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EU-Konferenz zur Jugendbeschäftigung

Mehr Chancen für junge Menschen

Die Staats- und Regierungschefs der EU haben in Mailand über die Programme zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit beraten. Sie waren sich darin einig, dass das Abrufen der vorhandenen Mittel erleichtert werden müsse. Es gehe im Moment darum, dass das Geld erst einmal fließe, sagte Merkel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Abschluss-Pressekonferenz neben dem französischen Präsidenten François Hollande. Bundeskanzlerin Merkel: Wir müssen wissen, was die Berufe der Zukunft sind. Foto: Bundesregierung/Steins

"Es ist im Augenblick nicht eine Frage dass das Geld nicht reicht, sondern im Moment ist es eine Frage, dass das Geld erst einmal fließt", betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Abschluss der Beratungen in Mailand.

Es sei aber auch ganz wichtig zu wissen, wohin investiert werde, erklärte Merkel. "Wir müssen wissen, was sind die Berufe der Zukunft." Sie sehe zum Beispiel im gesamten digitalen Bereich Zukunftschancen für junge Leute, fuhr die Kanzlerin fort. Merkel wies auf das Mobilitätsprogramm der Bundesregierung hin, mit dem bis 2018 arbeitslose Jugendliche vor allem aus südeuropäischen Ländern zur Ausbildung nach Deutschland kommen können.

Am Gipfel in Mailand nahmen neben dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi und Bundeskanzlerin Angela Merkel auch Parlamentspräsident Martin Schulz, Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Ratspräsident Herman Van Rompuy teil. Auch die Sozialpartner waren vertreten.
Zuvor tauschten sich die Chefs der nationalen öffentlichen Arbeitsverwaltungen unter Vorsitz des Chefs der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sowie die Arbeitsministerinnen und Arbeitsminister aus. Auch die Europäische Investitionsbank berichtete über ihre Aktivität

Initiative der Kanzlerin

Die Jugendbeschäftigung zu fördern, ist eine Herzensangelegenheit der Bundeskanzlerin. Auf der von ihr im Sommer 2013 einberufenen Berliner Konferenz und dem Folgetreffen in Paris hatten sich die zuständigen Minister, Staats- und Regierungschefs sowie Vertreter der EU auf eine Vielzahl von Maßnahmen und die Bereitstellung von Mitteln geeinigt.

Zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union (EU) hat die EU-Kommission sechs Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Weitere Mittel in Milliardenhöhe stellen den Mitgliedstaaten der Europäischen Sozialfonds und die Europäische Investitionsbank bereit.

Rasche Reformen erforderlich

Die Zahl der Arbeitslosen ist im vergangenen Jahr gesunken – wenn auch nur leicht.

Nach Angaben von Eurostat betrug die Arbeitslosenquote in der EU im August 2014 11,5 Prozent. Im gleichen Zeitraum lag die Jugendarbeitslosenquote bei 21,6 Prozent und damit fast doppelt so hoch. Erste Anzeichen der Besserung gibt es: Im Juni 2013 waren noch 23,5 Prozent der Jugendlichen beschäftigungslos. Die niedrigsten Quoten im August 2014 verzeichneten Deutschland (7,6 Prozent), Österreich (8,2) und die Niederlande (10,1). Die höchsten Quoten meldeten Spanien (53,7), Griechenland (51,5 im Juni 2014), Italien (44,2) und Kroatien (43,9 im zweiten Quartal 2014).

Wichtig ist es jetzt, dass die zur Verfügung stehenden Mittel schnell bei den Betroffenen ankommen und notwendige Strukturreformen in den EU-Mitgliedstaaten eingeleitet werden. Die EU-Kommission hatte dazu "Operationelle Programme" von den betroffenen Staaten angefordert. Sie wird diese nun umgehend sichten und genehmigen.

In Mailand ging es zunächst um den Stand der Umsetzung der Jugendbeschäftigungsinitiative und der Jugendgarantie. Auf der Tagesordnung standen auch Fragen der Mobilität auf dem europäischen Arbeitsmarkt und dem Arbeitsmarkt in den jeweiligen Ländern. Außerdem ging es darum, ob die Arbeitsmärkte zukunftsfähig sind.

Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit im Überblick

  • Jugendgarantie: Menschen unter 25 Jahren in allen EU-Staaten wird spätestens vier Monate nach Beginn ihrer Arbeitslosigkeit oder ihres Schulabschlusses ein Arbeitsplatz, eine Weiterbildungsmaßnahme oder die Beteiligung an Ausbildungs-oder Praktikumsplätzen angeboten. Dafür stehen Mittel in Höhe von bis zu zehn Milliarden Euro aus dem Europäischen Sozialfonds bereit. Es wurden bereits 18 Pilotprojekte in sieben Mitgliedsstaaten gestartet, um die Jugendgarantie umzusetzen. Beispiel: In Vilnius, Litauen, haben junge Menschen die Möglichkeit einer zweiwöchigen Testeinstellung bei lokalen Privatunternehmern. Nach zwölf Monaten des Pilotprojektes wurden 25 Prozent der Teilnehmer direkt vom Unternehmen übernommen.
  • Jugendbeschäftigungsinitiative: Die Jungendbeschäftigungsinitiative richtet sich an junge Menschen unter 25 Jahren, die sich weder in einem Beschäftigungsverhältnis noch in einer Ausbildung befinden. Zudem wohnen sie in Regionen in der EU, in denen die Jugendarbeitslosigkeit über 25 Prozent beträgt. Dies sind im Augenblick 20 Mitgliedstaaten. Für die Initiative stehen sechs Milliarden Euro zur Verfügung. Die Mitgliedsstaaten müssen operationelle Programme erstellen, die von der EU-Kommission genehmigt werden müssen, um auf das Geld zugreifen zu können. Inzwischen haben alle betroffenen Mitgliedsstaaten ein operationelles Programm vorgelegt. Die Programme von Frankreich, Italien und Litauen wurden bereits bewilligt. Bis zum Jahresende soll über alle Anträge entschieden sein.

    Beispiel: Frankreich erhält 432 Millionen Euro. Damit finanziert es Projekte zur Beratung und Umschulung besonders gering Qualifizierter und fördert die Mobilität der Auszubildenden.

  • Programme der Europäischen Investitionsbank (EIB) - "Investing in Skills" und "Jobs For Youth": Ziel der Programme der EIB ist, durch berufliche Bildung und Studiendarlehen die Qualifikationen von Europäern unter 25 Jahren zu verbessern. Durch die Initiative "Jobs For Youth" sollen außerdem Arbeitsplätze für junge Menschen geschaffen werden. Die EIB gibt dafür Kredite an kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die Jugendliche beschäftigen. Die ursprünglichen sechs Milliarden Euro wurden inzwischen auf mehr als neun Milliarden Euro aufgestockt.

Mittwoch, 08. Oktober 2014