„Halten Sie Ihre Vorschläge nicht hinterm Berg“

Konferenz zur Zukunft Europas „Halten Sie Ihre Vorschläge nicht hinterm Berg“

Bundeskanzlerin Merkel hat sich in einem Online-Dialog mit zehn europäischen Studentinnen und Studenten ausgetauscht. Die Themen waren Ideen von Europa sowie Europas Rolle in der Welt. Die Veranstaltung fand innerhalb der Konferenz zur Zukunft Europas statt, bei der Menschen EU-weit Ideen für ein künftiges Europa diskutieren.

Kanzlerin Merkel im Online-Dialog mit Studentinnen und Studenten

Kanzlerin Merkel sprach mit Studentinnen und Studenten über Europas Rolle in der Welt.

Foto: Bundesregierung/Bergmann

Über die Zukunft Europas spreche man am besten mit jungen Menschen, die schon ein bisschen Erfahrung mit Europa haben, so Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Was wünschen Sie sich von Europa und was macht Europa für sie aus?“ – das interessierte die Kanzlerin in ihrem Gespräch mit zehn Studentinnen und Studenten aus verschiedenen EU-Staaten am Montag besonders. 

Von Vilnius bis London, von Sevilla bis Rom über Prag und Glasgow konnten und können die jungen Menschen europäische Erfahrungen innerhalb verschiedener Erasmusprogramme sammeln. Für Hannah Nitsch ist das Besondere an Europa „Freiheit“ und „Vielfalt“ sowie „viele andere Studierende aus anderen Europäischen Ländern kennenzulernen“. Sie berichtete von ihrem letzten Jahr in London kurz vor dem Brexit und die Melancholie vieler Studierender: Erasmus werde in England bald nicht mehr so leicht möglich sein.

Die Kanzlerin versprach, am Freitag bei ihrem Besuch in London beim englischen Premierminister Boris Johnson für eine Fortführung von Austauschprogrammen zu werben.

Reisefreiheit, Vielfalt und mehr Selbstverständlichkeit für Europa

Stella Kim aus Deutschland aus und Jan Tylk aus Tschechien schätzen das einfache Reisen in der EU und auch, dass man ganz einfach ohne Roamingebühren günstig nach Hause telefonieren kann: „Wichtig ist, die Menschen aus den anderen Ländern kennenzulernen“, betonte der tschechische Student. 

Der Deutsch-Spanier Adrian Alonso Alvarez wünscht sich eine noch größere Selbstverständlichkeit für Europa und weniger Nationalismus: „Ich bin Europäer.“ Ophélie Ranquet aus Frankreich studiert gerade in Karlsruhe. Sie fasziniert, dass „wir oft alle eine andere Perspektive haben, aber wir doch alle gleich denken über unsere gemeinsamen Werte“. Alle Studierenden eint besonders die wertvollen Erfahrungen, die sie während ihrer EU-geförderten Erasmusprogramme gemacht haben: Sprachen zu lernen, neue Menschen aus anderen Nationen und die Vielfalt der europäischen Kultur kennenzulernen.

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Video Online-Dialog der Kanzlerin mit Studierenden zur Zukunft Europas

Europas Rolle in der Welt

Ein weiteres Thema des Austausches war Europas Rolle in der Welt. Die Litauerin Roberta Bartkute, die in Berlin Geschichte studiert, sprach dabei den jüngsten deutsch-französischen Vorstoß auf dem Europäischen Rat an: ein Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Viele Ost- und Mitteleuropäischen Länder hätten sich diesem Vorschlag nicht angeschlossen. Sie sieht dies als Zeichen, dass die Wahrnehmung Russlands in Europa sehr unterschiedlich sei. 

Hier gab Kanzlerin Merkel zu bedenken, dass diese Gespräche kein Zeichen der guten Beziehungen zu Russland seien. Vielmehr hätten die Europäer dadurch die Möglichkeit, ihre Kritik an Russland vorzutragen: „Wir haben viele gute Argumente.“ 

Mit einer Stimme sprechen

Die Bundeskanzlerin betonte: „Wir in Europa sind nur stark, wenn wir mit einer Stimme sprechen.“ Dies gelte nicht nur gegenüber Russland, sondern auch anderen Ländern, die eine ganz andere gesellschaftliche Ordnung haben, wie zum Beispiel China.

In diese Richtung ging auch die Forderung von Jonathan Weikl, der in Nürnberg Jura studiert und im litauischen Vilnius ein Erasmus-Semester verbracht hat. Für ihn wäre es ein wichtiger erster Schritt, damit Europa seine außenpolitische Macht vertiefe, dass im Rat das Einstimmigkeitserfordernis nicht mehr gelte. „In einer Union sollten die Mehrheitsinteressen überwiegen“, sagt Weikl.

Gemeinsam das Klima schützen

Die Polin Wiktoria Zatoń sieht gemeinsames europäisches Handeln auch bei der globalen Herausforderung des Klimaschutzes notwendig. „Gerade hier ist es wichtig, dass wir uns zusammenschließen und gemeinsam solidarisch handeln – und nicht nur im Sinne der Nationalstaaten“, so die Mathematikerin. In Schlesien sehe sie bei den Menschen viel Mut, Innovationen umzusetzen. Für sie wünscht sie sich mehr Unterstützung von der EU.

Zum Abschluss rief die Bundeskanzlerin dazu auf, sich an der Konferenz zur Zukunft Europas zu beteiligen: „Halten Sie Ihre Vorschläge nicht hinterm Berg. Wir versuchen daraus etwas zu machen, was die Lebendigkeit Europas noch ein bisschen nach vorne treibt.“ 

Wie soll Europa künftig aussehen? Das ist die zentrale Frage der Konferenz zur Zukunft Europas. Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, sich an dem europaweiten Dialogprozess zu beteiligen.  Zentrale Drehscheibe der Ideen ist die Onlineplattform der Konferenz. Mehr Informationen zur Konferenz, und wie Sie daran teilnehmen können, finden Sie hier.

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