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Gleichstellung

Mehr Chancen für Frauen

Wenn es um Frauen in Führungspositionen geht, besteht noch großer Verbesserungsbedarf in Deutschland. Darin war sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den hundert Frauen einig, die sie zu einem Meinungsaustausch ins Kanzleramt eingeladen hatte.

Angela Merkel mit mehreren Frauen im Kanzleramt Merkel umringt von Frauen in Führungspositionen, die zum Erfahrungsaustausch ins Kanzleramt geladen waren Foto: Bundesregierung/Kugler

Was muss sich in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik ändern, damit mehr Frauen in Spitzenpositionen gelangen? Darüber diskutierte die Kanzlerin mit weiblichen Führungskräften und Nachwuchskräften aus Unternehmen, Wissenschaft, Medien, Verwaltung und Kulturbetrieben.

"Sie haben in gewisser Weise noch immer einen Seltenheitswert", stellte Merkel bei der Begrüßung der Teilnehmerinnen fest. Vor zwölf Jahren habe die damalige Bundesregierung mit der Wirtschaft vereinbart, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen. Die Ergebnisse seien "mager".

Gleiche Chancen bei gleicher Qualifikation

Inzwischen hätten zwar sowohl Konzerne als auch mittelständische Unternehmen immer stärker weibliche Führungskräfte im Blick. Aber in das "Schneckentempo" müsse Bewegung kommen, so die Kanzlerin. Gerade wegen des demografischen Wandels sei es eine Vergeudung, auf qualifizierte Frauen im Management zu verzichten.

"Ich würde gerne heute mit Ihnen ausloten, vor welchen Hürden Frauen stehen auf dem Weg in Spitzenpositionen", sagte Merkel. Aus ihrer Sicht fängt dies schon bei der Karriereplanung in jungen Jahren an. Man brauche gezielte Maßnahmen, um Mädchen auch an technische Berufe heranzuführen.

In der Frage der Vereinbarkeit von Familie und Karriere müsse auch über die Rolle der Väter diskutiert werden. Ohne eine vernünftige Arbeitsteilung gehe es nicht. Und wichtig sei auch die Frage, welche Möglichkeiten es gebe, Zeitmanagement zu betreiben.

In der Diskussion berichteten Teilnehmerinnen von ihren persönlichen Erfahrungen auf dem Weg zur Führungskraft. Sie hoben hervor, wie wichtig Vorbilder und Netzwerke seien, um die Position der Frauen zu stärken und die Karriereplanung zu unterstützen. Den Nachwuchskräften gaben sie die Empfehlung: "Zeigt, dass ihr führen wollt."

Rahmenbedingungen weiter verbessern

An der Unternehmenskultur könne die Politik nichts ändern, sie könne allerdings die Rahmenbedingungen verbessern. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz umgesetzt werden kann." Bundesfamilienministerin Kristina Schröder habe deshalb Initiativen zur Flexibilisierung der Elternzeit in Gang gesetzt und die Familienpflegezeit eingeführt.

Das Thema "Haushalt als Arbeitgeber" müsse Schritt für Schritt weiterentwickelt werden, sagte Merkel. Dabei geht es beispielsweise um die steuerliche Absetzbarkeit von Haushaltshilfen und Kinderbetreuung. Damit könne mehr Zeitflexibilität geschaffen werden, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

Wichtig sei auch die Transparenz, was Unternehmen angehe. Denn die Verpflichtung, eigene Ziele für die Steigerung der Zahl weiblicher Führungskräfte festzulegen und zu kommunizieren, führe zu Begründungszwang. Und daraus entstehe auch ein gewisser Gruppendruck. Auch in der Bundesverwaltung müsse man prüfen, wie es um den Anteil von Frauen in Führungspositionen bestellt sei.

Im Dialog bleiben

Zum Abschluss der Diskussion betonte Merkel, sie wolle nicht, "dass das hier eine Eintagsfliege bleibt. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir uns in einem Jahr wieder treffen." Allerdings sollte dann auch mal ein Mann darüber berichten, wie er aus seiner Sicht die Frage von Karriereplanung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehe. Denn auch bei Männern gebe es eine gewisse Verunsicherung.

"Wir werden die heutige Diskussion auswerten und versuchen, Stränge zu entwickeln, über die man beim nächsten Mal sprechen kann", erklärte Merkel abschließend.

Dienstag, 07. Mai 2013