Deutschlands erster Quantencomputer in Betrieb

Forschung Deutschlands erster Quantencomputer in Betrieb

Im baden-württembergischen Ehningen ist die Forschungsplattform „IBM Quantum System One“ eingeweiht worden – Deutschlands erster Quantencomputer. Bundeskanzlerin Merkel sagte: „Deutschland gehört in der Forschung zur Quantentechnologie zur Weltspitze.“ Der Bund will bis 2025 zusätzliche zwei Milliarden Euro in dem Bereich investieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel weiht die Forschungsplattform „IBM Quantum System One“ ein.

Bundeskanzlerin Merkel bei der Einweihung von „IBM Quantum System One“: Die Forschungsplattform ist auch in Europa einmalig.

Foto: Bundesregierung/Bergmann

In einem Gemeinschaftsprojekt betreibt die Fraunhofer Gesellschaft für anwendungsorientierte Forschung den ersten von dem US-amerikanischen IT-Unternehmen IBM entwickelten universellen Quantencomputer. Forscherinnen und Forscher aus Wirtschaft und Wissenschaft können jetzt anwendungsbezogene Quantenalgorithmen entwickeln, die neue Technologie testen sowie ihr Know-how ausbauen. Die neue Plattform ist auch in Europa bislang einmalig. Sie ist eingebettet in das Fraunhofer Netzwerk Quantencomputing.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm am Dienstag an der offiziellen Inbetriebnahme teil: „Ohne Zweifel ist der Quantencomputer ein glänzendes Aushängeschild des Hightech-Standortes Deutschland.“ Die Bundeskanzlerin wies außerdem auf die bisher unvorstellbare Geschwindigkeit dieses neuen Computers hin. 

Sie führte an, dass Deutschland in der Forschung zu Quantentechnologie zur Weltspitze gehöre und dort auch bleiben wolle. Die Forschungsergebnisse wolle man sich auch für wirtschaftliche Anwendungen zunutzen machen, so Merkel. 

Zehn führende Unternehmen der deutschen Wirtschaft haben sich bereits in dem „Quantum Technology and Application Consortium (QUTAC)“ zusammengeschlossen. Sie wollen mithilfe der neuen Forschungsplattform Quantencomputing industriell nutzbar und wirtschaftlich erfolgreich machen. Aber auch Start-ups sowie kleinen und mittleren Unternehmen steht der Quantencomputer zur Verfügung. 

Zukunftstechnologie stärkt Innovationsstandort Deutschland

Die Quantentechnologie gilt als „Game Changer“, die schon in einigen Jahren neues Wissen und neue Möglichkeiten in vielen Bereichen schaffen wird. Einsatzmöglichkeiten gibt es unter anderem bei Optimierung und Simulation, in Logistik und Verkehr, Energiewirtschaft, Chemie, Medizin oder den Materialwissenschaften. Die Zukunftstechnologie wird den Innovationsstandort Deutschland weiter stärken, insbesondere aber dem Menschen dienen.

Im Unterschied zu den Bits von Digitalrechnern sind die kleinsten Recheneinheiten von Quantencomputern, die „Quantum Bits“ (Qubits), in der Lage, sich untereinander nach speziellen Gesetzmäßigkeiten der Quantenmechanik zu verbinden und damit einen wesentlich komplexeren Gesamtzustand anzunehmen. Man spricht dann von „Verschränkung“. Diese Verschränkung der Qubits eines Quantencomputers zu einem Gesamtzustand ist eine einzigartige Eigenschaft von Quantencomputern. Lesen Sie hier mehr zu der Technologie: Quantencomputing kurz erklärt.

Förderprogramm aufgelegt

Zur Förderung der Quantentechnologien hat die Bundesregierung beschlossen, zusätzliche zwei Milliarden Euro aus dem Konjunkturprogramm vom Juni 2020 in dieses Forschungsfeld zu investieren. Ein im Oktober 2020 berufenes Beratungsgremium – bestehend aus 16 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft – hat dazu eine „Roadmap Quantencomputing“ erarbeitet.

Bundeskanzlerin Merkel wies darauf hin, dass Ziel der Förderung durch die Bundesregierung die digitale und technologische Souveränität Deutschlands sei. Für die Quantentechnologie und ihre erfolgreiche Anwendung durch marktfähige Innovationen bringe Deutschland die besten Voraussetzungen mit.

Außeruniversitäre Forschung ist ein Aushängeschild

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die weltweit führende Organisation für anwendungsorientierte Forschung und eine der großen deutschen außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Mit ihrer Fokussierung auf zukunftsrelevante Schlüsseltechnologien sowie auf die Verwertung der Ergebnisse in Wirtschaft und Industrie, spielt sie eine zentrale Rolle im Innovationsprozess. 

Mit dem neuen „Pakt für Forschung und Innovation“ investieren Bund und Länder 120 Milliarden Euro von 2021 bis 2030 in die außeruniversitäre Forschung und damit in die gute Zukunft Deutschlands.

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