahn in Deutschland ist beeindruckend

Interview mit:
Angela Merkel
Quelle:
in "DB mobil"

Eine attracktive Bahn könne mithelfen, dass der Verkehr auf den Straßen entlastet werde, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel im  Interview mit DB mobil.

DB mobil: Frau Bundeskanzlerin, "175 Jahre Eisenbahn in Deutschland" – an welches Bild denken Sie, wenn Sie diese Zeitspanne betrachten?

Merkel: Da fällt mir als Erstes die berühmte Strecke Nürnberg–Fürth ein, mit der ja alles begonnen hat, »Adler« hieß die Lokomotive, glaube ich, und sie hatte so einen langen Schornstein. Dann kenne ich noch den legendären »Fliegenden Hamburger«, der schon in den 30er-Jahren von Hamburg nach Berlin nur zweieinhalb Stunden brauchte. Oder den Zug, mit dem die deutschen Fußballweltmeister 1954 aus der Schweiz zurückgekehrt sind – da fuhren Fußballstars noch mit der Bahn! Heute haben wir natürlich die hochmodernen und, wie ich finde, auch sehr eleganten ICE – es ist schon eine beeindruckende Entwicklung, die die Eisenbahn in Deutschland genommen hat. 

DB mobil: Herr Dr. Grube, was waren für Sie die bedeutendsten Ereignisse in der deutschen Eisenbahngeschichte?

Grube: Dazu zählt auch für mich unbedingt der spektakuläre Beginn im Jahr 1835. Das haben wir in diesem Jahr mit der großen Sonderausstellung im DB Museum in Nürnberg, einer internationalen historischen Lokparade und vielen großen Bahnhofsfesten gefeiert. Den Höhepunkt und Abschluss des Jubiläums erleben wir am 7. Dezember, dem Jahrestag der ersten Eisenbahnfahrt. Dann wird der Nachbau des »Adlers« noch einmal auf die Schiene gesetzt und angeheizt. An negativen Einschnitten in der Eisenbahngeschichte sind die beiden Weltkriege zu nennen und die unrühmliche Rolle, die die Eisenbahn darin gespielt hat. Und als Meilensteine in der neueren Geschichte der Fall des Eisernen Vorhangs und die Bahnreform 1993/94, eine der erfolgreichsten Reformen, die wir je in Deutschland hatten. Man darf nicht vergessen: Damals waren die Personalkosten höher als der Umsatz des Unternehmens, und wir hatten 60 Milliarden Mark Schulden. Wenn ich bedenke, was sich da-raus entwickelt hat, bin ich noch immer beeindruckt.

DB mobil: Frau Bundeskanzlerin, wissen Sie, wer die erste Lok in Deutschland gefahren hat?

Merkel: Gut, dass ich jetzt nicht in einer Quizsendung sitze … Im Ernst, was ich weiß, ist, dass der Zugführer bei der ersten Fahrt des »Adlers« ein Brite war, denn es gab damals noch keine deutschen Lokführer.

DB mobil: »Eisenbahn in Deutschland« heißt ja nicht mehr nur Deutsche Bahn. Welche Chancen, welche Risiken sehen Sie im EU-Wettbewerb der Bahnen?

Merkel: Funktionierender Wettbewerb ist eine sehr wichtige Voraussetzung, um die Schiene in ganz Europa so attraktiv zu machen, dass sie eine echte Alternative zu Flugzeug und Auto ist. Außerdem brauchen wir den Wettbewerb, damit noch mehr Güter auf der Schiene transportiert werden. Das Transportaufkommen wird weiter steigen, und eine attraktive Bahn kann mithelfen, dass der Verkehr auf unseren Straßen entlastet wird. Wettbewerb heißt aber auch, dass es dabei fair zugehen muss. Es kann nicht sein, dass manche Länder ihr Schienennetz öffnen und andere diese Chancen auf dem internationalen Markt nutzen, aber auf den eigenen Schienenstrecken mit allerlei Vorwänden Wettbewerber aus anderen Ländern behindern. Wir unterstützen hier auch die Europäische Kommission, dass sie so etwas nicht zulässt. Ich will, dass ein ICE genauso selbst-verständlich nach London oder Paris fährt wie ein französischer TGV oder ein italienischer Schnellzug nach Berlin oder Warschau.

DB mobil: Herr Dr. Grube, mit ihrem neuen Tochterunternehmen Arriva ist die Deutsche Bahn nun in elf europäischen Ländern vertreten …

Grube: Wir müssen uns ja schließlich im internationalen Wettbewerb behaupten. Die EU treibt die Öffnung der Märkte intensiv voran. In Deutschland, das kann ich Ihnen aus Erfahrung sagen, funktioniert der Wettbewerb bereits. Was ich übrigens gut finde. Aber: Wir wollen dann auch in die Länder unserer Wettbewerber. Und dort wollen wir unseren Kunden gute Produkte und Dienstleistungen anbieten. Und leider begrüßen einige unserer europäischen Nachbarn uns da nicht sonderlich freundlich. Mit dem Zukauf von Arriva sind wir jetzt in elf Ländern in Europa aktiv. Wenn Sie zum Beispiel im Bus durch London fahren, dann sitzen Sie wahrscheinlich in einem unserer Arriva-Busse. Arriva wird künftig rund zehn Prozent zum Gesamtgeschäft der DB beitragen. Das macht uns nicht nur zu einem führenden Unternehmen im europäischen Personenverkehr, sondern schafft auch eine echte Wachstumsperspektive, von der alle Seiten profitieren: Kunden, Mitarbeiter, Besteller und unser Eigentümer, die Bundesrepublik Deutschland.

DB mobil: Welche Vorteile ergeben sich daraus für die Reisenden?

Grube: Zukäufe wie Arriva sorgen dafür, dass das Unternehmen Deutsche Bahn gesund bleibt und sich weiter entwickeln kann. Die Reiseketten unserer Kunden enden nicht mehr an den Grenzen, wir können so bessere Verbindungen schaffen. Unabhängig davon investiert die Deutsche Bahn in den kommenden fünf Jahren 41 Milliarden Euro in Infrastrukturprojekte, Bahnhöfe und Fahrzeugflotten in Deutschland. Unser Kernmarkt ist und bleibt natürlich Deutschland.

DB mobil: An der Entwicklung der Bahn in Ostdeutschland lässt sich besonders gut ablesen, welch enorme Leistung die DB AG mit der Bahnreform vollbracht hat. Welche Erinnerungen haben Sie an die alte Reichsbahn der DDR?

Merkel: Die Züge waren oft sehr voll. Viele waren ja auf die Bahn angewiesen, weil sie kein eigenes Auto hatten. Und weitere Fahrten dauerten lange und waren nicht frei von Hindernissen. Bequemes Reisen war das nicht gerade. Aber ich habe auch schöne Erinnerungen an lustige Bahnreisen zu meiner Schul- und Studienzeit. Ich habe mir übrigens sagen lassen, dass auch im Westen bei der Bundesbahn nicht alles perfekt war. Ich glaube, alle zusammen, ost- und westdeutsche Fahrgäste sowie ost- und westdeutsche Mitarbeiter, haben seit der Bahnreform vom Modernisierungsprozess der Eisenbahn in Deutschland stark profitiert.

Grube: Aus eigener Erfahrung kann ich über die Reichsbahn der DDR nichts berichten. Aber ich habe viele Gespräche mit unseren Mitarbeitern geführt und eine ganze Menge von maroden Zügen und Langsamfahrstrecken auf Grund zerfallender Betonschwellen gehört. Die Reichsbahn der DDR hatte nach dem Krieg sicherlich ungleich schwierigere Startbedingungen: Während im Westen beispielsweise sehr früh Geld für die Elektrifizierung von Strecken floss, wurden in der sowjetischen Besatzungszone bis 1948 fast 4000 Kilometer Gleise abgebaut und fortgebracht. Dadurch fehlte auf manchen Strecken schon das zweite Gleis – mit den entsprechenden Auswirkungen.

DB mobil: Herr Dr. Grube, wie sieht die Vision der DB für die Mobilität der Zukunft aus?

Grube: Die Integration von Elektroautos in die Reisekette der Deutschen Bahn ist für uns eines der wichtigsten zukunftsweisenden Projekte. So könnten Kurzstrecken mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln wie einem gemieteten Elektroauto oder einem Elektrofahrrad von DB Carsharing oder per Nahverkehrszug zurückgelegt werden – und Langstrecken mit klimafreundlichen Fernverkehrszügen. Im Rahmen des Projekts BerlinElektroMobil testen wir seit Juni im Berliner Hauptbahnhof die erste DB Carsharing-Station, an der man Elektroautos mieten kann. Und im Frühjahr kommen noch Elektrofahrräder dazu.

DB mobil: Frau Bundeskanzlerin, auf dem Klimagipfel in Kopenhagen haben Sie die Welt vor einem Jahr eindringlich zum Klimaschutz aufgefordert. Was hat Ihre Rede bewirkt?

Merkel: Was ich in Kopenhagen gesagt habe, bewegt mich ja schon viel länger: Wir müssen beim Klimaschutz die Erkenntnisse der Wissenschaft endlich in konkrete Vereinbarungen umsetzen. Der Klimawandel findet statt, für viele Länder der Welt ist er heute schon eine echte, täglich zu spürende Bedrohung. Wenn wir nicht handeln, wird uns das sehr viel mehr kosten als jede wirksame Klimapolitik. Wir müssen alles tun, damit die Temperatur weltweit nicht um mehr als zwei Grad ansteigt – der Vergleichswert ist da immer die Temperatur zu Beginn der Industrialisierung. Und genau in diesem Punkt hat die Konferenz in Kopenhagen doch Fortschritt gebracht, auch wenn die hohen Erwartungen nicht erfüllt wurden: Die Weltgemeinschaft hat sich auf das Zwei- Grad-Ziel verständigt und alle wichtigen Staaten haben ihre Bereitschaft erklärt, dazu ihren Beitrag zu leisten. Ich will aber die Lage nicht beschönigen. Natürlich sind die konkreten Klimaschutzzusagen, die die einzelnen Staaten im Rahmen des sogenannten »Kopenhagen Accord« gemacht haben, keineswegs ausreichend. Wir können auf dem Grundkonsens von Kopenhagen aufbauen – aber wir müssen viel weiter gehen. Das wird also noch harte Arbeit. Ein neues, umfassendes Klimaabkommen, das dem Zwei-Grad- Ziel gerecht wird, werden wir bei der diesjährigen UN-Klimakonferenz in Cancún nicht abschließen können. Dort geht es zunächst darum, in wichtigen Sachfragen konkrete und möglichst weit reichende Ergebnisse zu erzielen. So ist es nun einmal, wenn man Klimapolitik mit allen Staaten der Welt macht: Man muss den Prozess immer in Bewegung halten, jedes kleine Stück Fortschritt ergreifen, und darf dabei doch nie das große Ziel aus dem Auge verlieren. 

DB mobil: Herr Dr. Grube, Sie sind im Train to Copenhagen zum Klimagipfel gefahren und haben unterwegs viele Gespräche geführt. Mit welchen Ergebnissen sind Sie zurückgekommen?

Grube: Wir waren mit der Eisenbahn sozusagen automatisch auf der richtigen Seite. Im Climate Express sammelten sich diejenigen, die sich für den Klimaschutz engagieren wollen, die aktiv daran mit-arbeiten. Es war ein fruchtbarer Informationsaus-tausch und Einvernehmlichkeit in der Überzeugung. So enttäuschend die Gesamtbilanz der Klimakonferenz ausgefallen ist, so unbeirrt werden wir uns weiterhin für den Klimaschutz engagieren.

DB mobil: Frau Bundeskanzlerin, Sie haben gesagt, Deutschland soll der Leitmarkt für Elektromobilität werden. Ist China nicht viel weiter als wir?

Merkel: Wir haben uns das Ziel gesetzt, dass 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen fahren. Deutschland soll Leitmarkt und Leitanbieter für E-Fahrzeuge werden. Es stimmt, andere Länder haben auch schon erhebliche Anstrengungen unternommen, vor uns liegt also eine Menge Arbeit. Aber auch eine gewaltige Chance. Bei dem Thema Elektromobilität geht es nicht nur um Fahrzeuge und Batterien, sondern auch um das Zusammenspiel mit Ladeinfrastruktur, Netzen und Strommarkt. Anfang Mai haben wir den Startschuss für die Nationale Plattform Elektromobilität gegeben. Industrie, Wissenschaft und Politik entwickeln zurzeit Vorschläge, wie wir Deutschland bei diesem großen Zukunftsthema mit vereinten Kräften an die Spitze bringen. Deutsche Ingenieure waren die Vorreiter in der Geschichte des Automobils. Auch deshalb bauen deutsche Hersteller heute internationale Spitzenprodukte, um die uns die Welt beneidet. Also kann Deutschland es auch schaffen, bei der nächsten Generation Automobile ganz vorne mit dabei zu sein.

DB mobil: Als Verkehrsdienstleister trägt die DB eine besondere Verantwortung für den Klimaschutz. Herr Dr. Grube, wie viel investieren Sie als großer Stromverbraucher in erneuerbare Energien?

Grube: Hier tun wir einiges – für unsere Kunden und für unser Unternehmen. Indem wir bei unseren CO2-freien Angeboten regenerative Energiequellen nutzen, vermeidet die DB klimaschädliche Emissionen von Anfang an. Anders als im Flugverkehr kompensieren wir damit die CO2-Emissionen nicht im Nachhinein. Das ist aus Umweltsicht der bessere Ansatz. Im März haben wir einen Vertrag mit dem Windpark von Märkisch-Linden geschlossen: Fast zwei Jahrzehnte lang werden wir diese Anlagen zur Stromerzeugung nutzen. Mit der jährlich erzeugten Strommenge kann man knapp die Hälfte des S-Bahn-Verkehrs in Hamburg betreiben. Bis 2020 wollen wir den Anteil regenerativer Energien im Bahnstrom-mix auf 30 Prozent erhöhen. Unsere Vision ist ein komplett CO2-freier Schienenverkehr im Jahr 2050.

DB mobil: Frau Bundeskanzlerin, im Zuge der Diskussion um das Projekt Stuttgart 21 haben Sie angekündigt, eine Debatte über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands an-zustoßen. Was liegt da im Argen?

Merkel: Zunächst einmal: Es ist gut, wenn die Menschen sich dafür interessieren, was in ihrer Umgebung geschieht – es ist auch gut, wenn sie sich das kritisch anschauen. Das gehört zu einer aufgeklärten Demokratie dazu. Deswegen haben wir bei der Planung von Infrastrukturvorhaben Informations- und Beteiligungsrechte, die jeder Bürger nutzen kann und soll. Aber auch die Bürger müssen sich verantwortungsvoll zeigen. Es kann nicht sein, dass fast alle den Einsatz erneuerbarer Energien befürworten, aber der Bau einer Überlandleitung, die den Strom von den Windparks in die Städte befördert, mit allen Mitteln behindert wird. Oder eine große Mehrheit einen attraktiven Bahnverkehr will, der Bau von Schienenstrecken aber vielerorts am Widerstand von Anwohnern scheitert. Wir haben in unseren Gesetzen wirksame Schutzvorschriften, damit die Belastung der Menschen durch solche Großprojekte so weit wie möglich in Grenzen gehalten wird. Aber ganz ohne derartige Belastungen kommt eine moderne Industrie- und Hochtechnologiegesellschaft wie unsere nun mal nicht aus. Wir müssen in angemessener Zeit über wichtige Projekte entscheiden, sie planen und bauen können. Und auf dem Weg von der Planung über die Entscheidung bis zur Umsetzung muss die Politik immer wieder erklären, werben und sich um die Unterstützung der Menschen bemühen.

DB mobil: Der Begriff »Zukunftsfähigkeit« ist von BUND, Brot für die Welt und dem Evangelischen Entwicklungsdienst geprägt worden, die 2008 eine Studie zur Nachhaltigkeit in Deutschland herausgegeben haben. Darin geht es um umwelt- und entwicklungspolitische Themen. Worauf setzen Sie?

Merkel: Nachhaltigkeit ist für mich ein ganz wichtiges Thema. Es ist ein umfassendes politisches Leitprinzip dieser Bundesregierung. Man kann es auf einen einfachen Nenner bringen: Was wir heute tun, darf die Aussichten unserer Kinder und Enkel, in Wohlstand und einer intakten Umwelt zu leben, nicht beeinträchtigen. Also müssen wir Umweltschutz, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und soziale Verantwortung in ein Gleichgewicht bringen. Das ist die Aufgabe, sowohl hier in Deutschland als auch in unserer Außenpolitik. Dass dies leichter gesagt als getan ist, hat uns die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise vor Augen geführt. Da konnte man sehen, was passiert, wenn alles nur auf kurzfristiges Gewinnstreben ausgerichtet ist. Dem müssen wir den Weg der Nachhaltigkeit entgegensetzen. Und das heißt für uns in Deutschland konkret: Wir müssen den Energie- und Rohstoffverbrauch reduzieren, wir müssen unseren Energieverbrauch so umstellen, dass Energie für jeden Bürger bezahlbar bleibt, dass unsere Wirtschaft gedeihen kann und dass bei alldem die Umwelt und das Klima nicht weiter geschädigt werden.

DB mobil: Herr Dr. Grube, was tut die DB für Deutschlands Zukunftsfähigkeit?

Grube: Schauen Sie sich die Verbindung an, die wir künftig nach London anbieten. Derzeit gibt es täglich von der Region Frankfurt–Rheinland nach London rund 50 Linienflüge. Wenn wir einen Teil dieser Verkehre auf die Schiene verlagern, ist dies ein zukunftsweisender Schritt. Bei der DB leben wir durch den extrem langen Vorlauf der Projekte eigentlich täglich in der Zukunft. Bleiben wir beim Beispiel London. Der ICE-Verkehr durch den Kanaltunnel startet erst im Dezember 2013 – in »Bahnzeit« ist das aber quasi übermorgen. Zukunftsfähigkeit hat auch viel mit einer inneren Haltung zu tun. Wir stellen uns bei der DB jeden Tag eine Menge unbequemer Fragen. Pro Tag befördern wir heute über sieben Millionen Passagiere in Deutschland. Für unsere Kunden wollen wir immer besser werden. Wir wollen die Qualität unserer Produkte weiter ausbauen. Die Eisenbahn soll als Verkehrsträger noch attraktiver werden und neue Kunden gewinnen.

DB mobil: Frau Bundeskanzlerin, frei nach John F. Kennedy: Was kann der Einzelne für sein Land tun?

Merkel: Ich habe lange in einem Staat gelebt, in dem eine Partei den Menschen vorgab, was sie für ihr Land zu tun hatten. Heute leben wir alle in einer offenen und freiheitlichen Gesellschaft, und da ist glücklicherweise jedem selbst überlassen, wie er sich einbringt. Trotzdem: Verantwortung haben wir schon alle. Jeder kann sich ehrenamtlich betätigen – in Kirchen, Vereinen, Hilfsorganisationen oder wo auch immer. Etwas für sein Land tun heißt übrigens auch: an den Diskussionen teilzunehmen, die unser Land bewegen. Das fängt im privaten Bereich an, und findet seine Fortsetzung in Vereinen, Verbänden oder Initiativen und nicht zuletzt in den politischen Parteien. Möglichst viele von uns sollten sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten dafür einsetzen, unser Land und unser Zusammenleben weiter zu verbessern.

DB mobil: Herr Dr. Grube, immer mehr Deutsche machen Urlaub in Deutschland, im Sommer 2010 hat es eine Steigerung um vier Prozent auf 39 Prozent insgesamt gegeben. Was ist so interessant an Deutschland? 

Grube: Wir haben eine enorme landschaftliche Vielfalt – vom Ostseestrand bis zur Zugspitze. Außerdem ist in Deutschland eine Menge los, es gibt ungewöhnliche Festivals, tolle Museen und viele geschichts-trächtige Orte. Im Spiegel habe ich gelesen, dass uns eine neue Mischung aus der Suche nach Natur, Aktivität, gutem Essen und einer gewissen Heimatsehnsucht umtreibt – was die Bereitschaft zur Besichtigung historisch interessanter Orte fördert. Außerdem kennen wir viele andere Länder besser als unser eigenes. Das macht neugierig.

DB mobil: Frau Bundeskanzlerin, Sie wandern zum Beispiel gern in der Uckermark. Können Sie noch mehr deutsche Urlaubsziele aus eigener Erfahrung empfehlen?

Merkel: Als Bundeskanzlerin komme ich ja viel herum, dabei habe ich eines gelernt: Deutschland ist wunderschön und sehr vielfältig. Ich persönlich mag alles, was Berg und Mittelgebirge ist, Voralpenland, Schwarzwald, Harz, davon könnte ich Ihnen lange vorschwärmen. Und natürlich die Ostsee, da lasse ich mir immer gerne den Wind um die Nase wehen.

DB mobil: Herr Dr. Grube, wohin fahren Sie am liebsten in Urlaub?

Grube: Ich schaue mir gern unsere Großstädte an. Da ich beruflich viel reisen muss, verbringe ich meine freie Zeit aber am liebsten zu Hause mit meiner Frau und meinen Kindern.

DB mobil: Frau Bundeskanzlerin, was sagen Ihre ausländischen Gäste über die Destination Deutschland?

Merkel: Ich höre immer wieder, dass meine Gäste Deutschland in seiner einmaligen Mischung aus Kultur und Natur faszinierend finden. Man spürt, dass die Neugier auf Deutschland im Ausland sogar noch wächst – ich denke, dazu hat die Fußballweltmeisterschaft 2006 einen großen Teil beigetragen. Und in Berlin sieht man es ja an den vielen jungen Menschen aus aller Welt: Unsere Hauptstadt ist so spannend wie nie und offensichtlich genauso »in« wie London, Paris oder New York.

DB mobil: Herr Dr. Grube, wie reagiert die Bahn auf den Deutschland-Boom?

Grube: Wir haben attraktive Übernachtungsangebote, günstige Fahrkarten und schnelle, bequeme Züge. Unser Reiseveranstalter Ameropa und unsere Tourismusexperten sind mit den Landesmarketinggesellschaften in engem Kontakt und sind auf Kongressen, der ITB oder dem Tourismusgipfel in Berlin präsent. Aus all diesen Quellen speisen sich die Ideen für unsere Angebotspalette. Darin ist viel Bewegung. Aber wem sage ich das: Sie sind doch die Ersten, die erfahren, wenn es etwas Neues gibt.

Mitarbeit: Dr. Antje Lüssenhop, Christiane Winter