Merkel: "Das Internet kann ich mir gar nicht mehr wegdenken"

BILD: Frau Bundeskanzlerin, BILD erscheint heute in 3D. Medien und Medienkonsum insgesamt verändern sich rasant. Wie nutzen Sie Internet, Facebook oder Twitter ?

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Das Internet kann ich mir gar nicht mehr wegdenken. Ich nutze es täglich zur raschen Information. Als CDU-Vorsitzende bin ich bei Facebook und MeinVZ vertreten. Für Twitter fehlt mir, ehrlich gesagt, die Zeit.

BILD: Verändern die Medien-Innovationen die Gesellschaft zum Guten oder zum Schlechten?

Merkel: Ich bin jemand, der erst einmal die großen Chancen und fantastischen neuen Möglichkeiten sieht - im Beruf und fürs Privatleben. Entscheidend ist natürlich, wie wir damit umgehen. Jeder Einzelne trägt auch Verantwortung dafür, dass er in der neuen Vielfalt nicht die Orientierung verliert.

BILD: Und verändert es die Politik bzw. die Art, wie man Politik heute machen und kommunizieren muss?

Merkel: Das Internet ist ein großartiges Mittel, um darüber zu informieren, was wir Politiker tun und vorhaben. Ein neuer Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern wird möglich. Wir können auch die erreichen, die nie in unsere Parteiveranstaltungen kämen und sich nicht mehr in den konventionellen Medien, Zeitung oder Fernsehen, informieren, junge Leute vor allem. Aber ich gebe zu, da haben wir auch noch einiges zu tun. Und schließlich wird es auch immer wichtiger, möglichst viele Menschen in die Entscheidungsprozesse aktiv einzubeziehen. Hier haben wir noch einiges zu tun.

BILD: Stichwort „Google Street View". Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem im Internet ?

Merkel: Zum großen Teil liegt es an einem selbst, was man im Internet von sich preisgibt. Der Staat muss die Privatsphäre aber schützen, wo der Einzelne zwar Schutz in Anspruch nehmen möchte, ihn aber nicht selbst herstellen kann. Genau darüber berät die Bundesregierung derzeit intensiv.

BILD: Brauchen wir ein großes „Internet-Gesetz", das Angebote und Nutzung regelt wie einst der Straßenverkehr geregelt wurde ?

Merkel: Nein. Aber wir müssen unsere Vorstellungen vom Recht auf Datenschutz der sich immer weiter verändernden Netzwelt anpassen, ohne den Endgedanken eines freien Internets aufzugeben.

Das Gespräch führte Nikolaus Blome

Quelle: Bild