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Konzept für das regenerative Zeitalter

Umweltfreundliche Energiequellen und nachhaltige Energieerzeugung sind das eine. Ebenso wichtig ist jedoch, dass wertvolle Energie effizient genutzt wird. Wie hoch das Energiesparpotenzial hierzulande ist, war Thema der letzten Station der Energiereise von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wichtig sei eine intelligente Vernetzung der verschiedenen Energieträger, sagte sie zum Abschluss.

Merkel, Röttgen, Brüder und Professoren vor dem photovoltaikbeklankten Haus Vor dem Plus-Energiehaus in Darmstadt Foto: REGIERUNGonline/Bergmann

Die viertägige Energiereise der Kanzlerin hatte zum Ziel, das gesamte Energiespektrum in Deutschland in den Blick zu nehmen: von der Energieerzeugung bis zur Energienutzung. „Ein Mehrwert war dabei zu sehen, wie die verschiedenen Energieträger – herkömmliche und erneuerbare – zusammenwirken“, resümierte Merkel die Reise. Dies gelte etwa für die Regulierung der Netze und die systematische Sicherung der Grundlast dort, wo viel Windstrom in die Netze fließt.

Merkel betonte, dass sich der Energiemix in den kommenden Jahren „dramatisch verändern“ werde. Bis 2050 sollen die Erneuerbaren die Hälfte des Energiebedarfs decken. Eines Tages werde der gesamte Energiebedarf aus nachhaltig erzeugtem Strom gedeckt.

Ökologisch und ökonomisch

„Es geht darum, diese Revolution so zu gestalten, dass die deutsche Wirtschaft dadurch nicht geschwächt, sondern gestärkt wird“, unterstrich die Kanzlerin. Auf den Stationen ihrer Reise sei zudem immer wieder deutlich geworden, „dass Technologien, die wir verkaufen wollen, auch hierzulande genutzt werden müssen“.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle betonte ebenfalls, Deutschland sei bei den erneuerbaren Energien und in der Energieeffizienz auf den Weltmärkten führend. Deshalb sei Energiepolitik immer auch Standortpolitik.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen sprach von einer „enormen technologiebasierten Dynamik“, die eine beeindruckende wirtschaftliche und ökologische Entwicklung antreibe. Das Plus-Energiehaus in Darmstadt zeige eindrücklich, dass teure Energieimporte von heimischer Produktion abgelöst werden. Allerdings sei diese sich abzeichnende Erfolgsgeschichte zunächst mit hohen Investitionen verbunden.

Bekenntnis zu den Brückentechnologien

Die Bundeskanzlerin plädierte dafür, den Prozess des Wandels frei von ideologischen Aspekten zu gestalten. Deshalb werde die Bundesregierung mit ihrem energiepolitischen Konzept „ein klares Bekenntnis“ auch zu den Brückentechnologien Kernkraft und Kohle abgeben.

Wie die Energieversorgungsunternehmen ihrerseits zum Ausbau der Erneuerbaren beitragen sollen, gelte es in den nächsten Wochen zu diskutieren.

Neuer Strom braucht neue Leitungen

Immer wieder sei ihr auf der Energiereise auch deutlich gemacht worden, wie dringend eine neue Infrastruktur für den Strom benötigt werde. Erforderlich seien leistungsfähigere Netzstrukturen und neue starke Leitungen: damit der aus Windkraft gewonnene Strom aus dem Norden auch in den Süden des Landes gelangen kann.

Die Kriterien: Wirtschaftlichkeit, Sicherheit, Umweltverträglichkeit

Vor dem Hintergrund der von Wissenschaftlern vorgelegten Energieszenarien erarbeitet die Bundesregierung bis Ende September nun ein ausgewogenes, zukunftsorientiertes Energiekonzept für den Zeitraum bis 2050.

„Damit kommt Planbarkeit in den Energiestandort Deutschland“, unterstrich Merkel.

Wohnen mit wenig Energie

In Darmstadt hatte sich die Kanzlerin am letzten Tag ihrer Energiereise ein Plus-Energiehaus angesehen. Das Gebäude bietet bei geringstem Energieverbrauch eine attraktive Architektur und viel Wohnkomfort. Es ist mit den neuesten Techniken zur Wärmedämmung, Abwärmenutzung und Be- und Entlüftung ausgestattet. In Dach und Fassade ist eine Photovoltaik-Anlage eingebaut. Darüber erzeugt das Modellhaus erheblich mehr Energie, als es verbraucht. Jetzt gelte es, diese Innovation auch in die Baupraxis umzusetzen, so die Kanzlerin.

Mit Innovationen war auch der letzte Tag der Energiereise gestartet. Merkel besuchte in Rheinfelden die Baustelle eines neuen Wasserkraftwerkes. Die Anlage sei ein Beispielprojekt für Europa, ein gutes, modernes Kraftwerk, befand die Kanzlerin nach der Besichtigung: "Wenn man sieht, dass hier Wirkungsgrade von 94 Prozent erreicht werden, muss ich als Physikerin sagen: Chapeau, das ist toll."

In Heidenheim informierte sich die Bundeskanzlerin über das Forschungslabor für Wasserturbinen des Anlagenbauers Voith. Voith ist eines der großen Familienunternehmen Europas.

Freitag, 27. August 2010