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UN-Klimakonferenz

Inselstaaten fordern größere Klimaanstrengungen

Vor ihrer Reise zum UN-Klimagipfel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin mit Vertretern acht pazifischer Inselstaaten gesprochen. Dabei unterstrich Merkel noch einmal die Notwendigkeit, die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen. Die bedrohten Inselvölker wollen mehr.

Blick aus einem Propeller-Flugzeug auf das Rasdu Atoll/Maleviden. Höchste Gefahr auch für die Atolle der Malediven. Foto: Picture-Alliance/Bildagentur Huber/R. Schmid

Die Inselstaaten stellen das Zwei-Grad-Ziel, an dem sich die Europäische Union (EU) in Kopenhagen orientiert, in Frage. Sie fordern stattdessen eine Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Dazu dürften die Emissionen nur noch bis zum Jahr 2015 steigen. Bis 2050 müsste der CO2-Ausstoß dann um 85 Prozent gegenüber 1990 sinken. 

Der Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed, hatte zu Beginn der zweiten Verhandlungswoche in drastischen Worten zur Rettung seiner Inselkette aufgerufen. Er forderte die Weltgemeinschaft dazu auf, den Empfehlungen der Wissenschaft im Kampf gegen den Klimawandel zu folgen. Nasheed war als erster Regierungschef zur Klimakonferenz in Kopenhagen eingetroffen.

Staaten versinken im Meer

Für die Inseln geht es um die Existenz: Der Klimawandel und der damit verbundene Anstieg des Meeresspiegels könnte sie im Meer versinken lassen. Das erste Mal in der Geschichte könnten ganze Staaten einfach von der Weltkarte verschwinden.

Zahlreiche kleine Inselstaaten liegen nur geringfügig über dem Meeresspiegel. Im 20. Jahrhundert ist der Meeresspiegel bereits um 17 Zentimeter gestiegen. Seit 1993 ist ein deutlich schnellerer Anstieg zu beobachten. In 100 Jahren wird der Wasserspiegel vermutlich um einen Meter gestiegen sein. Schon jetzt müssen Bewohner flacher Inselstaaten an den Küsten ihre Wohngebiete verlassen, weil das Wasser ihren Lebensraum einnimmt.

Für einige geht es um wenige Zentimeter. Bereits ein Anstieg von 18 bis 59 Zentimetern würde nach Schätzungen des Weltklimarates die flachen Inseln der Malediven unbewohnbar machen.

Am stärksten gefärdet sind neben den Malediven die Staaten Osttimor, die Fidschi-Inseln, Kiribati, die Marshall-Inseln, Mikronesien, Nauru, Palau, Papua Neuguinea, Samoa, Solomonen, Tonga und Tuvalu.

Deutschland sagt Unterstützung zu

Die Vertreter der Inselstaaten kamen in Berlin auch mit Bundesaußenminister Guido Westerwelle und Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel zusammen. Beide versprachen Deutschlands Unterstützung im Kampf gegen den Klimawandel und bei der Bewältigung der Folgen. Niebel kündigte an, die finanziellen Mittel für das Regionalprogramm "Anpassung an den Klimawandel in der pazifischen Inselregion" um 10 Millionen Euro aufzustocken. 

 

Nach ihrem Besuch im Auswärtigen Amt reisten die Vertreterinnen und Vertreter der Inselstaaten gleich zur Klimakonferenz nach Kopenhagen weiter.

Gemeinsam bilden die Inselstaaten Aosis: die "Alliance of Small Island States", eine informelle Koalition kleiner, niedrig liegender Länder. Sie stehen aufgrund des klimatisch bedingten Anstiegs des Meeresspiegels vor ähnlichen Herausforderungen. Viele der 42 Mitglieder sind Entwicklungsländer, aus verschiedenen Regionen der Welt: aus Afrika, der Karibik, der Region Indischer Ozean, dem Chinesischen Meer, Mittelmeer und der Pazifik-Region.

Dienstag, 15. Dezember 2009