„Wir gehören in Europa zusammen“

Kanzlerin Merkel in Athen „Wir gehören in Europa zusammen“

Es habe Kraft gegeben, „dass wir beide wissen, wir gehören in Europa zusammen“, so Kanzlerin Merkel am Freitag bei ihrem Besuch in Athen. Neben der griechischen Staatspräsidentin Sakellaropoulou traf Merkel auch mit ihrem Amtskollegen Ministerpräsident Mitsotakis zusammen.

Bundeskanzlerin Merkel und der griechische Premierminister Mitsotakis in Athen.

Begrüßte Kanzlerin Merkel in Athen: Der griechische Ministerpräsident Mitsotakis.

Foto: Bundesregierung/Kugler

Am Freitagmorgen traf Bundeskanzlerin Angela Merkel während ihres Griechenland-Besuches zunächst mit jungen Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft zusammen. Im Goethe-Institut in Athen sprach sie mit ihnen über die Perspektiven und Herausforderungen Europas.

Dialog besonders bei Problemen essentiell

Anschließend begegnete Merkel der griechischen Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou zu einem Gespräch. Auch wenn es während ihrer Amtszeit als Bundeskanzlerin "schwierige Situationen" in den Beziehungen beider Länder gegeben habe, sei doch „unter dem Strich“ der Dialog „immer der Schlüssel zur Lösung“ gewesen, sagte die Kanzlerin. "Was uns immer wieder auf beiden Seiten Kraft gegeben hat, war, dass wir beide wissen, wir gehören in Europa zusammen."

Bundeskanzlerin Merkel und die grieschische Staatspräsidentin Sakellaropoulou.

Im Präsidialpalast in Athen kam die Kanzlerin mit der griechischen Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou zusammen. 

Foto: Bundesregierung/Kugler

Stabilität der Euro-Währungsunion erhalten

Im Anschluss daran stand ein Gespräch mit Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis auf dem Programm. Auch hier äußerte sich Merkel im Rückblick auf ihre Zeit als Bundeskanzlerin zu den enormen Herausforderungen, die Griechenland zu bewältigen hatte. So sei ihr persönlich sehr bewusst gewesen, „welche Zumutungen und welche Herausforderungen für die Menschen in Griechenland mit der Frage des Euro verbunden waren. Aber zum Schluss ist es uns gelungen, dass wir einen Weg gefunden haben, auf dem Griechenland eben nicht nur 40 Jahre in der Europäischen Union ist, sondern auf dem Griechenland auch Mitglied des Euro ist.“

Die Hellenische Republik, wie Griechenland offiziell heißt, liegt in Südosteuropa, genauer am östlichen Mittelmeer. Auf dem Staatsgebiet mit einer Fläche von knapp 132.000 Quadratkilometern leben rund 10,7 Millionen Einwohner, davon knapp 665.000 in der Hauptstadt Athen. Griechenland grenzt an Albanien, Nordmazedonien, Bulgarien und die Türkei. Wegen der Bedeutung von Philosophie und Staatspraxis des antiken Griechenlands wird das Land auch als Wiege der abendländischen Demokratie bezeichnet. 1981 trat Griechenland der Europäischen Gemeinschaft (EG) als Vorläuferorganisation der Europäischen Union bei.

Flüchtlingskrise: Geteilte Verantwortung wahrgenommen

Nicht minder schwierig sei es für Griechenland gewesen, den im Jahr 2015 einsetzenden Zustrom von Flüchtlingen aus Syrien zu bewältigen. Merkel erklärte dazu bilanzierend: „Auch hier haben wir, glaube ich, gezeigt, dass wir Verantwortung teilen können und dass wir gemeinsam arbeiten können. Ich denke, das EU-Türkei-Abkommen, das wir damals beschlossen haben, ist ein Beispiel dafür, dass man versuchen muss, zusammenzuarbeiten, aber auch eben in diesem Fall mit der Türkei zusammenzuarbeiten.“

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Video Bundeskanzlerin Merkel zu Besuch in Athen

Corona-Pandemie: Enge Kooperation hat sich bewährt

Mit Blick auf die Corona-Pandemie würdigte Merkel die enge Zusammenarbeit in den bilateralen Beziehungen und auf europäischer Ebene. Sie habe deshalb auch „aus vollem Herzen“ dem Recovery Fund und dem Programm „Next Generation EU“ zugestimmt. Zwar sei die Pandemie für alle „ein sehr, sehr großes Unglück“ gewesen, so Merkel – ganz besonders gelte dies „aber für die Länder in der Europäischen Union, die durch eine lange Phase von Reformen und von Ausgabenkürzungen gegangen waren.“

Transformation gemeinsam bewältigen

Nun sei es „ein Gebot der Fairness, der Kohäsion und auch des Funktionierens des Binnenmarktes“, dass Länder wie Griechenland, Portugal, Italien oder Spanien die Möglichkeit erhielten, Investitionen in die Zukunft vorzunehmen. Als solche nannte die Kanzlerin zum Beispiel Klimaschutz oder nachhaltige Biodiversität. Man müsse sich gegenseitig dabei unterstützen, die „Transformation des Wirtschaftens, der Energieversorgung und der Mobilität auch wirklich gemeinsam zu bewältigen“, appellierte Merkel.

Kanzlerin Merkel mit Gesprächspartnern im Goethe-Institut in Athen.

Am Freitagmorgen besuchte Kanzlerin Merkel das Goethe-Institut in Athen.

Foto: Bundesregierung/Kugler

Begegnungen jenseits touristischer Reisen wichtig

Merkel zeigte sich erfreut über die Gründung des Deutsch-Griechischen Jugendwerks. „Mir ist sehr wichtig, dass hier Programme nicht nur für junge Akademiker gemacht werden, sondern für alle Bereiche der Bevölkerung, damit sich junge Leute in unseren beiden Ländern besser kennenlernen können.“ Auch die auf kommunalpolitische Zusammenarbeit zielende Deutsch-Griechische Versammlung sei „etwas sehr Gutes, damit sich Deutsche und Griechen noch besser kennenlernen - außerhalb der wunderbaren touristischen Erfahrungen, die viele Deutsche hier in Griechenland natürlich in vollem Umfang genießen.“

„Sind zu unserem Glück vereint“

Merkel unterstrich, sie gehe fest davon aus, dass sich die Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland auch mit einer neuen Bundesregierung gut entwickeln werden und dass auch die Zusammenarbeit in der Europäischen Union eng bleiben werde. „‘Wir sind zu unserem Glück vereint‘, haben wir anlässlich 50 Jahren Römischer Verträge gesagt, und das bleibt auch heute noch wahr“, schloss Merkel.

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