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Familienunternehmen

In Deutschland investieren

"Sie sind das Rückgrat dessen, was unsere wirtschaftliche Stärke ausmacht." Das erklärte Kanzlerin Merkel auf der ersten europäischen Familienunternehmerkonferenz. Im Mittelpunkt standen Fragen der Wettbewerbsfähigkeit sowie die globalen Herausforderungen für Betriebe in Deutschland und Europa.

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Europäischen Familienunternehmerkonferenz der EFB Merkel: Digitalisierung ist für Mittelständler von allergrößter Bedeutung. Foto: Bundesregierung/Bergmann

Wie kommt Europa wieder auf Kurs? Was muss getan werden, um die Produktivität zu steigern, um Investitionen und Innovationen in Europa zu fördern? Diese Fragen diskutierten Europas Familienunternehmer auf ihrem ersten Gipfeltreffen.

Der erste European Family Business Summit ist eine Veranstaltung des europäischen Dachverbandes European Family Businesses in Kooperation mit dem deutschen Wirtschaftsverband Die Familienunternehmer.

Familienunternehmen prägen Deutschland

"Familienunternehmen haben in Deutschland ein besonderes Gewicht", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Konferenz. Rund 95 Prozent der deutschen Unternehmen sind familiengeführt und stellen etwa 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze.

"Familienunternehmen haben eben nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ Gewicht", so Merkels Fazit. Sie begrüßte, dass sich seit dem Fall der Mauer vor 25 Jahren 300 große Familienunternehmen in den neuen Bundesländern etabliert hätten.

Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken

Die Eurokrise habe die Schwächen Europas offenbart, erklärte die Kanzlerin. Nun sei es an Europa, sich an die selbstgegebenen Regeln zu halten. Hierzu gehöre auch der verschärfte Stabilitäts- und Wachstumspakt.

"Nur indem wir unsere eigenen Versprechungen und Abmachungen einhalten, wird auch Vertrauen in Europa hergestellt werden, und das ist ja genau die Währung, durch die auch Investoren angelockt oder angezogen werden, in die Finanzmärkte investieren oder für die sich Nachfrager interessieren", erläuterte Merkel.

Beim Stabilitäts- und Wachstumspakt ginge es um Stabilität, solide Haushaltsführung und Wachstum gleichermaßen. Merkel betonte, dass Wachstum nur dann aus einer vernünftigen Haushaltsführung erwachsen könne, wenn zugleich wettbewerbsfördernde Strukturreformen durchgeführt würden. "Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit sind notwendig, und sie sind in vielen europäischen Ländern auch gemacht worden."

Frieden als Basis

In ihrer Rede thematisierte die Kanzlerin auch die zum Teil schwierige geopolitische Lage, die Europa beschäftige. Hierzu gehöre die Ukraine Krise. "Wir arbeiten unermüdlich für eine diplomatische Lösung dieser Krise, die aber leider fortwährend die territoriale Integrität der Ukraine verletzt", erklärte Merkel. So lange Russland keine oder zu wenig Beiträge zur Überwindung der Krise leiste, brauche man auch Wirtschaftssanktionen. "Sie sind unumgänglich."

Zwar träfen die Sanktionen auch die europäische und deutsche Wirtschaft. "Aber nichts ist wichtiger für Unternehmen als Rechtssicherheit, Stabilität und Frieden als Grundvoraussetzung dafür, dass man überhaupt erfolgreich wirtschaften kann", sagte Merkel.

Freihandelsabkommen bietet Wachstumschancen

Kanzlerin Merkel sprach sich für den zügigen Abschluss der Freihandelsabkommen mit Kanada und den USA aus. "Wenn wir von den Wachstumsmärkten nicht abgehängt werden wollen, muss Europa sich hier sputen", sagte die Kanzlerin und betonte: "Die Chancen überwiegen bei Weitem die Risiken."

Merkel setzt auf möglichst umfassende Abkommen, die nicht nur Zollschranken reduzieren, sondern auch unnötige Doppelregelungen vermeiden. "Ein Entlastungsprogramm, ohne das öffentliche Haushalte belastet werden."

Verantwortungsvolle Haushaltspolitik

In ihrer Rede unterstrich Merkel die Notwendigkeit einer soliden Haushaltspolitik. Es sei bekannt, dass "es besser ist, wenn man mit dem Geld auskommt, das man hat". Daher sei sie stolz, dass der Haushalt für 2015 zum ersten Mal seit 46 Jahren keine neuen Schulden aufnehme.

Steuerpolitische Verlässlichkeit sei ebenfalls von größter Bedeutung. "Deshalb haben wir auch gesagt: Trotz guter Wirtschaftsbedingungen - oder gerade deshalb - werden wir keine Steuererhöhung vornehmen, sondern sagen: Wir kommen mit dem aus, was wir im Steuerrahmen haben."

In Deutschland investieren

Man müsse aber auch investieren, betonte Merkel. "Wir haben im Haushaltsplan bisher bereits sieben Milliarden Euro für zusätzliche Investitionen vorgesehen, und um alle Spielräume zu erschließen, werden wir bis 2018 noch weitere 10 Milliarden Euro dazulegen."

Darüber hinaus sei es wichtig, private Investitionen nach Deutschland zu holen. Hierfür wolle man die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. "Daran arbeiten wir im Augenblick zum Beispiel im Rahmen der Digitalen Agenda. Denn wir dürfen nicht vergessen: Auch für Mittelständler, für Familienunternehmen, wird die Frage der Digitalisierung der eigenen Unternehmen von allergrößter Bedeutung sein."

Arbeitsplätze schaffen

Merkel sprach auch über den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. "Wir können noch so viel über staatliche Investitionen sprechen: Wenn keine privaten Investitionen folgen, wenn keine Projekte da sind, wenn kein Klima da ist, in dem man weiß, wohin man investieren will, dann helfen alle staatlichen Maßnahmen nicht", sagte Merkel.

"Deshalb sind Sie es, die dauerhaft Arbeitsplätze schaffen - für jüngere und für ältere Menschen." Staatliche Programm könnten nur Anreize setzen, einzig dauerhaft private Arbeitsplätze könnten Arbeitslosigkeit wirksam bekämpfen.

Die Familienunternehmer sind die starke Stimme des Unternehmertums. Sie repräsentieren die wirtschaftspolitischen Interessen von 180.000 Familienunternehmern in Deutschland, die acht Millionen sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter beschäftigen. Ihre Ansprechpartner sind die Vertreter der Politik, der Medien und die allgemeine Öffentlichkeit.

Dienstag, 25. November 2014