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Europa

Kontinent des Friedens

Das norwegische Nobelkomitee hat der Europäischen Union in Oslo den Friedensnobelpreis verliehen. Damit würdigt es den Beitrag der Union seit sechs Jahrzehnten für Frieden und Aussöhnung in Europa.

Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Hollande grüßen gemeinsam in den Saal, als Komiteechef Jagland besonders auf die deutsch-französische Aussöhnung einging Besonders gewürdigt: die deutsch-französische Freundschaft als europäische Friedensleistung Foto: Bundesregierung/Bergmann

Der Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy haben in Oslo den Friedensnobelpreis stellvertretend für 500 Millionen Europäer entgegengenommen.

Zahlreiche Staats- und Regierungschefs der EU, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, nahmen an der Zeremonie teil

Merkel: Nobelpreis "unglaublich ermutigend"

Die Kanzlerin bezeichnete die Vergabe des Friedensnobelpreises an die EU als "unglaublich ermutigend". "Ich glaube, dass es ein wunderbarer Moment ist, einmal darüber nachzudenken, was unsere Vorgänger geschaffen haben: von Konrad Adenauer über Helmut Kohl, von Schuman über Monnet und viele, viele andere. Aber es ist vor allem für die, die heute politisch aktiv sind, eine Ermutigung, nicht nachzulassen", so Merkel.

Das Nobelpreiskomitee habe der EU "ein Vertrauen ausgesprochen, kombiniert mit einer Erwartung". Ziel sei es jetzt, die 500 Millionen Europäer zusammenzuhalten, enger zusammenzuarbeiten und vor allem die gemeinsamen Werte zu verteidigen, erklärte die Bundeskanzlerin.

Ihre Vision von Europa sei nicht die der Vereinigten Staaten von Europa. "Da denkt jeder an die Vereinigten Staaten von Amerika. Aber ich glaube, wir brauchen noch mehr Gemeinsamkeit, wir müssen noch enger zusammenarbeiten. Insbesondere in der Euro-Zone, wo wir eine starke Währung haben. Wenn wir nicht eine ähnliche Wettbewerbsfähigkeit haben, wenn wir nicht ähnlich stark sind, dann wird es sehr schwer, auch mit einer Währung klarzukommen", so Kanzlerin Merkel.

Frieden - keine Selbstverständlichkeit

In seiner Laudatio sagte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Thorbjørn Jagland, Europa sei von einem Kontinent des Krieges zu einem Kontinent des Friedens geworden. Das sei keine Selbstverständlichkeit, und dafür müsse immer wieder neu gekämpft werden. Der Prozess der Aussöhnung habe in Westeuropa begonnen und dann mit dem Mauerfall Ost- und Mitteleuropa erreicht. Nun sei er auf dem Balkan angekommen.

Jagland würdigte in seiner Rede besonders die deutsch-französische Freundschaft als eine zentrale europäische Friedensleistung. Unter starkem Beifall dankte er Bundeskanzlerin Merkel und dem französischen Präsidenten Hollande für ihre Teilnahme an der Zeremonie.

Van Rompuy: "Ich bin stolz, Europäer zu sein"

Die zentrale Botschaft der Rede Van Rompuys: der Gedanke der Aussöhnung zwischen den europäischen Völkern. Von Europa werde jedoch erwartet, den Frieden auch in Zukunft zu sichern, betonte der EU-Ratspräsident. Die EU habe das Zeitalter der Kriege in Europa beendet und eine Kultur der friedlichen Konfliktlösung etabliert.

Angesichts drängender Probleme reiche das Versprechen des Friedens heute allerdings nicht mehr, um die Menschen für die EU zu begeistern. Europa werde derzeit auf die Probe gestellt.

Es gelte, Wachstum und Arbeitsplätze zu schaffen. "Wir müssen wieder Meister unseres eigenen Schicksals werden", sagte Van Rompuy. Auf Deutsch, Englisch und Französisch schloss er seine Ansprache mit dem Bekenntnis: "Ich bin stolz, Europäer zu sein."

Der Euro – Symbol der Einheit

In seiner Dankesrede bezeichnete Barroso den Euro als stärkstes Symbol der Einheit des Staatenbundes. "Heute ist eines der sichtbarsten Symbole unserer Einheit in jedermanns Händen", sagte der EU-Kommissionspräsident. "Es ist der Euro, die Währung unserer Europäischen Union. Wir werden ihn verteidigen."

Preisgeld für Kinder in Konfliktgebieten

EU-Kommissionspräsident Barroso hat angekündigt, mit dem Preisgeld des Friedensnobelpreises Projekte für syrische Flüchtlingskinder, Kinder in Flüchtlingslagern Kolumbiens, kongolesische und pakistanische Kinder zu finanzieren. "Wir wollen, dass die ‚Kinder des Krieges‘ zu ‚Kindern des Friedens‘ werden", so Barroso.

Für die Projekte werden insgesamt zwei Millionen Euro bereitgestellt. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF wird das Projekt in Pakistan durchführen, "Save the Childen" und der Norwegische Flüchtlingsrat betreuen die kongolesischen Kinder. Der UNHCRwird Hilfe in Kolumbien leisten und die Organisation ACTED aus Frankreich die syrischen Kinder im Flüchtlingslager Domuz im Norden Iraks unterstützen.

Dienstag, 11. Dezember 2012