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Weiterbildung

Lernen macht fit für die Zukunft

In den nächsten 15 Jahren wird sich die Arbeitswelt enorm verändern. Kontinuierliche betriebliche Weiterbildung ist deshalb der Schlüssel für die Zukunft in Deutschland und Europa. Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einem Fachkongress in Berlin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht in Berlin auf dem Arbeitnehmerkongress "Fit für die Zukunft durch berufliche Qualifikation" Merkel: "Wir müssen Industrieland bleiben, wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen." Foto: Bundesregierung/Kugler

"Wir brauchen in unserer Arbeitswelt einen hohen Anteil von Menschen mit betrieblicher Ausbildung", so die Bundeskanzlerin auf dem Arbeitnehmerkongress der CDU/CSU-Bundestagsfraktion "Fit für die Zukunft durch gute betriebliche Qualifikationen". "Wir sehen in Europa, dass viele Hochschulabsolventen arbeitslos sind. Deshalb müssen wir unsere Erfahrungen in der dualen Ausbildung weitergeben."

Betriebliche Ausbildung sichert Fachkräfte-Nachwuchs

Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind erheblich gestiegen. Denn die demografische Entwicklung entlässt die geburtenstarken Jahrgänge in die Rente, und die geburtenschwachen Jahrgänge finden ein großes Angebot an Lehrstellen vor. Unternehmen, Schulen, Bundesagentur für Arbeit und die örtlichen Kammern arbeiten eng zusammen, um für die duale Berufsausbildung zu werben.  Auszubildende werden händeringend gesucht.  

"Wir haben im Augenblick jedes Jahr 500.000 Menschen mehr, die in Rente gehen, als wir junge Menschen haben, die in den Arbeitsmarkt kommen", stellte die Bundeskanzlerin fest. Das bedeute, dass Ende der 2020er-Jahre sechs Millionen Beschäftigte weniger zur Verfügung stünden. "Aber so lange ist das gar nicht mehr hin. 15 Jahre sind schnell vorbei", sagte Merkel. "Das heißt, wir müssen uns unglaublich darauf vorbereiten, damit wir wirklich jeden, der einen Beitrag leisten kann, fit für die Zukunft machen."

Zwar sei es wichtig, den Anteil der Studierenden in Deutschland auf 40 Prozent anzuheben. "Aber genauso brauchen wir auch viele Menschen, die eine duale Berufsausbildung machen. Das ist für die industrielle Fertigung der Zukunft der Schlüssel. Wir müssen Industrieland bleiben, wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen." Dies werde durch Dienstleister und die "Interneteinbettung" der Industrie ergänzt werden.

Duales System bietet Chancen

Eine abgeschlossene Berufsausbildung gilt nach wie vor als Eintrittskarte ins Arbeitsleben. Dennoch sei dies keine Garantie, warnte die Bundeskanzlerin: "Wir haben im Augenblick eine sehr geringe Jugendarbeitslosigkeit. Dennoch kann uns das nicht zufriedenstellen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist zu meinem großen Erstaunen prozentual noch immer etwas höher als die Gesamtarbeitslosigkeit." 

Auch wenn Deutschland bezüglich der Jugendarbeitslosigkeit relativ gut dasteht - in Europa ist diese ein großes Problem. Zur Bekämpfung stellt die Europäische Union sechs Milliarden Euro zur Verfügung. Damit soll die Jugendgarantie möglichst rasch eingelöst werden: Jeder arbeitslose Jugendliche soll binnen vier Monaten ein Jobangebot bekommen.

Deutschland kann dabei praktisch helfen: Junge Fachkräfte sind hier willkommen. Auch das System der betrieblichen Ausbildung könnte in anderen Ländern funktionieren, meinte die Bundeskanzlerin. "Was wir im Augenblick bei der Jugendarbeitslosigkeit in Europa sehen, ist, dass sich das duale Ausbildungssystem in vielen europäischen Ländern überhaupt nicht gut entwickelt hat oder gar nicht entwickelt ist.Vor diesem Hintergrund ist es jetzt sehr wichtig, dass wir unsere Erfahrungen aus der dualen Ausbildung weitergeben."

Weiterbildung sichert Zukunft 

Auch mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung ist es wichtig, Kenntnisse und Fähigkeiten durch Fortbildung immer weiter zu entwickeln. Das geht nur, wenn sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie zunehmend die Unternehmen in der Weiterbildung engagieren. Hier gibt es viele Möglichkeiten, wie zum Beispiel betriebsnahe duale Studiengänge, Fern- oder Abendstudiengänge.

"Das A und O des 'Fit für die Zukunft' ist die Durchlässigkeit und die Vielfalt der Möglichkeiten", bekräftigte die Bundeskanzlerin. Wichtig sei es, die Unternehmen zu unterstützen, die in Fortbildung der Mitarbeiter investieren.Das lebenslange Lernen im Unternehmen werde an Bedeutung gewinnen.

Allerdings wird bisher immer nur im Einzelfall geklärt, wer für die Weiterbildung verantwortlich ist: der Privatmensch, das Unternehmen, oder der Staat. Nur in wenigen Branchen gibt es dazu tarifvertragliche Regelungen, die für die gesamte Branche gelten, und die den demografischen Faktor im Blick haben.

"Die Industriegewerkschaft Chemie, Bergbau, Energie war die erste Gewerkschaft, die das ganz konsequent mit eingebaut hat", sagte die Bundeskanzlerin. "In den großen Unternehmen geschehen diesbezüglich zum Teil extrem gute Dinge. Das ist auch nachvollziehbar; denn wer möchte, dass die Menschen länger arbeiten, der wird auch dafür Sorge tragen müssen, dass sie sich länger bilden können", betonte Merkel.

Montag, 15. April 2013