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Kalifornien: Forschung für Wirtschaft und Wohlstand

Biotechnologie von Bayer-Schering, Nanopartikel aus einem Forschungslabor der Berkeley-Universität oder ein IT-gestütztes Navigationssystem für Volkswagen: Überall in San Francisco spürt Bundeskanzlerin Angela Merkel die Dynamik der amerikanischen Westküste. An der Stanford-Universität sprach die Kanzlerin über gemeinsame Herausforderungen: Sicherheitspolitik, Finanzkrise und Klimaschutz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Terrasse eines SAP-Gebäudes vor einer Übersichtskarte des Silicon Valley Viele deutsche Firmen sind im Silicon Valley vertreten. Foto: REGIERUNGonline/Bergmann

Gemessen an seinen wirtschaftlichen Kennziffern, wäre Kalifornien immerhin die achtstärkste Wirtschaftsnation der Welt. Deshalb lohne es sich, hier öfter mal vorbeizuschauen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit anzuschieben, sagte Merkel in San Francisco.

Die Westküste der Vereinigten Staaten hatte die Kanzlerin schon lange im Blick. 18 Jahre ist es her, dass mit Helmut Kohl ein deutscher Bundeskanzler den Sonnenscheinstaat besuchte. Ein Versäumnis, findet Merkel – „schließlich fahren wir fast jedes Jahr nach China“.

Die Rolle Kaliforniens als eine der kreativsten Hightech-Regionen der Welt ist ungebrochen. Dieses Potenzial darf man nicht allein dem pazifischen und asiatischen Raum überlassen. Zudem ist Deutschland der wichtigste Handelspartner Kaliforniens außerhalb Asiens. 

Exzellente Forschungslandschaft

San Francisco verfügt über zwei hervorragende Universitäten – die staatliche Berkeley University und die private Stanford University. Was die beiden Unis ganz besonders auszeichnet, ist ihre praxisnahe Forschung, von der sich Merkel selbst ein Bild machte. In Berkeley forschen mehr als 8.000 Frauen und Männer, 1.300 von ihnen auf dem zukunftsträchtigen Feld der Nanopartikel.

Geografisch großzügig betrachtet, liegen die Universitäten an den beiden Enden eines weltbekannten Tals: des Silicon Valley. Das "Silizium-Tal" ist der Inbegriff für unternehmerische Selbständigkeit im IT-Bereich und für informationstechnologische Innovationen. Hier an der Bucht von San Francisco gibt es mehr als 7.000 Software- und Elektronikfirmen sowie andere innovative Technologieunternehmen. Viele deutsche Spitzenleute in Forschung und Technologie arbeiten hier.

An der Stanford-Universität sprach die Kanzlerin am Nachmittag vor Studierenden. Aber vor Beginn ihrer Rede gedachten alle der am Vortag gefallenen deutschen Soldaten in Afghanistan. Merkel sagte: "Die traurige Erfahrung, die wir heute in Deutschland machen müssen, machen Sie in den Vereinigten Staaten genauso. Wir sind heute gemeinsam in vielen Bereichen dabei, uns Verantwortung zu teilen."

Die Stanford University weist eine lange Liste erfolgreicher Absolventinnen und Absolventen auf. Allein sieben Nobelpreisträger der Physik kommen aus Stanford. Auch die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice und YouTube-Gründer Jawed Karim haben dort studiert. Im internationalen Ranking der Hochschulen nimmt die Universität stets vorderste Plätze ein.

Stanford University

Sicherheit ist Voraussetzung für das Leben in Freiheit

In ihrer Rede  zeigte Merkel an drei Beispielen, dass generell nur mit gemeinsamer Verantwortung Erfolg überhaupt noch möglich sei.

Sie erinnerte daran, dass sich die internationale Gemeinschaft nach dem 11. September 2001 gemeinsam dazu entschlossen habe, für Sicherheit und Freiheit einzustehen. Dieses Datum habe sehr viel damit zu tun, "dass wir heute in Afghanistan sind".

Inzwischen gebe es eine Bedrohung, die über die des Kalten Krieges weit hinausgehe. Weil die Angreifer in Konflikten sich nicht davor scheuten, auch ihr eigenes Leben zu opfern.

Zudem sei die Gefahr des nuklearen Terrorismus realer geworden. Wenn Staaten an Terrorgruppen waffenfähiges Nuklearmaterial weitergeben, entstehe eine völlig neue Bedrohung. Dieser Gefahr könnten die Staaten nur gemeinsam begegnen.

Freiheit hänge heute viel stärker als früher davon ab, "dass wir eine Sicherheitspolitik betreiben, die auf globale Gefahren ausgerichtet wird, die um eine glaubwürdige, strategisch angelegte und von den Menschen vor Ort getragene Entwicklungspolitik ergänzt wird." Freiheit, Solidarität und Partnerschaft gehörten untrennbar zusammen, und nur so könnten die Herausforderungen bewältigt werden, betonte die Kanzlerin.

Wirtschafts- und Finanzkrise bewältigen

Die zweite Herausforderung bestehe darin, die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise zu bewältigen. Eine Krise dieses Ausmaßes könne nur international gelöst werden. Merkel plädierte für eine „neue Balance zwischen wirtschaftlicher Freiheit und transparenten Regeln". 

Das bedeute, so Merkel: "Wir stehen vor der großen Herausforderung, ein System für die globalen Märkte zu schaffen, das Freiheit, Solidarität und weltweite Partnerschaft verbindet."

Um hier Lösungen zu finden, reichten die großen Industrienationen der G8 nicht mehr aus. Auch so genannte Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien und Südafrika müssten mit dabei sein.

Klimaschutz und Energiepolitik ist Friedenspolitik

Die dritte große Herausforderung sei der Klimaschutz, sagte die Kanzlerin. Obwohl objektive, wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, seien in Kopenhagen nicht die richtigen Schlussfolgerungen gezogen worden. Das habe sie enttäuscht, so Merkel.

Inzwischen bewege sich die USA zwar, „aber richtig zufrieden bin ich noch nicht“. Sie hoffe, dass die Jugend „etwas Druck“ mache. Weil die Industrieländer die globale Erderwärmung verursacht hätten, müssten sie jetzt auch handeln. „Das sind wir uns und insbesondere den Armen dieser Welt schuldig“.

Zum Ende ihrer Rede erzählte die Kanzlerin auf Englisch, wie sie als Physikerin in der DDR wissenschaftliche Zeitschriften aus Stanford gelesen hätte. Und dass sie das Geschenk der Freiheit nicht hoch genug schätzen könne.

„Die Luft der Freiheit weht“, ist das Motto der Stanford Universität. Ihr ginge das sehr nahe. Aber diese Freiheit sei ohne Solidarität nichts wert. Für sie gehe es immer um „Freiheit in Verantwortung“. 

Freitag, 16. April 2010